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Eiskalter Sparplan für München: Heizung für Mieter gedrosselt - Erster Immobilien-Riese reagiert

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Von: Claudia Schuri

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Der Immobilien-Konzern Vonovia dreht seinen Mietern die Heizung runter. Auch in München sind tausende Menschen betroffen. Und äußern ihre Sorgen.

München - Es wird nicht nur ein teurer Winter für die Münchner, sondern auch ein kalter! Die Energiepreise schießen in die Höhe, viele befürchten, dass das Gas knapp werden könnte. Jetzt reagiert der erste Immobilien-Riese.

München: Vonovia dreht Mietern in der Nacht die Heizung runter

Der Konzern Vonovia kündigte am Donnerstag (7. Juli) an, dass er in vielen seiner Häuser nachts zwischen 23 und sechs Uhr die Heizung runterdrehen wird - auf 17 Grad. Betroffen sind alle Mieter, deren Wohnungen per Gas-Zentralheizung erwärmt werden. Deutschlandweit laufen rund 55 Prozent der 500.000 Vonovoia-Wohnungen mit Gas. In München besitzt der Konzern etwa 5.500 Wohnungen.

Ob alle von der Einschränkung betroffen sind, könne man noch nicht sagen, so ein Vonovia-Sprecher. „Die Nachtabsenkung wird rechtzeitig vor Beginn der Heizperiode im Herbst, also voraussichtlich ab August, erfolgen“, erklärt er. Die Heizungen würden nach und nach umgestellt und die Mieter mit Aushängen informiert. Tagsüber gebe es keine Heiz-Beschränkungen, auch die Warmwasserversorgung sei nicht betroffen. „Hier gibt es keine Einschränkungen beim Duschen oder Baden“, sagt der Sprecher.

Das Unternehmen Vonovia kündigte an, dass es für Mieter kälter werden wird.
Das Unternehmen Vonovia kündigte an, dass es für Mieter kälter werden wird. © Marcus Brandt/dpa

Die Vonovia hofft, so sechs bis acht Prozent Heiz-Energie zu sparen und den CO₂-Ausstoß zu senken. Auslöser ist natürlich der extreme Preisanstieg beim Gas seit dem Ukraine-Krieg. Die Mieter müssen sich aber so oder so auf hohe Energie-Nachzahlungen einstellen. „Für den ein oder anderen Mieter könnte das bis zu zwei Monatsmieten ausmachen“, so der Sprecher. Er rät dazu, die Vorauszahlungen anpassen.

Münchner Mieter fordern genauere Informationen - einige wurden kalt erwischt

Auch Mieter Franz Obst, Vorsitzender einer Mietergemeinschaft mit 350 Mitgliedern, hat seine Vorauszahlungen schon erhöht. Dass die Nachtabsenkung der Temperaturen viel bringt, denkt er aber nicht. „Wichtig ist zu beachten, welche Personen es härter trifft und welche nicht so sehr“, betont er. 17 Grad in der Nacht hält er zwar für vertrebar, aber: „Die Heizung runterzufahren ist sekundär.“ Hilfreicher seien stattdessen genauere Infos für die Mieter über den monatlichen Verbrauch.

Vonovia-Mieter Obst
Franz Obst ist einer der betroffenen Vonovia-Mieter. © Marcus Schlaf

„Wir haben einen erhöhten Energieverbrauch zu ertragen, weil es sonst einen Legionellen-Befall gäbe“, beklagt er. Sein Vorschlag: Man müsse die Leitungen erneuern - auch so könne man Energie sparen. Viele andere Münchner Vonovia-Mieter wussten gestern noch gar nicht, was auf sie zukommt - sie wurden kalt erwischt von der Nachricht.

Eine Mieterin aus Laim ist besorgt. „Das finde ich überhaupt nicht gut“, sagt sie, als unsere Zeitung sie auf die Sparrunde anspricht. Vor einiger Zeit sei die Heizung bereits zwei Wochen ausgefallen: „Mir war zwei Wochen lang kalt.“ Ein junger Mann aus demselben Haus berichtet, er habe beim Heizungsausfall früher ins Bett gehen müssen. So ähnlich kann’s jetzt wieder kommen. (ki/cla)

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