Miet-Wahnsinn: 14-Euro-Grenze geknackt

München - Wer soll sich das noch leisten? Die Münchner Mieten sind wieder gestiegen, in einigen Vierteln ganz besonders: die Tabelle der Stadtteile und wie viel Münchner Mieter im Vergleich zu anderen bayerischen Stadtbewohnern hinblättern müssen.

Zwei Jahre hatten die Münchner Mieter Ruhe, seit wenigen Monaten ziehen die Preise wieder an. Da stellte sich nicht nur Marktforscher Prof. Stephan Kippes vom Immobilienverband IVD die spannende Frage: Geht das weiter? Es geht. Das kann der Experte sicher sagen, aber nicht, wer die vielen Scheine Monat für Monat hinblättert. „Man fragt sich, woher die Kaufkraft kommt …“

Es gibt viele neue Wohnungen in München (Foto: Parkstadt Schwabing) - doch die Mieten steigen weiter

Aber diese Wahnsinnsmieten werden bezahlt, sonst würde der IVD sie nicht erfassen. Seine Makler melden nämlich alle Abschlüsse an das Institut, das regelmäßig die durchschnittlichen Preise veröffentlicht. Die angegebenen Werte sind also echte Preise, keine Vermieter-Träume oder Luxus-Marken. Sie gelten natürlich nur bei neuen Verträgen, aber sie fließen mit ein, zwei Jahren Verzögerung in den Mietspiegel ein, nach dem viele Vermieter die Preise für ihre alteingesessenen Mieter nach oben schrauben. Sie sind also ein Warnsignal für alle Münchner! Die Mieten erreichen in allen Kategorien – wieder einmal – neue Rekorde.

- Im Neubau wurde erstmals die 14-Euro-Grenze gesprengt! So viel müssen die neuen oder umgezogenen Münchner pro Quadratmeter kalt in guter Lage hinblättern – im Durchschnitt, wohlgemerkt. Das sind nochmal 20 Cent mehr als noch im Frühjahr und einen ganzen Euro mehr als vor zwei Jahren. Im ganz Bayern sank der Preis sogar um 10 Cent auf 8,90 Euro. „Die Stadt-Land-Schere geht auseinander“, sagt Prof. Kippes. Das gilt nicht nur für neue Wohnungen, sondern für alle anderen auch.

- Im Altbau klettern die Mieten munter hinterher – jetzt um 20 Cent auf 13,70 Euro. Das ist bald doppelt so viel wie im Rest des Freistaats und selbst den meisten anderen Städten.

- Besonders bitter ist der Anstieg im Bestand: Hier wohnen die meisten Münchner, vor allem die mit den nicht so ausufernden Monatsabrechnungen oder Rentenbescheiden. Hier steigt der Mittelwert um 20 Cent auf nunmehr 12,70 Euro. Die Angabe bezieht sich wie die anderen pro Quadratmeter kalt auf den guten Wohnwert, aber selbst für ganz normale Apartments in weniger begehrten Stadtteilen werden immer noch 10,90 Euro aufgerufen. Und für die selten gewordenen, einfachsten Bleiben ohne Zentralheizung zahlen die Mieter noch 9,30 Euro. Gerade hier seien die Preise im langjährigen Vergleich am stärksten angezogen, berichtet Prof. Kippes. Im Rest des Freistaats liegt der Mittelwert weit darunter bei konstant 8 Euro.

- Noch irrer sind die Verläufe bei den vermieteten Häusern. Alle Angaben beziehen sich auf 125 Quadratmeter kalt: Reihenmittelhäuser steigen auf 1650 Euro (gebraucht) und 1770 Euro (neu). Die Preise für Doppelhaushälften katapultieren geradezu auf 1940 Euro (gebraucht) und 2300 Euro (neu).

Es bleibt dabei: In München überbieten sich die gut verdienenden Mieter gegenseitig um die wenigen Wohnungen. Die IVD-Makler warnen die Vermieter aber vor überzogenen Vorstellungen. Ehrenvorsitzender Johannes Schneider muss oft „utopische Preise“ dämpfen. Schließlich prüfen die Interessenten sehr genau. Schlechte Wohnungen erzielen keine Top-Preise. Insofern funktioniert der Markt noch.

David Costanzo

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

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Das kostet das Wohnen in den größten Städten im Freistaat

Altbau (pro qm kalt)

Herbst 2011

Trend

Bestand (pro qm kalt)

Herbst 2011

Trend

Neubau (pro qm kalt)

Herbst 2011

Trend
München 13,70 € +0,20 € 12,70 € +0,20 € 14,00 € +0,20 €
Aschaffenburg 6,90 € = 7,40 € +0,10 € 8,50 € =
Augsburg 7,00 € = 7,60 € = 7,90 € =
Bamberg 6,90 € = 7,40 € = 8,30 € +0,40 €
Erlangen 10,30 € +0,30 € 10,00 € +0,50 € 10,10 € +0,60 €
Fürth 6,40 € +0,10 € 7,50 € +0,10 € 7,90 € +0,10 €
Ingolstadt 8,20 € +0,20 € 8,90 € +0,10 € 9,80 € +0,50 €
Kempten 7,20 € +0,10 € 7,50 € +0,10 € 8,10 € =
Neu-Ulm 7,80 € = 8,50 € = 8,50 € =
Nürnberg 7,80 € +0,20€ 7,80 € = 8,80 € =
Passau 7,20 € = 7,70 € = 8,60 € +0,10 €
Regensburg 7,00 € = 8,30 € = 9,00 € =
Rosenheim 7,20 € +0,10 € 7,50 € = 9,10 € –0,10 €
Würzburg 7,10 € = 7,70 € = 8,60 € =
Quelle: IVD-Institut, Marktbericht Wohnimmobilien-Mietobjekte, Dezember 2011, Vergleich zum Frühjahr

So entwickeln sich die Mieten in den Stadtteilen

Stadtteil Miete pro qm kalt Vergleich zum Frühjahr
Hasenbergl 9,40 € +0,10 €
Aubing-Lochhausen-Langwied 9,60 € +0,10 €
Neuperlach 9,70 € +0,20 €
Allach-Untermenzing 9,90 € +0,10 €
Moosach 10,10 € +0,20 €
Freimann 10,30 € +0,30€
Parkstadt-Solln 10,40 € +0,40 €
Feldmoching 10,40 € +0,20 €
Riem 10,40 € +0,20 €
Ramersdorf 10,40 € +0,10 €
Fürstenried 10,60 € +0,20 €
Berg am Laim 10,70 € +0,40 €
Milbertshofen 10,70 € +0,30 €
Pasing 10,80 € +0,30 €
Laim 11,00 € +0,40 €
Obersendling 11,10 € +0,30 €
Trudering 11,10 € +0,30 €
Waldperlach 11,20 € +0,40 €
Hadern 11,30 € +0,30 €
Forstenried 11,30 € +0,30 €
Obergiesing 11,40 € +0,30 €
Untergiesing 11,40 € +0,30 €
Sendling-Westpark 11,50 € +0,20 €
Sendling 11,50 € +0,50 €
Schwanthalerhöhe 11,60 € +0,30 €
Obermenzing 11,70 € +0,40 €
Waldtrudering 11,90 € +0,30 €
Bogenhausen-Denning 12,00 € +0,50 €
Bogenhausen-Johanneskirchen 12,00 € +0,10 €
Alt-Solln 12,30 € +0,30 €
Thalkirchen 12,30 € +0,10 €
Neuhausen 12,60 € +0,30 €
Bogenhausen-Arabellapark 12,70 € +0,30 €
Bogenhausen-Oberföhring 12,90 € +0,30 €
Schwabing-West 13,00 € +0,20 €
Harlaching 13,00 € +0,20 €
Au-Haidhausen 13,30 € +0,30 €
Nymphenburg 13,70 € +0,40 €
Ludwigvorstadt-Isarvorstadt 13,90 € +0,50 €
Maxvorstadt 14,10 € +0,60 €
Schwabing 14,10 € +0,40 €
Alt-Bogenhausen 14,40 € +0,50 €
Altstadt-Lehel 14,80 € +0,80 €
Quelle: IVD-Institut, Experten-Stadtteileinwertung, Dezember 2011

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