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Muss ich jetzt Miete für meinen Ex-Freund zahlen?

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Erika Thuringer (43) will den gemeinsamen Mietvertrag endlich kündigen – nur braucht sie da die Zustimmung ihres Ex-Partner.:

München - Trennung und Scheidung sind schmerzlich, und oft kommen auch rechtliche und vor allem finanzielle Probleme hinzu. Zum Beispiel dann, wenn beide Ex-Partner im Mietvertrag stehen und einer auszieht.

Dann haften beide trotzdem weiter für die Miete.

Dieses Problem hat auch Erika Thuringer (43). Vor zwei Jahren zog sie bei ihrem Ex-Freund aus und nahm sich mit ihrem 18-jährigen Sohn eine eigene Wohnung. Doch noch immer steht sie als Mieterin gemeinsam mit ihrem Ex-Freund im Vertrag. „Bislang ging alles gut“, sagt Thuringer, „aber er ist arbeitslos und es schwebt wie ein Damokles-Schwert über mir, dass ihm das Geld ausgeht und ich dann zur Kasse gebeten werde.“ Zwar kann sie dann von ihrem Ex verlangen, dass er ihr das Geld erstattet, aber was nützt das, wenn er keines hat?

Der Vermieter will Erika Thuringer nicht aus dem Mietvertrag entlassen. Im Gegenteil: Er wies sie ausdrücklich darauf hin, dass sie zahlen muss, wenn ihr Ex ausfällt. „Ich habe Briefe geschrieben und angerufen. Alles sinnlos, ich bekam keine Antwort“, ärgert sich Thuringer. „Jetzt reicht’s! Kann das denn sein, dass ich da nicht rauskomme?“

Das Problem von Erika Thuringer haben viele, weiß Mietervereins-Sprecherin Anja Franz – und Erika Thuringer kann tatsächlich vom Vermieter in Anspruch genommen werden: „Wenn Sie mit Ihrem Ex-Freund im Mietvertrag als Mieter aufgeführt sind, kann der Vermieter entweder von Ihrem Ex-Freund oder aber von Ihnen die volle Miete verlangen.“

Da der Mietvertrag von beiden unterzeichnet wurde, können Erika Thuringer und ihr Ex-Freund nur gemeinsam kündigen. „Der Vermieter ist nicht verpflichtet, einen der zwei Mieter aus dem Mietverhältnis zu entlassen“, sagt Franz. „Auch dann nicht, wenn Sie bereits ausgezogen sind und der Vermieter dies weiß.“ Die Hausverwaltung beziehungsweise der Vermieter können mit dem Ex-Freund von Erika Thuringer einen neuen Mietvertrag abschließen. Das müssen sie aber nicht.

Letztlich bleibt nur eines: Die beiden müssen gemeinsam kündigen und den Vermieter bitten, mit dem Ex-Freund einen neuen Mietvertrag abzuschließen. „Eine andere Möglichkeit gibt es leider nicht.“ Wenn der Ex sich querstellt, kann Erika Thuringer sich wehren und ihn zwingen — allerdings ist das etwas kompliziert. Anja Franz erklärt: Solange die beiden zusammen wohnen, bilden sie eine Zweckgemeinschaft, rechtlich gesehen eine Gesellschaft. Wird diese aufgelöst, weil ein Partner auszieht, hat der einen Anspruch gegen den anderen auf Auslösung und Rückabwicklung und kann verlangen, dass der andere eine gemeinsame Kündigung unterschreibt.

„Auch wenn man wahrscheinlich einen Anwalt braucht, um den anderen dazu zu zwingen, sollte man diesen schwierigen Weg gehen, wenn der andere sich total sträubt“, rät Mietervereins-Sprecherin Franz. Sonst tritt irgendwann der schlimme Fall ein, den Franz gerade bei einer jungen Mutter miterlebt: „Sie hat sich vor Jahren getrennt, ist ausgezogen und wusste gar nicht, dass ihr Ex keine Miete mehr bezahlt“, erzählt Franz. Jetzt ist der Ex ausgezogen und verschwunden. Die Frau muss seine Miete nachzahlen und die Wohnung räumen.“ Zum Beispiel die gemeinsam eingebaute Küche ausbauen und so weiter — ein Haufen Ärger, der die Trennung noch viel unerfreulicher macht.

Susanne Sasse

 

Wespennest! Da muss der Vermieter ran

Frage:

Ich habe vor zwei Wochen ein Wespennest auf unserer Dachterrasse entdeckt – was soll ich jetzt tun? Ich wohne nun seit über einem dreiviertel Jahr in der Wohnung und habe meinen Vermieter sofort informiert, dass wir ein Wespennest unter dem fest eingebauten Holzlattenrost haben. Aber er hat sich bisher nicht zurückgemeldet. Die Wespen sind sehr ärgerlich, ich kann nicht auf den Balkon und auch nicht lüften, sonst hab ich sie auch noch in der Wohnung. Kann ich hier eine Mietminderung gleich durchsetzen oder soll ich noch ein letztes Mal anmahnen? Wer macht die Wespen weg und wer trägt dann die Kosten?

Eva Meier, München

Antwort:

Ein Wespennest auf dem Balkon ist keinem Mieter zuzumuten, sagt Anja Franz vom Mieterverein München: „Die Wespen muss der Vermieter entfernen lassen!“ Ob mit Kammerjäger oder Feuerwehr, das bleibe ihm überlassen. Wenn er nicht reagiert, rät sie, eine Frist bis zum nächsten Tag zu setzen. Wenn dann immer noch nichts passiert ist, kann der Mieter selbst die Feuerwehr rufen und das Nest entfernen lassen und die Kosten dem Vermieter in Rechnung stellen. Die Miete zu mindern, geht nur, wenn man sie ausdrücklich unter Vorbehalt gezahlt hat.

„Das muss man vorher angedroht haben – erst dann kann man mindern“, sagt Franz. Aber sie merkt an, dass sich dies kaum lohnen dürfte: „Das geht nur zu einem geringen Prozentsatz und auch nur dann, wenn das Wetter schön gewesen ist und man deshalb beeinträchtigt ist, weil man nicht draußen sitzen konnte.“

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