Entwicklung „alarmierend“

Mieten in München und Umland im Steigflug: Bundesweite Spitzenpreise - auch wegen Home Office

Dächermeer und Häuser in der Innenstadt von München
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Teuerstes Pflaster Deutschlands: In München kostet der Quadratmeter Wohnung schonmal mehr als 30 Euro Miete.

Die Mieten in München steigen und steigen und steigen. Mittlerweile zieht aber auch das Umland gut mit - was mit der Corona-Pandemie und dem Trend zum Home Office zusammenhängen dürfte.

München - Corona* und die Folgen für das Wohnen: Laut einer aktuellen Immobilienstudie sind die Preise im zweiten Quartal 2021 regelrecht explodiert. In München* stiegen die Mieten um 1,9 Prozent auf durchschnittlich 16,60 Euro pro Quadratmeter.

Eine zehn Jahre alte, 75 Quadratmeter große Wohnung kostet demnach 1245 Euro Kaltmiete pro Monat. Bundesweiter Spitzenwert! „München bleibt das teuerste Pflaster Deutschlands“, sagt Bernd Leutner, Chef des Forschungsinstitutes F&B.

Mieten in München: Nur hier sind mehr als 30 Euro pro Quadratmeter fällig

Die Spitzenmieten, etwa im Lehel oder Bogenhausen, stehen jetzt gar bei 30,90 Euro pro Quadratmeter „und überschreiten für München als einzige Stadt in Deutschland regelmäßig die 30-Euro-Marke für Wohnungsmieten.“ Beatrix Zurek vom Mieterverein findet das „alarmierend“.

Mit plus 1,9 Prozent zum Vor- und plus 1,9 Prozent zum Vorjahresquartal legten die Mieten auch auf Spitzenniveau sogar noch einmal zu. Andere Metropolen wie Frankfurt (12,10 Euro/qm) oder Köln (10,40 Euro/qm) liegen deutlich dahinter, Städte wie Hamburg oder Stuttgart sanken sogar im Preis-Ranking.

Mieten während Corona-Pandemie: Fürstenfeldbruck deutschlandweit mit größtem Anstieg

Nur München steigt und steigt und steigt! Der Studie zufolge gilt das mittlerweile auch dauerhaft für das Umland. In Fürstenfeldbruck schoss die Miete sogar um 6,8 Prozent nach oben - keine deutsche Stadt wurde zuletzt teurer. Kostete der Quadratmeter 2016 noch 9,48 Euro, zahlen Mieter dort jetzt im Schnitt 10,75 Euro.

Ein Wahnsinn, der nicht zu stoppen scheint. Im Landkreis Fürstenfeldbruck liegen die Mieten nun sogar bei 11,41 Euro. Noch getoppt von Dachau (12,07 Euro), Germering (12,13 Euro), Starnberg (12,16 Euro) und Unterschleißheim (12,45 Euro).

Video: Studentin bekommt wegen Erbse ihre Miete nicht zurück

Mieten im Münchner Umland: Preisanstieg durch Corona und Home Office noch einmal beflügelt

Immobilien-Experten glauben, dass das auch auf die Pandemie* zurückzuführen ist, die einen Digitalisierungsschub ausgelöst hat. „Die Preise und die Nachfrage haben stärker im Umland angezogen. Corona hat diese Entwicklung noch beflügelt“, sagt Rudolf Stürzer von Haus und Grund.

Dank Breitbandausbau in Klein- und Mittelstädten ist fast überall Home Office möglich. Dadurch verändern sich Stürzer zufolge auch Wohn- und Lebensformen: „Wenn jemand nur noch zweimal die Woche ins Büro muss, wird er sich gut überlegen, ob er in München Mieter bleibt oder ins günstigere und schöne Umland zieht.“ Und dort vielleicht zum Eigentümer wird…

Auf einen Blick: So haben sich die Mietpreise in München und umliegenden Landkreisen zwischen 2016 und 2021 entwickelt.

Mieten in München: „Für Neubauten zahlt man sogar bis zu 13.000 Euro pro Quadratmeter“

In der Studie von F&B macht sich diese Entwicklung klar in Zahlen bemerkbar: Zwar ist München mit 7190 Euro pro Quadratmeter auch bei den Eigentumswohnungen bundesweiter Spitzenreiter. Stürzer sagt sogar: „Unter 8000 Euro geht in der Stadt fast nix, für Neubauten zahlt man sogar bis zu 13.000 Euro pro Quadratmeter.“

Erschreckend stark zieht aber auch das Umland nach. Die Preise in Erding etwa stiegen um 12,1 Prozent, Germering um 11,2 Prozent, Freising um 10,6 Prozent, in Olching um 6,8 Prozent. Unter 5000 Euro pro Quadratmeter geht im Umland nichts, Starnberg oder Vaterstetten liegen sogar noch über 6000 Euro. Zum Vergleich: Im Landkreis Regensburg kostet eine Eigentumswohnung gerade einmal die Hälfte.

„Wir beobachten eine wachsende Attraktivität der Speckgürtel, zum Teil auch weiter von den Kernstädten entfernt liegender Gemeinden“, sagt Bernd Leutner von F&B: „Die Corona-Pandemie mit ihren veränderten Wohn- und Arbeitsbedingungen führt nach 15 Monaten offenbar zu nachhaltig veränderten Nachfragepräferenzen.“ Diese Entwicklung sei „nahezu unausweichlich“. (Andreas Thieme) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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