tz-Mietertag: Warum müssen wir frieren?

Brrrrr! Ab wann der Vermieter heizen muss

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Die Montags (l.) und ihre Nachbarin sind verschnupft.

München - Margot Montag (75) macht das nasskalte Wetter zu schaffen. Die ehemalige Blumenbinderin hat sich in ihrer kalten Wohnung vergangene Woche einen Virus eingefangen. Unsere Mieterfrage: Ab wann muss der Vermieter heizen?

„Unsere Nachbarin auch, sie hat eine Grippe und fror so, dass sie den ganzen Tag im Bett blieb.“ Deshalb wollen Wilhelm (72) und Margot Montag und Anita Adice (66) nun von tz und Mieterverein wissen, ab welchen Temperaturen der Vermieter heizen muss.

Die tz setzte sich mit Peter Scheifele in Kontakt, dem Gewofag-Sprecher für das betroffene Mietshaus in Obergiesing – und erfuhr, dass die Heizung in der Wohnung der Montags nur Stunden nach deren Anruf bei der tz angesprungen sei. „Wir heizen schneller, als wir gesetzlich verpflichtet wären“, sagt Scheifele. Denn der Gesetzgeber schreibt nur vor, dass geheizt werden muss, wenn die Außentemperatur fünf Tage lang unter 15 Grad liegt. Er zitiert zwei Urteile: Das Landgericht Kassel entschied, dass der Vermieter heizen muss, wenn die Innentemperatur tagsüber unter 16 Grad fällt (Aktenzeichen: 1 S 201/63). Das Amtsgericht Uelzen sagt: Wenn es draußen drei Tage lang kälter als zwölf Grad ist, muss geheizt werden (Az.: 4a C 272/86).

In vielen Verträgen ist festgelegt, dass die Heizsaison ab 1. Oktober beginnt, sagt Anja Franz, Sprecherin des Mietervereins München. „Der Vermieter kann im Sommer den Haupthahn abdrehen. Wenn es aber wieder kühler wird, muss der Mieter heizen können“, sagt Franz. Zwischen 20 und 22 Grad müssen in der Wohnung mindestens erreicht werden. „Wenn nicht, liegt ein Mangel vor, und der Mieter kann seine Miete kürzen!“, so Franz.

Das gilt jedoch nicht rund um die Uhr: Ausreichend ist, wenn die Räume von 6 Uhr bis 23 Uhr entsprechend warm werden. Fällt die Heizung im Winter aus, kann der Mieter fristlos kündigen. Nachts ist der Vermieter zur Nachtabsenkung verpflichtet, er muss die Heizung zurückfahren. Dann reichen 18 Grad aus.

In Gewofag-Häusern sind die Heizungen ganzjährig betriebsbereit. Sie schalten ein, wenn die Temperatur nachts unter 10 Grad und tagsüber unter 18 Grad fällt, sagt Gewofag-Sprecher Scheifele. Wie stark die Heizung heizt, richtet sich nach der Außentemperatur: Je frostiger draußen, desto stärker läuft die Heizung. „Leider ist es manchmal so, dass empfindliche Menschen in der Übergangszeit frieren.“

S. Sasse

Fragen an den Mietverein

Bitte richten Sie Ihre Fragen (plus Telefonnummer für Rückfragen) an die Mietervereins-Vorsitzende Beatrix Zurek (r.) und ihre Kollegin Anja Franz. Stichwort: „tz-Leser fragen die Mieterpräsidentin“. Post an die Lokalredaktion der tz, 80282 München, Fax an 089/5306 567, Mail an lokales@tz.de. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir keine ausführliche Einzelfallberatung vornehmen ­können.

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