„Ich dachte, der Freistaat schützt uns Mieter“

Münchner Rentnerin verzweifelt: GBW erhöht die Miete unerbittlich

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Entsetzt: Liselotte Sterr mit ihrem EOF-Mietvertrag. 

Wenn es um Miete geht kennt die GBW kein Pardon. Eine Münchner Rentnerin hat eine winzige Rente, doch nun ist die 78-Jährige verzweifelt. Ihre Wohnung wird immer teurer. 

München - Mieterinitiativen, Gerichtsprozesse, Podiumsdiskussionen, große Schilder auf der Mieterdemo, eine Petition im Landtag – die Mieterhöhungen der GBW sorgten in den vergangenen Monaten für großen Wirbel. Völlig unbeeindruckt davon fährt das Wohnbauunternehmen damit fort, die Mieten auch bei sozial Schwachen zu erhöhen. Im Augenblick setzt der Konzern in ganz München eine neue Mieterhöhungsrunde durch.

Die Münchner Rentnerin (78) ist verzweifelt

Besonders bitter ist das für Liselotte Sterr. Die 78-Jährige arbeitete 19 Jahre lang als Telefonistin bei der Bayerischen Landesbank. Sie hat eine so geringe Rente, dass sie Einkommensorientierte Förderung (EOF) bekommt. Seit 2007 lebt sie in einer knapp 43 Quadratmeter großen EOF-Wohnung der GBW im Arnulfpark. Dass diese Wohnung mal viel teurer werden könnte als die 550 Euro Warmmiete bei ihrem Einzug, hätte sie sich nie vorstellen können. Ebenso wenig den Verkauf der GBW-Wohnungen 2013 an den Privatinvestor Patrizia. „Ich dachte, der Freistaat schützt uns Mieter.“

Die GBW schöpft das Maximum bei der Mieterhöhung aus - 15 Prozent

Ein Irrtum. Nun kann sie sich womöglich bald ihre Wohnung nicht mehr leisten. Schuld ist nicht nur eine Mieterhöhung um 73 Euro zu Jahresbeginn, mit der die GBW das gesetzliche Maximum von 15 Prozent in drei Jahren voll ausschöpft. Hinzu kommen auch noch enorm gestiegene Betriebskosten, die zu einer Nachforderung von 807 Euro führten. „Den Betrag konnte ich gerade mal so abstottern in monatlichen Raten“, sagt Liselotte Sterr.

In dieses Haus in der Arnulfstraße zog Liselotte Sterr – in der Hoffnung auf eine dauerhaft günstige Miete.

Tausende GBW-Mieter in München versuchen sich zu wehren

Ähnlich ergeht es in München tausenden GBW-Mietern mit geringen Einkommen. Sie fühlen sich ausgeliefert und versuchen in inzwischen vier Initiativen, sich gegen Mieterhöhungen zu wehren. Vertreten werden sie durch den Rechtsanwalt Michael Löffler: „Der Landtag hat in seiner letzten Sitzung vor der Wahl eine Unterstützung für die EOF-Mieter abgelehnt, und so bekommen nun in ganz München einkommensschwache Menschen die Gewinnmaximierung der GBW in voller Härte zu spüren.“

Das sagt die GBW

Die GBW erklärt auf Anfrage: Der Konzern komme seinen Mietern entgegen, indem er entweder nur um 13,5 Prozent erhöhe oder die Erhöhung auf 99 Euro deckele. „Nimmt ein Mieter dieses reduzierte Angebot nicht an, verfolgen wir das ursprüngliche Mieterhöhungsverlangen (mit den gesetzlich zulässigen Konditionen) weiter“. 

Rückblick: So entwickelte sich die GBW

1936 wurde die GBW gegründet, damals fehlen in Bayern mehr als eine Million Wohnungen für Geringverdiener. Diese zu bauen, war Gründungszweck der GBW (Gemeinnützige Bayerische Wohnungsgesellschaft). In den 1960er-Jahren gerät das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten, es wird durch die Bayerische Landesbank gerettet. 2013 hat sich die Bayern LB verspekuliert und verkauft ihre 33 000 GBW-Wohnungen in Bayern. Neben der Augsburger Patrizia-Gruppe gibt es weitere 26 Investoren. Die Wohnungen werden seitdem durch die GBW-Gruppe verwaltet. Diese sorgt mit Luxussanierungen und Mieterhöhungen für Schlagzeilen. Ministerpräsident Markus Söder (Foto: dpa) steht wegen des GBW-Verkaufs in der Kritik, denn er war damals als bayerischer Finanzminister verantwortlich. 

Lesen Sie auch: Schock-Urteil entsetzt Münchner GBW-Mieter: „Alles nur leere Versprechungen“

Susanne Sasse

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