Prozess am Landgericht

Frankfurter Ring: Wie der Macheten-Mann seinen Überfall erklärt

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Mortaza B. (22, blauer Pulli) hat den Raubüberfall am Frankfurter Ring gestanden und sich entschuldigt. 

Die Maske des Räubers, eine Machete und bange Sekunden am Tresen: Auch nach mehr als einem Jahr kann Kassierer Christoph R. nicht vergessen, wie er Opfer eines Tankstellen-Überfalls wurde. 

Wie gefährlich diese Situation wirklich war – das verstand Christoph R. (29) erst kurz nach dem Überfall. Als er sah, wie der Räuber seine Machete wieder einpackte und die Tankstelle verließ. „Ich hatte großes Glück“, sagt der Kassierer. Sechs Jahre lang hatte er am Frankfurter Ring gearbeitet und mit Nachtdiensten sein Gehalt aufgebessert. Nie war etwas passiert – bis zu jenem 20. Oktober 2016. „Gib mir Geld, dann passiert dir nichts“, hatte B. den Kassierer um 1.27 Uhr angeschrien. Doch Christoph R. waren die Hände gebunden. „Wir haben nur ein geschlossenes Kassensystem“, erklärte er in ruhigem Ton. Der Räuber glaubte ihm zunächst nicht – bis er das Münz- und Scheingerät sah. Bargeld: leider Fehlanzeige. „Ich zeigte ihm den leeren Kassenschub und sagte, dass ich deshalb leider nichts herausgeben kann.“

So zog Mortaza B. ohne Beute wieder ab – und Christoph R. konnte durchatmen. „Zunächst hatte ich alles für einen Scherz gehalten“, sagte er gestern vor dem Landgericht aus. „Doch als es ernst wurde, wich ich hinter den Tresen zurück und hoffte, dass er nicht durchdreht.“ Weniger als eine Minute dauert der Überfall, der durch die Überwachungskameras aufgezeichnet wurde. Kurz nachdem B. die Tankstelle verlassen hatte, rief Christoph R. die Polizei. 

Zwei Monate später hatte eine Routinekontrolle der Polizei einen jungen Mann als den gescheiterten Räuber überführt. Unter anderem deshalb, weil er seine Tatwaffe bei sich führte...

Wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung steht Mortaza B. nun vor Gericht. „Ich kann mich nur entschuldigen“, sagte er gestern. „Ich hatte Geldprobleme. Das war leider eine sehr dumme Aktion.“ Für die ihm nun eine längere Haftstrafe droht.

Überfall: Machete war Familienbesitz und „lag bei uns im Keller rum“

Warum er ausgerechnet eine Machete für den geplanten Raubüberfall verwendet hatte, wollte Richter Anton Winkler vom Angeklagten wissen. „Die lag bei uns im Keller herum“, erklärte B. Angeblich handele es sich um Familienbesitz. „Ich wollte meiner Geldforderung damit Nachdruck verleihen und hatte mich nicht getraut, ohne Waffe in die Tankstelle zu gehen“, sagte der Räuber. Er habe mit etwa 500 Euro Beute gerechnet. „Von dem Geld wollte ich mir einen Laptop kaufen.“ Dem Tankstellen-Mitarbeiter hat Mortaza B. den Schreck seines Lebens eingejagt – auch, wenn es nicht zu einem tätlichen Übergriff kam. „Gott sei Dank ist nichts passiert. Die Angst kam bei mir erst später durch“, sagte der Kassierer gestern vor Gericht.

Der Pächter hatte Christoph R. voriges Jahr angeboten, nach dem Vorfall Urlaub zu nehmen. „Aber ich habe ganz normal weitergearbeitet.“ Mittlerweile ist er bei einem Supermarkt angestellt. Aber erinnert sich noch oft mit Schrecken an den Überfall. Ein Polizist, der Mortaza B. in jener Nacht festgenommen hatte, sagte: „Einen Überfall mit einer Machete auf eine Tankstelle habe ich in meiner achtjährigen Dienstzeit noch nie erlebt.“

Andreas Thieme
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