Mieten in München

Leben am Limit: Schockzahlen zeigen, wie Wohnen das Einkommen der Münchner auffrisst - Betroffene berichten

Neue Zahlen zeigen: Die Miete in München frisst enorm viel Einkommen der Bürger auf. Selbst die Finanzen der Akademiker sind überlastet. Hier berichten betroffene.

  • Die Mietpreise in München befinden sich auf einem absoluten Höchststand - und frisst viel Einkommen der Bürger.
  • Eine neue Studie wartet mit Schockzahlen auf, nicht nur Geringverdiener tun sich mit der Miete schwer.
  • Viele Menschen geben über die Hälfte ihres Nettoeinkommens allein dafür aus, dass sie in München wohnen.
  • Aber: Ein BGH-Urteil hat es den Vermietern im Hinblick auf Mieterhöhungen ein Stück schwerer gemacht.

München - Extrem-Mieten in München: ein Dauerbrenner! Zurzeit kostet eine 80- bis 120-Quadratmeter-Wohnung in München im Schnitt 1710 Euro – so teuer ist es sonst nirgendwo in Deutschland. Zwar machten zuletzt Berichte um eine Stagnation der Mietpreise die Runde, doch könnte es sein, dass sich dies nicht bewahrheitet. Eine Studie des Immobilienportals Immowelt zeigt jetzt neue Schock-Zahlen: So frisst die Miete unser Einkommen auf!

Münchner ohne Berufsabschluss trifft es demnach besonders schwer: Sie geben durchschnittlich über die Hälfte ihres Nettoeinkommens für die Miete aus. Zum Vergleich: Wer mehr als 25 Prozent des Gehalts für Miete zahlt, gilt bereits als hoch belastet, bei mehr als 33 Prozent spricht man von einer Überbelastung. Auch Akademiker erreichen die Grenze der Unzumutbarkeit, sie müssen im Schnitt 33 Prozent zahlen. Eltern mit Berufsabschluss zahlen bei Neuvermietungen sogar etwa 46 Prozent des Einkommens für ihre Wohnung.

Kein Wunder, dass viele Menschen damit liebäugeln, die Stadt zu verlassen und lieber außerhalb zu wohnen - zu niedrigeren Mietpreisen. Wir haben Menschen aus der Stadt gefragt, wie viel sie im Monat netto verdienen, und wie viel Miete sie in München* zahlen:

Wohnen in München: Das denken Betroffene - „Die Mieten sind absurd“

Falk W. (52) - Ich bin obdachlos: Ich war Heizungs- und Sanitärinstallateur und habe 2300 Euro verdient. Davon gingen 1000 Euro für eine 35-Quadratmeter-Wohnung in München drauf. Ich musste dann aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Jetzt bin ich schon acht Jahre wohnungslos. Für immer kann ich nicht auf der Straße bleiben, doch um den Wohnraum steht es schlecht. Ohne Arbeit – keine Wohnung. Und einen mit Hartz IV will niemand.

Daniela G. (21): Die Mietpreise in München sind der Wahnsinn. Ich zahle 780 Euro für ein WG-Zimmer in Schwabing. Neben dem Biochemie-Studium arbeite ich in einem Klamottengeschäft und verdiene 1050 Euro monatlich. Meine Mutter unterstützt mich zusätzlich mit 1000 Euro. Darüber bin ich sehr froh, denn ohne dieses Geld würde es nicht gehen. 

David O. (25): Ich habe einen Managerposten und verdiene 4000 Euro, meine Frau ist selbstständig und verdient etwa 2500. Mit unserem dreijährigen Sohn wohnen wir in einer 52-Quadratmeter-Wohnung in Trudering, für die wir 800 Euro kalt zahlen. Wir würden gerne in eine größere Wohnung umziehen, aber die Mieten sind absurd – da würden wir mindestens das Doppelte zahlen. Ich will auch noch ein bisschen das Leben genießen.

Yeener G. (46): Ich bin selbstständiger Fahrer und wohne mit meiner Frau in einer 54-Quadratmeter-Wohnung beim Nordfriedhof. Wir verdienen zusammen etwa 2400 Euro. Bislang lag unsere Miete in einer Betriebswohnung meiner Frau bei 380 Euro. Jetzt soll die Wohnung saniert werden, die Miete wird sich verdreifachen. Wir müssten dann 1100 Euro zahlen. Für uns bedeutet das, dass wir umziehen werden.

Am Samstag ist in München trotz Corona-Pandemie ein Mega-Party-Event anberaumt: Für einen illegalen Rave gibt es bereits mehrere Hundert Zusagen. Die Polizei ist gewarnt.

Mieten in München: Mieterhöhung wegen Modernisierung? BGH-Urteil macht Mietern Hoffnung

Doch es gibt wenigstens nicht nur Hiobsbotschaften: Modernisierung – ein Wort, das viele Mieter fürchten. Denn häufig haben sie dann zwar dichtere Fenster, ein schickeres Bad oder eine bessere Wärmedämmung, bekommen aber dafür eine saftige Mieterhöhung. Nun gibt es ein neues Urteil vom Bundesgerichtshof (BGH), das den Mietern den Rücken stärkt. Der BGH stellte klar: Vermieter dürfen dem Mieter nicht die vollen Kosten aufbrummen, wenn sie noch funktionstüchtige, aber schon in die Jahre gekommene Bauteile und Einrichtungen erneuern. Vor einer Mieterhöhung müsse der Anteil herausgerechnet werden, der der Instandhaltung dient.

Bei Modernisierungen muss immer geprüft werden, welcher Anteil der Arbeiten eine wirkliche Modernisierung ist und was eine Instandhaltung, erklärt Volker Rastätter, Geschäftsführer des DMB Mietervereins München: „Der Vermieter darf die Kosten der Modernisierung anteilig auf die Mieter umlegen. Für die Instandhaltung muss er selbst aufkommen.“ Wenn etwas repariert werden könnte, der Vermieter will aber lieber gleich etwas Neues einbauen, muss er diese „Sowieso“-Kosten von den Modernisierungskosten abziehen, wie nun auch der BGH geurteilt hat.

Mieten in München: Welche Kosten der Modernisierung umgelegt werden können

„Modernisierungen waren lange ein gern gewähltes Mittel zur Mieter-Vertreibung“, so Rastätter. Denn: Vermieter durften lange elf Prozent der Kosten auf die Jahresmiete umlegen. Oft erhöhte sich nach der Modernisierung die Monatsmiete um mehrere hundert Euro. Seit 1. Januar 2019 gibt es eine neue Regel, dass Vermieter nur noch acht Prozent der Kosten für die Modernisierung auf die Jahresmiete umlegen können. Zusätzlich gilt eine Kappungsgrenze von einer monatlichen Mieterhöhung von drei oder zwei Euro pro Quadratmeter der Wohnung (je nach Ausgangsmiete).

„Heute betreuen wir noch viele Mieter, die von Modernisierungen betroffen sind, die vor der Gesetzesänderung 2019 angekündigt wurden.“ Wie am Hohenzollernkarree in Schwabing: Hier gewann der Mieterverein eine Musterfeststellungsklage vor dem OLG. (KF/SVS/PF)

Am 10. September 2020 ist es so weit: Beim ersten bundesweiten Warntag wird für den Notfall geprobt. Auf was sich Bürger in München dabei einstellen müssen*, lesen Sie hier. (tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks)

Rubriklistenbild: © imago/Ralph Peters

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