Mieterverein warnt: Wohnen 50 Prozent teurer

Kommt das neue Gesetz zur Klima-Energie-Einsparung, droht den Münchnern ein Kosten-Schock!

München - Die Regierung plant ein Energiespargesetz für Häuser – und die Mieter sollen’s zahlen. Experten haben errechnet, dass mit Mieterhöhungen von der in der Spitze 320 Euro pro Monat zu rechnen ist.

Die Mieter-Anwältin Anja Franz (41) hat so einen Fall am Dienstag noch verhandelt: In der Isarvorstadt, fast am Ufer, will ein Vermieter seinen Altbau sanieren: Aufzug bauen, Keller trocknen und auch zum Klimaschutz Fenster und Heizung erneuern. Die 20 Mieter wohnen seit Jahrzehnten im Haus und zahlen bisher 300 bis 500 Euro im Monat kalt. Dann kommt die Quittung für die Modernisierung: „Teilweise sollte die Miete um 300 Euro steigen – also um 80 bis 100 Prozent!“, sagt die Anwältin des Mieter­vereins.

So ein Schock könnte bald vielen Münchnern drohen! Der Mieterverein warnt: Die Bundesregierung plant ein Gesetz, nach dem Häuser künftig 80 Prozent Energie sparen sollen – wegen des Atom-Ausstiegs und des Klimawandels. Doch die Kosten für die Modernisierung darf sich der Eigentümer bei den Bewohnern holen. „Da drohen Erhöhungen von 50 Prozent“, warnt die Mietervereins-Chefin Beatrix Zurek. Die Mieter sollen das Klima alleine retten! Schon bisher können Eigentümer pro Jahr elf Prozent der Kosten für Dämmung, Fenster, Heizung und Co. auf die Mieter umlegen – ohne sich an den Mietspiegel zu halten. Künftig sollen die Bewohner in dem geplanten Gesetz noch schlechter gestellt werden.

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I­nstalliert der Vermieter Solarzellen, soll er die Kosten umlegen können, obwohl nur er daran verdient. Außerdem müssten Mieter künftig jede Klima-Sanierung dulden und dürften nicht einmal in den ersten drei Monaten der Bauzeit die Miete mindern. Obwohl sie auf einer Baustelle leben! „Klimaschutz ist ein wichtiges Ziel“, sagt Zurek, „das aber nicht einseitig auf Kosten der Mieter realisiert werden darf.“ Beim Klima-Schock sind sich Mieter und Vermieter sogar ausnahmsweise einig.

Haus+Grund-Chef Rudolf Stürzer hat die Lage für München durchgerechnet: Derzeit seien von den 570 000 Mietwohnungen 150 000 ganz neu, nur weitere 100 000 energetisch voll saniert, weitere 120 000 nur teilweise saniert. Die übrigen 200 000 Wohnungen vor allem aus den 50er- bis 70er- Jahren seien dringend sanierungsbedürftig, weil sie nach dem Krieg in dürftiger Qualität hochgezogen worden seien und darum umgerechnet im Schnitt 20 Kubikmeter Gas oder 20 Liter Öl pro Quadratmeter Wohnfläche im Jahr verbrauchen. Soll aus dem 20-Liter- ein 10-Liter-Haus werden, müsse der Eigentümer eines Hauses mit zwölf Parteien ca. 200 000 Euro in die Hand nehmen. Umgerechnet auf eine 70-Quadratmeter-Wohnung steige die Miete im Monat um 160 Euro! Für ein 7-Liter-Haus, was in Berlin auch diskutiert wird, seien sogar weitere 200 000 Euro notwendig. Die Miete stiege dann um 320 Euro im Monat. Bei einer Miete von bisher laut Mietspiegel 685 Euro, entspräche das einer Erhöhung von 47 Prozent! Und das sind alles durchschnittliche Werte …

Natürlich würden die Bewohner auch von der Sanierung profitieren und Heizkosten sparen. Den Effekt berechnet Stürzer so: Statt im Schnitt 84 Euro monatlich vor der Sanierung, zahlen die Mieter danach noch 28 Euro. Der Erhöhung von 320 Euro stünde eine Ersparnis von 56 Euro gegenüber. „Die Kosten werden nicht annähernd kompensiert“, klagt selbst Stürzer. „Das sprengt jede Miete“, warnt Zurek, „und vernichtet jeden bezahlbaren Wohnraum in München!“

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Darum mahnen beide dringend Verbesserungen an: Zum einen müsse der Staat die Sanierung durch Zuschüsse unterstützen, das würde Eigentümer und Mieter entlasten. Mieter-Vertreterin Zurek will außerdem die 11-Prozent-Umlage ganz kippen, weil die Mieten auch so schon um 20 Prozent in drei Jahren steigen dürfen. Eigentümer-Vertreter Stürzer winkt ab und fordert eine Drittel-Lösung, die Staat, Vermieter und Eigentümer belastet. So oder so steigen also die Mieten wegen des Klimawandels. Die Frage ist nur: wie hoch?

David Costanzo

Münchner zahlen doppelt soviel

In München steigen die Mieten auch ohne das geplante Energiegesetz. Das liegt an den unglaublichen Immobilien-Preisen, die Eigentümer und Investoren über die Mieten reinholen müssen. Der Immobilienverband IVD hat die neuesten Rekordzahlen vorgelegt: Die Kosten für Baugrund für Einfamilienhäuser steigen auf 780 Euro pro Quadratmeter in guten Lagen – plus fünf Prozent im Vergleich zum Herbst 2010. Bayernweit werden nur 350 Euro fällig.

Gute, aber mit im Schnitt 150 Quadratmeter nicht gerade riesige Einfamilienhäuser kosten jetzt im Schnitt 810 000 Euro in der Stadt – plus fünf Prozent. Im Rest des Freistaats können Familien ein gleiches Haus für im Schnitt 430 000 Euro haben. Gebrauchte Reihenmittelhäuser mit 120 Quadratmetern kosten jetzt schon 500 000 Euro – plus drei Prozent. Im Bayern-Schnitt sind es 290 000 Euro. Erschwinglich sind in München fast nur noch Eigentumswohnungen, wenn überhaupt. Gute, gebrauchte kosten nämlich schon 3100 Euro pro Quadratmeter; gute, neue sogar 4150 Euro – 80 Quadratmeter machen also im Schnitt 332 000 Euro.

dac.

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