800 Ärzte verfolgen 30 Liveübertragungen

Herz-OPs mit Public Viewing in der BMW-Welt

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In der BMW-Welt schauen die Kongressteilnehmer gebannt auf die 30 mal 20 Meter große Leinwand: Darauf werden Operationen aus drei verschiedenen Kliniken live übertragen, unter anderem aus dem Deutschen Herzzentrum München in der Lazarettstraße.

München - Eine riesige Video­leinwand – und davor viele Menschen, die sich eine Liveübertragung anschauen. Doch diesmal geht es nichtnum Fußball, sondern um Medizin.

Eigentlich kennen wir solche Massenspektal – neudeutsch Public-Viewing genannt – vor allem vom Fußball. Aber inzwischen gibt’s ähnliche Veranstaltungen auch in der Medizin. Zum Beispiel in der BMW-Welt. Dort haben sich diese Woche über 800 Ärzte getroffen, um gemeinsam 30 Herz-OPs live zu verfolgen.

Die Eingriffe waren die Höhepunkte des europäischen Top-Kongresses „p-c-i live“. Einer der Stars im grünen OP-Trikot: Professor Rüdiger Lange, der Chefchirurg des Deutschen Herzzentrums. Seine Münchner Mannschaft hat sozusagen eine stressige „englische Woche“ hinter sich. Elf Mal binnen dreier Tage waren die Herzchirurgen an der Lazarettstraße im Einsatz, während ihnen die Kongressteilnehmer ein paar Kilometer weiter praktisch live über die Schulter schauten. Dazu kamen 19 weitere Eingriffe in Hamburg und Zürich.

Speziell geschulte Kamerateams lieferten die Bilder aus den Operationssälen und Herzkatheterlabors, mit Mikrofonen ausgestattete Ärzte kommentierten ihre Vorgehensweise. Immer mal wieder schaltete die Kongress-Regie zwischen den drei Städten hin und her – eine Konferenzschaltung mit Herz und Satellitentechnik.

Bei den Eingriffen arbeiteten Spezialisten aus Kardiologie, Kinderkardiologie und Herzchirurgie Hand in Hand. „Die Liveübertragungen nützen allen“, erläutert Professor Lange. „Wir haben so die Möglichkeit, ungeschönte Fälle zu zeigen. Die Kollegen sehen live, welche Probleme auftreten können und wie sich lösen lassen.“ Die Patienten haben natürlich zuvor ihr Einverständnis gegeben. „Wir sind ihnen dankbar dafür, weil sie uns dabei helfen, die Medizin noch weiter zu verbessern“, so Professor Lange.

Zu den Eingriffen zählten unter anderem: die Versorgung von verstopften Herzkranzarterien mit speziellen Gitterröhrchen, sogenannten Stents; und das Einsetzen von künstlichen Herzklappen mit einem dünnen Katheterschlauch.

Das nächste „Public Viewing“ in der Medizin steht übrigens schon nächstes Wochenende an. Dann werden rund 200 Zahnmediziner in einem Bogenhausener Hotel gemeinsam mehrere Live-Übertragungen von Operationen aus der BolzWachtel-Dentalklinik verfolgen.

Andreas Beez

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