1. Comic Con in München

Ghostbusters-Fanclub: Die Geisterjäger aus Milbertshofen

Am Wochenende treffen sich Comic- und Zeichentrickfans auf der ersten „ComicCon“ in München. Mit dabei: Tommy Haacke. Der Milbertshofener ist Vorsitzender des Ghostbusters-Fanclubs München.

München - Wenn Tommy Haacke den roten Knopf seiner Proton Gun drückt, schießen weiße Blitze die durchsichtige Plastikröhre entlang. Die Blitze explodieren, es kracht und knackt – genauer gesagt gibt die große, selbst gebaute Spielzeugwaffe genau die Geräusche ab, die auch zu hören sind, wenn die Geisterjäger in dem Film-Klassiker Ghostbusters aus dem Jahr 1984 ihre Waffen auf die Geister abfeuern. Tommy Haacke, 35, aus Milbertshofen ist leidenschaftlicher Fan des Films und des gesamten Ghostbusters-Universums. Er hat die Gruppe „Ghostbusters Munich“ gegründet, für Fans aus der Umgebung. Derzeit sind es vier: Tommy, sein neunjähriger Sohn Tyler und zwei weitere Münchner.

Viele Fans gibt es hier offenbar nicht. In den USA sei das anders, erzählt Haacke. Weltweit sind es Tausende. Vor drei, vier Jahren hat Haacke seine Leidenschaft zu Ghostbusters entdeckt. Wiederentdeckt müsste man sagen, denn als Bub hat er die Zeichentrickserie im Fernsehen geschaut, die ein Ableger des erfolgreichen Films von 1984 ist. Mit Waschmittelpackungen haben Haacke und seine Freund als Kinder die Proton-Packs nachgebaut – die Waffen, die ein bisschen an Staubsauger erinnern und mit denen die Filmhelden die Geister bekämpfen.

Mittlerweile als Erwachsener sieht er im Internet, wie Ghostbusters-Fans Proton-Packs nachbauen, die genauso aussehen wie die Originale im Film. Okay, krass, wie mache ich das? Die Frage schießt Haacke durch den Kopf. Er bestellt sich die ersten Teile und beginnt zu bauen. Akribisch sammelt und kauft er Teile zusammen, die sein Proton-Pack möglichst echt aussehen lassen, so wie im Film. Jedes Kabel, jedes Lämpchen, jede etwas rostige Schraube muss stimmen. Die erste Version kostet um die 500 Euro, mittlerweile seien 2000 bis 2200 Euro allein in den Rucksack mit der Plasmawaffe geflossen, schätzt er. Auf die Plasmaröhre, die auf Knopfdruck Blitze zucken lässt, ist Haacke besonders stolz. Zwar haben viele andere Fans ebenfalls sehr detailgetreue Proton-Packs mit Kanone, aber bei den meisten leuchtet eine LED aus dem Lauf heraus, anstelle der Blitze.

Auch die anderen Ghostbusters-Fans organisieren sich in kleinen Ortsverbänden, jede Gruppe hat ein eigenes Wappen, das sie als Aufnäher auf ihrer Uniform tragen. Genau 80 Vereinswappen hängen in Haackes Schlafzimmer an der Wand, fein säuberlich in vier großen Bilderrahmen geordnet. Hawaii, New York, Malaysia: Ghostbusters-Fans gibt es überall auf der Welt. Sie treffen sich auf Conventions, so wie der ComicCon, die am Wochenende zum ersten Mal in München stattfindet. Dann schmeißen sich Tommy und Sohn Tyler in Uniform. Sie nehmen ihre Proton-Packs mit und präsentieren sie nicht ohne Stolz. Das ist anstrengend. In den Uniformen schwitzen sie, Haackes Proton-Pack in Originalgröße und -material wiegt mehrere Kilo. Ein Nerd? So sieht Haacke sich selbst nicht, da gäbe es noch viel krassere, sagt er. „Aber ich würde mich schon als Superfan bezeichnen.“ Er lacht. „Vorher hätte ich mich selbst als jemanden mit zwei linken Händen bezeichnet“, sagt Haacke. Mittlerweile kann er löten, schleifen, spachteln, programmieren und noch einiges mehr. Seinen Keller hat er zu einer Werkstatt für Ghostbusters-Fans umgebaut. Das Proton-Pack ist nicht alleine geblieben, Tyler hat von seinem Vater auch eins bekommen. Aus einem früheren Schuhpolierer hat Haacke ein Gerät gebaut, das Geister ortet. Aktuell baut er ein Proton-Pack für seinen dreijährigen Sohn – halb so groß und aus Styropor.

Auf der ComicCon in München wird Haacke anzutreffen sein – selbstverständlich in voller Montur: so lange, bis ihm und Tyler die Proton-Packs zu schwer werden.

Caspar von Au

Rubriklistenbild: © Achim Schmidt

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