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Preis-Schock wegen Inflation: 240.000 Münchner Wohnungen betroffen

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München Miethaus - Sonnenschirme auf dem Balkon
München ist für Mieter ein teures Pflaster. © FrankHoermann/imago

Münchner Mieter müssen sich auf einiges gefasst machen. Gas und Strom Preise ziehen extrem an. Dazu treibt die Inflation die Mieten hoch. Experte warnt Mieter mit sogenanntem Indexmietvertrag.  

München - Nicht nur die steigenden Kosten für Gas und Strom bringen viele Münchner Mieter an die Grenze der finanziellen Belastbarkeit. Nun bedroht die hohe Inflation auch noch ihre Mieten. Betroffen sind vor allem Mieter mit einem sogenannten Indexmietvertrag. Und das sind in München viele. „Der Anteil beträgt etwa 40 Prozent, das heißt, bei 240.000 der 600.000 Münchner Mietwohnungen ist eine Indexmiete vereinbart“, sagt Rudolf Stürzer, Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins.

Indexmietvertrag: So feuert die Inflation die Mieten in München an

Zur Erklärung: Aktuell beträgt die Inflationsrate immerhin 7,3 Prozent. Um 7,3 Prozent könnten also auch die Indexmieten sofort steigen – vorausgesetzt, die letzte Mieterhöhung liegt mindestens ein Jahr zurück.

Die Indexmiete funktioniert so: Der Vermieter darf alle zwölf Monate die Miete in Höhe der jährlichen Inflation erhöhen, wobei das Jahr rückwirkend ab dem Zeitpunkt der Mieterhöhung maßgeblich ist. Grundlage ist der sogenannte Lebenshaltungskostenindex für Privathaushalte – vereinfacht gesagt also die Inflation. Berechnet wird diese übrigens vom Bayerischen Landesamt für Statistik.

Normaler Mietvertrag in München - hier gelten andere Regeln

Die Indexmiete unterscheidet sich damit maßgeblich von normalen Mietverträgen. Hier gilt eine Kappungsgrenze von in München aktuell 15 Prozent Mieterhöhung in drei Jahren. Dazu muss der Mietspiegel berücksichtigt werden. All das gilt für Indexmieten nicht. Bedeutet natürlich auch: Der Mieter kann sich somit gegen eine Mieterhöhung nicht wehren. Auch die Lage, Ausstattung oder etwaige Mängel in der Wohnung sind unerheblich. Dennoch, sagt Rudolf Stürzer, genieße die Indexmiete eine hohe Akzeptanz, weil die Regeln klar seien und es keine Streitpunkte gebe. Zudem hätten Mieter in den vergangenen 15 Jahren profitiert. Indexmieten seien wegen der niedrigen Inflation deutlich weniger gestiegen als andere Mieten. Nun habe sich „das Blatt gewendet“.

Rudolf Stürzer vom Verein Haus und Grund befürchtet starke Preiserhöhungen bei den Nebenkosten.
Rudolf Stürzer vom Verein Haus und Grund befürchtet starke Preiserhöhungen bei den Nebenkosten. © Michael Westermann

Um eine richtige Mieterhöhung, findet Stürzer, handele es sich ohnehin nicht, „sondern nur um einen Inflationsausgleich“. Denn auch bei Vermietern schlage die Inflation zu Buche, etwa über höhere Handwerkerkosten – beispielsweise für Instandhaltungen.

Ob die Mieten tatsächlich in Höhe der Inflation steigen werden, wagt Experte Stürzer nicht vorherzusagen. „Gerade private Vermieter, die ein gutes Verhältnis zu ihren Mietern haben, schöpfen den Erhöhungsspielraum nicht in vollem Umfang aus.“ Diese Bereitschaft, sagt Stürzer, könne infolge der teilweisen Abwälzung der CO2-Steuer auf die Vermieter jedoch stark gesunken sein.

 „Wie sollen sich junge Familien noch ein Eigenheim leisten?“ 

Immobilien-Experte Rudolf Stürzer 

Bodenpreise in München und Umgebung steigen weiter

Die Bodenpreise steigen in München und der Region unterdessen weiter, wie Stürzer sagte. Ob die Inflation und womöglich steigende Zinsen die Entwicklung bremsen, müssen man sehen. Die Immobilienpreise hätten sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt bis verdreifacht. Das sei nicht für alle erfreulich. „Wie sollen sich junge Familien noch ein Eigenheim leisten?“ Mit 25 Prozent habe München ohnehin „weit und breit“ die niedrigste Eigentumsquote. „Ohne massive Unterstützung vom Elternhaus funktioniert es nicht mehr.“ Die Inflation sieht Stürzer nicht als Bremse. Eine hohe Inflation sei gut für den, der Schulden habe, „weil nicht nur das Bargeld, sondern auch die Schulden real weniger wert werden“.

Dickes Ende für Münchner kommt noch – Strom und Heizung immer teurer: Der nächste Nebenkosten-Hammer!

Die schwere Versorgungskrise – sie hat weltweite Folgen: Münchens Mietern drohen 2023 Nachzahlungen für Strom und Gas in vierstelliger Höhe, sind sich die Experten sicher. „Von vielen Mietern wird das noch nicht so ernst genommen“, warnt auch Rudolf Stürzer, Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins. Er merkt an: Mancher lasse sich von den Betriebskostenabrechnungen täuschen, die in diesen Wochen verschickt würden.

„Die jetzt erstellten Abrechnungen betreffen aber das Kalenderjahr 2021, in dem die drastischen Preisanstiege nur bedingt ihren Niederschlag finden“, erklärt Stürzer. Das dicke Ende komme daher erst 2023. Die Preisanstiege seien drastisch: Seit März 2021 sei Heizöl um 145 Prozent teurer geworden, Gas sogar um 370 Prozent. Beim Strom sehe es nicht recht viel besser aus. Diese Kosten-Explosionen wirken sich aber erst 2023 voll aus.

Nachzahlungs-Schock im Frühjahr 2023

Rudolf Stürzer macht zur Erklärung ein detailliertes Rechenbeispiel auf: Die Heiz- und Warmwasserkosten für eine 80 Quadratmeter große Wohnung lagen 2021 bei etwa 100 Euro im Monat – macht also 1.200 Euro im Jahr. Aber: Bei einer Verdopplung der Energiepreise in diesem Jahr würden nun 2.400 Euro fällig – die aber natürlich erst im Frühjahr 2023 als Nachzahlung im Briefkasten des Kunden liegen.

Sogar mehrere tausend Euro Nachzahlung seien realistisch – wegen der eher kalten Monate Februar und März. Und durch weiter steigender Energiepreise durch den andauernden Ukraine-Krieg und seine Folgen.

Was also tun gegen den möglichen Nachzahlungs-Schock in naher Zukunft? Experte Rudolf Stürzer empfiehlt Mietern, schon jetzt unbedingt Geld für die kommende Rechnung zur Seite zu legen. Eine weitere Möglichkeit sei, mit dem Vermieter höhere monatliche Vorauszahlungen zu vereinbaren, um die Nachzahl-Summe dann abfedern zu können.

Dass die Gas- und Strompreise in den kommenden Monaten weiter steigen werden, ist mehr als wahrscheinlich. Besonders da die Sanktionen gegen Russland noch lange andauern werden – sogar, wenn es endlich zu einer Einigung im Ukraine-Krieg käme. Das machte die Politik schon mehrfach deutlich. Die Folgen sind schon jetzt spürbar: Laut dem Energie-Vergleichsportal Verivox haben 166 Versorger Erhöhungen für die Monate April bis Juni angekündigt, beim Gas hat Verivox 118 Erhöhungen bis Ende Juli gezählt – zusätzlich zu den Erhöhungen, die es seit Jahresbeginn bei vielen Versorgern schon gab. (Wolfgang Hauskrecht)

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