Dr. Tod eröffnet "Einschnitte"

"Körperwelten": Weitere Ausstellung in München

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Gunther von Hagens mit seinem monumentalsten Werk: ein zerschnittener Elefant.

München - In seiner neuen Kunstausstellung „Einschnitte“ im Rahmen der "Körperwelten" zeigt Gunther von Hagens in der Kleinen Olympiahalle aufgeschnittene Innen- und Außenansichten von alltäglichen Dingen.

tz-Reporter Florian Fussek mit Hagens und einem Werk, das ihn selbst zeigt, wie er von Skeletten untersucht wird.

Dr. Gunther von Hagens. Dieser Name steht für viele im Zusammenhang mit plastinierten Leichen und Schock-Ausstellungen. Seine Körperweltenausstellungen spalten die Bevölkerung. Jetzt spaltet er wieder, aber diesmal im wörtlichen Sinne! In seiner neuen Kunstausstellung „Einschnitte“ zeigt der 69-Jährige in der Kleinen Olympiahalle aufgeschnittene Innen- und Außenansichten von alltäglichen Dingen wie Puppen und Motoren aber auch einen Elefanten und einen Motorradfahrer. Was für ein einschneidenes Erlebnis! Der Besucher bekommt einen ganz neuen Einblick in die Innenwelt der Gegenstände. „Die Aufgabe von Kunst ist es, Dinge neu zu sehen. Ich möchte mit den Gewohnheiten der Menschen brechen!“, sagt von Hagens (siehe Interview unten). Die Ausstellung ist eine Weltpremiere, in München werden seine Kunstwerke zum ersten Mal vorgestellt. „Wir warten die Reaktion der Besucher ab, ob die Ausstellung weitergeführt wird“, sagt seine Ehefrau Dr. Angelina Whalley. Ab sofort kann „Einschnitte“ besucht werden, der Eintritt ist im Ticket für die „Körperwelten“ Ausstellung bereits inbegriffen.

Was hat Sie zu der Ausstellung „Einschnitte“ bewogen? Sie unterscheidet sich ja schon deutlich von den Körperwelten.

Dr. Gunther von Hagens: „Einschnitte“ zeigt einen anderen Aspekt meines Schaffens. Wobei die Ausstellung keine Ergänzung sein soll, sondern neue Einblicke bietet. Bei „Einschnitte“ geht es auch darum, dass die Menschen eine neue Einsicht von der zweiten in die dritte Dimension bekommen. Aufgabe von Kunst ist es, Dinge neu zu sehen. Ich möchte mit den Gewohnheiten der Menschen brechen!

Wie entstehen diese Innenansichten?

Dr. Gunther von Hagens: Da muss man zwischen den technischen und den biologischen Dingen unterscheiden. Bei der Technik reicht es, sie mit Kunststoff zu einem Block zu verfestigen, damit nichts verrutscht. Die biologischen Dinge müssen erst auf minus 70 Grad heruntergekühlt werden. Dann werden sie mit Schaum umhüllt. Dann kann man die Schnitte machen.

Wie lange dauert so etwas?

Dr. Gunther von Hagens: Das kommt ganz auf die Größe an. Je größer, desto länger. Alleine den Elefant herunter zukühlen dauerte schon mehrere Wochen! Insgesamt hat der Elefant zwei bis drei Monate gedauert. Der Elefant ist übrigens auf natürliche Art und Weise in einem Zoo gestorben und wurde uns gespendet.

Was möchten Sie noch plastinieren? 

Dr. Gunther von Hagens: Einen Blauwal würde ich sehr gerne in Scheiben schneiden. Aber das ist sehr teuer. Das Problem ist, dass diese Tiere sehr schnell verwesen. Dabei entstehen Gase und die Tiere können dann explodieren. Es ist also zeitlich und technisch extrem aufwendig.

Ist es dennoch möglich?

Dr. Gunther von Hagens: Ja.

Als „Köperwelten“ zum ersten Mal in München stattfand, war der Aufschrei in der Bevölkerung sehr groß. Dieses Mal hat man davon nicht den Eindruck. Wie erklären Sie sich diesen Wandel und die Akzeptanz?

Dr. Gunther von Hagens: Ich denke, dass die Ausstellung in der Gesellschaft angekommen ist. Anatomie findet eher im Dunklen statt und ist mit vielen Vorurteilen behaftet. Die Leute sehen jetzt aber den anderen Charakter der Ausstellung. Man sieht fremde Körper und entdeckt sich selbst.

Brauchen Sie eigentlich einen Ausgleich zu Ihrer Arbeit?

Dr. Gunther von Hagens: Das brauche ich nicht. Meine Tätigkeit bringt so viel verschiedene Sachen. Es gibt für mich auch keine Trennung zwischen Arbeits- und Privatleben. Früher habe ich jedoch Geige gespielt. Nach meiner Parkinson-Erkrankung geht das aber leider motorisch nicht mehr.

Florian Fussek

Die Ausstellung „Einschnitte“ kann noch bis zum 5. Oktober im Rahmen der Ausstellung „Körperwelten“ in der Kleinen Olympiahalle besucht werden. Die Öffnungszeiten sind von 10 -18 Uhr. Tipp: Montags gibt’s das Ticket billiger (13 Euro).

Die Krankheit stoppt ihn nicht

Hagens mir seiner Frau Angelina Whalley.

Man merkt Dr. Gunther von Hagens seine Krankheit an. Vor allem das Sprechen bereitet dem 69-Jährigen Probleme. Das Geigespielen musste er aufgeben, seinen Lebensmut hat er aber nicht verloren. Vor allem wenn man mit ihm über seine Arbeit redet, merkt man seine Leidenschaft. Er hat noch Ziele im Leben, wie zum Beispiel einen Blauwal zu plastinieren. Immer an seiner Seite: seine Frau Dr. Angelina Whalley (54). Die approbierte Ärztin ist seit 1992 mit Hagens verheiratet und ist auch für die kreative und konzeptionellen Gestaltung der Ausstellung verantwortlich. Auch beim Interview unterstützt sie ihren Ehemann.

Parkinson ist nach Alzheimer die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung in Deutschland. Vor allem die Teile des Gehirns, die für die Motorik zuständig sind, werden von der Krankheit angegriffen. So äußert sich die Krankheit durch Zittern und Problemen mit dem Laufen. In Deutschland ist Parkinson deshalb auch als Schüttellähmung bekannt. Warum die Zellen im Gehirn absterben ist bislang nicht bekannt, eine Heilung ist ebenfalls nicht möglich. Es gibt jedoch Medikamente, die die Symptome verringern. Bundesweit leiden derzeit 280 000 Menschen daran. Jahr für Jahr kommen 13 000 Fälle hinzu.

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