Oldtimer im BMW Museum

Elvis Presleys BMW ist wieder zu Hause

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Als US-Soldat fuhr Elvis Presley gern in seinem BMW 507 vor den jubelnden Fans vor.

In diesem Oldtimer sind Automobil- und Musikgeschichte vereint: Ein BMW 507, den einst der US-Soldat und Rock’n’ Roll-Superstar Elvis Presley kaufte, als er in Deutschland stationiert war, steht nun perfekt restauriert im Münchner BMW Museum.

München - Das Auto, das der Kalifornier Jack Castor vor fast 50 Jahren kaufte, war schon damals eine Seltenheit: Vom BMW 507 sind weltweit nur 254 Exemplare gebaut worden. Der Raumfahrt-Ingenieur aus den USA wollte einfach einen alltagstauglichen Sportwagen – und ahnte nicht, dass er sich unter den wenigen 507ern, die auf dem Markt verfügbar waren, den prominentesten ausgesucht hatte. „Castor wusste lediglich, dass die Rennfahrer-Legende Hans Stuck mit dem Wagen Ende der 50er einige Rennen gewonnen hatte“, erzählt Benjamin Voß, Sprecher der BMW Group Classic. „Das machte ihn stolz. Denn Castor verehrte Stuck als Held“, Dass vor Stuck der „King of Rock’n’Roll“ höchstselbst am Steuer dieses Flitzers gesessen hatte, wusste der US-Ingenieur nicht. Und so fuhr er eine Zeit lang den roten Sportwagen, ohne einen einzigen Gedanken an „Blue Suede Shoes“ oder „Jailhouse Rock“ zu verschwenden. Später mottete er das seltene Stück für Jahrzehnte in seiner Kürbis-Scheune ein.

Der Sammler Jack Castor hatte den BMW 507 jahrzehntelang in einer Scheune eingemottet, bevor er ihn Klaus Kutscher anvertraute.

In der Fachwelt galt Elvis’ BMW währenddessen als verschollen, zumal unklar war, welche Seriennummer der Wagen des Stars trug.

Die Geschichte freilich war bekannt: Elvis Presley war Ende der 50er einige Jahre lang als US-Soldat in Deutschland stationiert. Hier kaufte sich der damals schon weltbekannte Musiker im Herbst 1958 den federweißen Sportwagen spontan nach einer Probefahrt.

Mit dem schnittigen Gefährt pendelte der 23-Jährige fast täglich zwischen seinem Wohnort Bad Nauheim und der US-Army-Base in Friedberg. Das wussten auch seine Fans, vor allem die weiblichen. Sie übersäten den Wagen mit Lippenstift-Kussmündern oder schrieben gleich in Rot ihre Telefonnummer auf den glänzenden Lack. Elvis Presley war das offenbar unangenehm. Er ließ das Fahrzeug kurzerhand rot lackieren, damit der Spuk mit dem Lippenstift ein Ende hat.

Der brachte das Fahrzeug nach München, wo es komplett zerlegt und von Grund auf restauriert wurde.

Der spätere Eigentümer Castor hatte also in Kaliforniern in doppelter Hinsicht eine automobile Legende eingemottet, aber er hatte sie nicht vergessen. Mittlerweile – Anfang des neuen Jahrtausends – verfügte er schon über zwei restaurierungsbedürftige BMW 507. Der Plan war, eines der beiden Fahrzeuge mit den Teilen des anderen in einen hübschen Oldtimer zu verwandeln.

Die US-Journalistin Jackie Jouret durchkreuzte die Restaurations-Pläne, die Castor aus Geld- und Zeitmangel ohnehin nie anging. Jouret hatte im Jahr 2006 für ein Automagazin recherchiert, dass die Seriennummer des Presley-BMWs nur 70079 sein konnte. Das ließ Castor aufhorchen: 70079 – das war genau die Seriennummer, die sein alter 507er trug. Castor nahm Kontakt mit der Journalistin auf, die sich das Fahrzeug ansah und der BMW-Classic-Sparte von ihrer Entdeckung berichtete.

Nun wurde Klaus Kutscher auf den Sportwagen aufmerksam. Der 59-Jährige ist einer der Begründer der BMW-Classic-Sparte. 2011 flog er erstmals zu Castor, um das Auto mit eigenen Augen zu sehen. „Es war damals in einem desolaten Zustand“, erzählt Kutscher. Er und Castor freundeten sich an. Der Münchner flog mehrmals nach Kalifornien, und irgendwann, bei einer Tasse Kaffee in Castors Wohnort Halfmoon Bay, machte er den entscheidenden Vorschlag. „Ich sagte, Jack, lass uns beide BMW nach Deutschland bringen. Wir restaurieren sie, du bekommst einen zurück. Und Elvis Presleys BMW stellen wir in München bei BMW aus.“ Castor antwortete: „Do it Klaus!“

Nun ist es in einer Sonderausstellung zu bewundern – wieder in seiner ursprünglichen weißen Lackierung und nicht in Rot, wie Elvis es hinterlassen hatte.

Das Ergebnis dieser Übereinkunft kann Jack Castor nicht mehr betrachten: Er starb, während seine Sammlerstücke in München restauriert wurden. Doch es hätte ihn sicherlich begeistert, den BMW 507 mit der Seriennummer 70079 so zu sehen, wie ihn Elvis Presley einst in Deutschland gekauft hatte: Nagelneu, auf Hochglanz poliert und federweiß.

So steht das Auto mit der wechselvollen Vergangenheit von heute an im BMW Museum.

BMW Museum: Am Olympiapark 2, U-Bahn Olympiazentrum. Geöffnet von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr, Montag Ruhetag. Letzter Einlass 17.30 Uhr. Eintritt 10 Euro, ermäßigt 7 Euro, Familien (bis zu 2 Erwachsene und 3 Kinder unter 18 Jahren) 24 Euro.

von Hüseyin Ince

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