Die tz hilft bei Mietfragen

Heiß und kalt! Sie können nicht mehr duschen

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Paulina Frakowska und ihr Sohn Kai klagen über massive Temperaturschwankungen

München - Der kleine Kai (6) will nur noch bei Oma duschen, weil aus der Dusche daheim kommt das Wasser manchmal mitten drin plötzlich brühend heiß oder eiskalt. Und das schon seit über einem Jahr.

Auch seine Mama, die Sozialpädagogin Paulina Frakowska (34), leidet unter den Temperaturschwankungen unter der Dusche. Und dies schon seit August 2011, denn seitdem fließt das Wasser willkürlich mal heißer, mal kälter aus dem Hahn. „Ich versuche, meinen Vermieter dazu zu bringen, diese Mängel zu beheben, aber vergeblich“, ärgert sie sich. Viele Briefe hat sie geschrieben, aber es half nichts. Als sie androhte, die Miete zu mindern, bekam sie lediglich die lapidare Antwort, dass das nicht rechtens sei.

Außerdem ärgert Paulina Frakowska sich immer wieder über den Aufzug in dem Mehrfamilienhaus nahe des Lerchenauer Sees. Denn der bleibt immer wieder stecken. „Zwischenzeitlich stellte die Hausverwaltung sogar Stühle im Treppenhaus auf, damit die älteren Mieter Pausen beim Treppensteigen machen können und sich zwischendrin hinsetzen können“, erzählt Frakowska. Vor kurzem kamen dann Handwerker und reparierten den Aufzug – mit der Folge, dass er nun viel lauter ist als zuvor und nachts bis ins Schlafzimmer der Familie Frakowska dröhnt. Für die 34-Jährige ein unhaltbarer Zustand: „Ich weiß nicht weiter – muss ich mir jetzt eine andere Wohnung suchen, wenn ich endlich wieder ohne Temperaturschock duschen und nachts ohne Aufzuggeräusche schlafen können will?“

Nein, sagt Anja Franz vom Mieterverein München. „Der Mieter hat einen Anspruch darauf, ohne Beeinträchtigungen zu wohnen!“ In Sachen Temperaturschwankungen in der Dusche rät sie der tz-Leserin, sofort etwas zu unternehmen, „weil das ist niemandem zuzumuten!“ Sie empfiehlt, den Vermieter anzuschreiben und aufzufordern, den Mangel innerhalb der nächsten zwei Wochen zu beseitigen. „Ich rate dazu, ausdrücklich dazuzuschreiben, dass es sich um die letzte Fristsetzung in der Sache handelt.“

Zugleich sollte Paulina Frakowska androhen, dass sie nach Anlauf der Frist selbst einen Handwerker damit beauftragen wird, den Mangel zu beseitigen und diese Kosten mit der Miete verrechnen wird. „Läuft die Frist dann ab und nichts passiert, sollte sie selbst für die Reparatur sorgen und deren Kosten von der nächsten Miete abziehen“, sagt Franz.

Auch eine Mietminderung sei denkbar. „Hier muss man den Vermieter schriftlich auf den Mangel hinweisen, dessen Beseitigung fordern und erklären, dass man die Miete bis auf weiteres nur unter Vorbehalt bezahlt.“ Wird der Mangel dann nicht beseitigt, kann man die Miete rückwirkend mindern. „Die schwierige Frage ist hier allerdings, in welcher Höhe“, sagt Franz. Denn um die Miete zu mindern, muss eine Beeinträchtigung von einer gewissen Dauerhaftigkeit vorliegen. „Da hilft nur eines: genau Buch führen, wann der Aufzug nicht funktionierte und das Wasser mit Temperaturschwankungen aus der Dusche lief“, rät Franz.

Nur in Bezug auf den Aufzugslärm im Schlafzimmer sei die Frage nach eines angemessenen Mietminderung einfach zu beantworten, weil der Aufzug ja jeden Tag und jede Nacht fährt und deshalb die Lärmbelästigung dauerhaft ist. „In diesem Fall ist eine Minderung um fünf bis sechs Prozent angemessen“, sagt die Mietrechtsspezialistin.

Susanne Sasse

Wie viel darf ich mindern?

Frage:

Wir wohnen am Rodenstockgelände im Stadtzentrum, hier wird zwei Jahre lang eine Großbaustelle sein. Unser Vermieter hat uns pauschal eine Mietminderung von 20 Prozent angeboten, er möchte sich das Geld von der Baywobau zurückholen. Soll ich dieses Angebot pauschal annehmen oder doch erst noch einen Rechtsanwalt zu Rate ziehen?

Susanne Wünsche

Antwort:

Wer mit dem Vermieter eine pauschale Minderungsquote vereinbart, spart sich viel Zeit und Ärger, sagt Anja Franz vom Mieterverein. „Allerdings erscheint mir im vorliegenden Fall eine Quote von 20 Prozent ein bisschen zu gering.“ Es sei zu erwarten, dass die Baustelle sehr groß wird, gleiches gilt dann ja auch für die Lärm- und Schmutzbeeinträchtigung. In einem solchen Fall rät sie, die Miete ab Beginn der Baumaßnahmen ausdrücklich nur unter Vorbehalt zu zahlen. „Dann muss aber ein sehr detailliertes Bautagebuch geführt werden, anhand dem dann jeweils zum Monats- oder auch zum Quartalsende die Minderungsquote bestimmt wird.“ Dann seien aber Streitigkeiten über die Höhe der Minderung zu erwarten, die in vielen Fällen auch vor Gericht landen. Dann kann es auch sein, dass der Richter eine niedrigere Minderungsquote für gerechtfertigt hält als man selbst. „Wer dieses Risiko vermeiden will, der fährt mit einer vorher vereinbarten pauschalen Minderungsquote besser“, sagt Franz.

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