Mangelware Wohnung in München

Der Mieterbund schlägt Alarm

München - Wohnungen sind Mangelware. Deshalb schlägt der Mieterbund Alarm. Die Münchner Bürger sind in Sorge und stellen der Stadt ein schlechtes Zeugnis aus.

Das werden Superwahlmonate bei uns mit Abstimmungen zu Bundestag, Landtag, Stadtrat und OB – jetzt lassen die Mieter die Muskeln spielen! „Die Preise sind nicht vom Himmel gefallen“, sagt Franz-Georg Rips, Präsident des Deutschen Mieterbundes. Verantwortlich dafür sei die schwarz-gelbe Bundesregierung mit „Desinteresse und Passivität“. Bis Samstag treffen sich die Delegierten zum 65. Deutschen Mietertag – nicht umsonst heuer in München: Für den Verband mit bundesweit drei Millionen Mitgliedern sind wir die „Mietenhauptstadt“!

Eine traurige Berühmtheit: Unsere 15-Euro-Mieten pro Quadratmeter sind schon fast sprichwörtlich in ganz Deutschland geworden. Bis zum Jahr 2025 fehlten laut einer Prognose in Stadt und Umland 290.000 vor allem günstige Wohnungen! Schon 2012 hätten 23.000 Haushalte eine Sozialwohnung bei der Stadt beantragt – aber nur 1880 Wohnungen seien zu vergeben gewesen. 5000 Wohnungslose gebe es in München – 3800 seien in Notunterkünften untergebracht, 1200 übernachteten bei Bekannten auf dem Sofa. Der Leerstand liege beim Minus-Rekord von 0,6 Prozent. „Das habe ich in mehr als 20 Jahren nie gehabt“, sagt Rips.

Darum lautet das Motto des diesjährigen Mietertags: „Wohnen muss bezahlbar sein“. Die wichtigsten Forderungen: Bei neuen Mietverträgen soll die Obergrenze bei höchstens zehn Prozent über dem Mietspiegel liegen. Eigentümer sehen darin jedoch ein verfassungswidriges Hemmnis für den Neubau. Außerdem soll die höchste Erhöhung im Bestand nicht bei 15 Prozent in drei, sondern in vier Jahren liegen.

Eine Wahlempfehlung will der Mieterbund nicht abgeben – bislang hätten aber SPD, Grüne und Linke viele Forderungen in ihre Programme aufgenommen. Die Hoffnungen liegen bei der Union. Am Freitag erwarten die Mieter bei einer Kundgebung Klartext von Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU). Bauminister Peter Ramsauers (CSU) neue Eigenheimzulage sei nur ein Griff in die „allerletzte Mottenkiste“.

Das sind die Sorgen der Münchner Mieter

Der Deutsche Mieterbund zeigt nach Berlin – für den Bundesverband ist die Bundesregierung der Ansprechpartner. Doch der Wohn-Wahnsinn spielt auf allen Ebenen, das macht eine Lösung so schwierig. Verantwortlich sind auch Freistaat und Stadt. Letzteres sehen zumindest immer mehr Münchner laut einer Umfrage des mifm-Instituts im Auftrag des Rathauses so!

Günstiger Wohnraum und sozialer Wohnungsbau stehen mit Abstand ganz oben auf der Liste der wichtigsten Probleme der Münchner – mit stark steigender Tendenz. Auch der Mieterschutz spielt plötzlich wieder eine Rolle. Klassische Angst-Themen wie Arbeitsplätze, Kriminalität oder Ausländer interessieren die Bürger dagegen kaum noch.

Gleichzeitig sind die Befragten unzufrieden mit der Rathaus-Politik: Eine große Mehrheit kritisiert jetzt den Wohnungsbau der Stadt – vor drei Jahren war es noch eine knappe Minderheit. Negativer wird auch die Planungspolitik bewertet. Alle anderen Felder schneiden positiv ab: Bürgerfreundlichkeit, Sozialleistungen, Gesundheitsversorgung und besonders der Nahverkehr.

Die Sorgen der Münchner

Die wichtigsten Probleme in der Stadt 2010 2013
Erhalt preiswerten Wohnraums 55% 67%
(Sozialer) Wohnungsbau 30% 49%
Grün- und Erholungsflächen 44% 40%
Ausbau Kinderbetreuung 41% 40%
Ausbau öffentl. Verkehrsmittel 25% 32%
Sicherheit vor Verbrechen 39% 29%
Energie-Sparmaßnahmen 30% 29%
Abbau Luftverschmutzung 25% 27%
Verbesserung Mieterschutz 17% 26%
Ausbau Ganztagsschule 30% 23%
Zufriedenheit mit der Rathaus-Politik 2010 2013
Wohnungsbauförderung 51% 32%
Planungspolitik, Stadtentwicklung 48% 44%
Bau von Straßen und Grünanlagen 64% 60%
Wirtschaftspolitik der Stadt 74% 78%
U-Bahn, Bus, Tram 80% 84%

DAC

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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