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Körperwelten: Welcher Promi lässt sich plastinieren?

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Schauspieler Hansi Kraus und Kunstmaler ­Wolfgang Prinz möchten nicht so enden, wie der Fußballspieler der „Körperwelten“.

München - Bei der VIP-Eröffnung der Körperwelten-Ausstellung in der Kleinen Olympiahalle hat die tz sich mal bei den Promis umgehört und nachgehakt, wer seinen Körper zum Plastinieren spenden würde.

Plastinierte Leichen und Promis am roten Teppich? Bei der VIP-Eröffnung der Körperwelten in der Kleinen Olympiahalle am Mittwochabend ging das zusammen. 300 Gäste folgten der Einladung, zu der der umstrittene Anatom Gunther von Hagens zwar nicht selbst kommen konnte – er leidet an Parkinson –, jedoch seine Frau, die Ärztin Dr. Angelina Whalley und Sohn Rurik Hagens (34), der an den plastinierten Toten in der Körperwelten-Ausstellung nichts Abschreckendes finden kann. „Ich bin damit aufgewachsen, schon als ­Baby war ich im Labor mit dabei. Ich kann gar nicht sagen, wann ich zum ersten Mal eine Leiche gesehen habe“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler, der sich um die Finanzen des Plastinations-Unternehmens seines Vaters kümmert. Ob er sich selbst plastinieren lassen will? „Na klar! Meine zwei Schwestern allerdings nicht.“

Schauspielerin Nicola Tiggeler und Sohn Nelson (12) schauen sich die Körperwelten-Ausstellung lieber nur an.

Für Schauspieler Hansi Kraus, gefeierter Kinderstar der 1960er-Jahre, und Kunstmaler Wolfgang Prinz kommt das nicht infrage. „Ich lasse mich verbrennen und anonym bestatten“, sagte Kraus, „dann haben meine Nachkommen keine Scherereien mit meinen stofflichen Resten und ich habe meine Ruhe.“ Wolfgang Prinz fand die Ausstellung interessant, aber seinen Körper würde er nach dem Tod nur als Organspender herschenken. „Und weil ich Angst vor dem Feuer habe, kommt auch keine Feuerbestattung infrage – also wird es wohl die Erdbestattung, wenn mich nicht vorher Außerirdische abholen.“ Schauspielerin Nicola ­Tiggeler fühlte sich in der Ausstellung „in einer faszinierenden und fremden Welt mit Einblicken, die ich bisher noch nicht hatte“. Aber sich selbst plastinieren zu lassen, kommt nicht in die Tüte. Ihr Sohn Nelson (12) nahm die Toten übrigens gelassen: „Im Bio-Unterricht lernen wir auch nichts anderes.“ Der Münchner Ober-Leichenpräparator Alfred Riepertinger, der mehr als 25 000 Tote seziert hat – u. a. Rudolph ­Moshammer und Franz Josef Strauß, kann da nur zustimmen: „Gruselig sind für mich die Gaffer, die bei Unfällen stehen bleiben, um die Opfer anzuglotzen“, sagte er. Er nutzte die Gelegenheit, um für die Organspende zu werben: „Alle sollten einen Organspendeausweis haben, auch Senioren – selbst ein 70-Jähriger kann jemandem anderen das Sehen schenken.“

Gloria Gray würde ihren Körper spenden.

Entertainerin Gloria Gray, die 1970 in Niederbayern als Bub geboren wurde, würde ihren Körper nach ihrem Tod gern der Wissenschaft spenden, „weil die so viel für mich getan hat – ohne die moderne Medizin wäre ich heute nicht ich“, sagte sie. Vorrang habe aber für sie auch die Organspende. Angermaier-Chef Dr. Axel Munz sagt: „Wenn ich tot bin, krieg ich es ja nicht mehr mit, wenn ich in einer Ausstellung stehe.“

Es gab aber auch Vorbehalte gegen die Ausstellung. Prof. Marcus Seemann, Chef der Diagnoseklinik: „Für mich hat das ein Geschmäckle. Ich frage mich, ob hier nicht die Grenze zum Kommerz überschritten ist. Ich habe ethische Bedenken.“

Susanne Sasse

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