Ihr stinkt’s, weil die Nachbarn qualmen

tz-Mietertag: Rauchen auf dem Balkon? Was erlaubt ist

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Elaine Tillner auf ihrem Balkon. Sie ist nicht mehr gern draußen – zu oft zieht der Qualm der Nachbarn hoch.

München - Die milden Herbsttage verbringen viele Menschen in München draußen. Auch Elaine Tillner. Doch auf ihrem Balkon stinkt es oft nach Rauch - wegen der Nachbarn. Die tz klärt über die Rechte auf.

Im zweiten Stock dieses Hauses wohnt Elaine Tillner

Elaine Tillner (65) würde die milden Herbsttage gern auf ihrem Balkon genießen. Würde. „Aber das geht nicht. Ich halte es dort in dem Qualm und Gestank nicht aus“, sagt sie. Sie wohnt im zweiten Stock eines Mietshauses in Denning. Weiter unten ein anderer Mieter, der oft auf seiner Terrasse sitzt und sehr viel raucht. Und nicht nur er, sagt Elaine Tillner: „Sind Semesterferien, bekomme er auch noch täglich Besuch. Manchmal 15 Leute, und auch die rauchen draußen. Der ganze Qualm zieht nach oben und zu mir in die Wohnung, wenn ich die Fenster offen habe.“ Wäsche könne sie auf dem Balkon gar nicht trocknen.

„Ein schwieriger Fall“, sagt Mietrechtsexpertin Dorothea Modler vom Mieterverein München. Denn nach der Rechtsprechung ist Rauchen in den eigenen vier Wänden erlaubt, ebenso auf Balkon und Terrasse. In dieser Sache wäre wohl höchstens der Rauch der Gäste juristisch angreifbar – falls ihr Qualmen das allgemein übliche Maß überschreitet. Wenn es zu exzessiven Beeinträchtigungen kommt, kann nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs das Rauchen auf bestimmte Zeiten eingeschränkt werden.

Die tz setzte sich mit der Vermietergesellschaft in Verbindung, mit Becker & Kries Immobilien Management Berlin. Dort verwies die Sprecherin auf die Empfehlung der für Elaine Tillner zuständigen Sachbearbeiterin. Diese rät, ein Protokoll anzufertigen, wie lange und wie viel auf der Terrasse geraucht wird.

„Das Protokoll ist auf jeden Fall ratsam, damit Elaine Tillner etwas in der Hand hat“, sagt Dorothea Modler. Sie weist außerdem darauf hin, dass in der Nacht ab 22 Uhr Nachtruhe herrscht und deshalb auf der Terrasse des anderen Mieters nicht mehr laut geredet werden darf. Die Mieterschützerin rät, auch über die Geräusche auf der Terrasse Buch zu führen. Diese Problematik sollte Elaine Tillner auch noch einmal schriftlich der Vermieterin schildern und darum bitten, Abhilfe zu schaffen. „In dem Brief sollte sie auch darauf hinweisen, dass sie die Miete unter dem Vorbehalt einer Mietminderung zahlt, da sie den Balkon wegen des Gestanks ja nicht nutzen kann und außerdem regelmäßig in ihrer Nachtruhe gestört wird.“

Zudem rät Modler, auf den rauchenden Mieter zuzugehen. Das hat Elaine Tillner allerdings bereits versucht – erfolglos. Er habe ihr nur gesagt, der Rauch sei doch nicht so schlimm …

Tillner hat die Hoffnung trotzdem noch nicht aufgegeben. Sie hat übrigens früher selbst geraucht – wenn auch nur fünf Zigaretten pro Tag. „Gegen mäßigen Zigarettenkonsum hätte ich gar nichts“, sagt sie...

Susanne Sasse

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