„Eine schmerzhafte Entscheidung“

Eskalation im Münchner Olympiapark - Konzert abgebrochen - „Geradezu grotesk“

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Die Beachbar (vorne) und das Theatron kommen sich akustisch immer wieder in die Quere.

Zarte Klassik gegen wummernde Bässe: Der Lärm-Streit im Olympiapark ist eskaliert. Empörte Besucher schrieben Beschwerdemails an OB Dieter Reiter.

München - Nur rund 15 Meter trennen im Olympiapark die Theatron-Bühne von der schwimmenden Bar Saluti da Capri inmitten des Sees. Das Nebeneinander funktionierte bislang mit viel gutem Willen, oft mehr schlecht als recht. Nun eskalierte die Situation: Das Klassikkonzert im Rahmen des MusikSommers musste abgebrochen werden, weil wummernde Bässe aus den Boxen der Bar alles übertönten. Der Pächter hatte seine Location untervermietet. Viele Besucher der Klassikaufführung der Sinfonietta München reagierten empört und schrieben an Oberbürgermeister Dieter Reiter als Schirmherr des Festivals Beschwerdemails.

München: Konzert im Olympiapark abgebrochen - „eine schmerzhafte Entscheidung“

„Abzubrechen war für mich eine schmerzhafte Entscheidung“, erzählt Dirigent Hartmut Zöbeley. „Aber gegen das Bum Bum kamen die zarten und anrührenden Töne meiner jungen Musiker nicht an.“ Für die etwa 70 Musikstudenten eine Riesenenttäuschung, ein ganzes Semester hatten sie das Ereignis neben Proben und Prüfungen vorbereitet. Für viele war es der erste Auftritt vor so großem Publikum – rund 1300 Klassikfreunde, teils von außerhalb angereist, wollten sich das Programm Fremde Welten mit Schostakowitschs 2. Cellokonzert nicht entgehen lassen. Doch schon innerhalb einer halben Stunde verließen erste Zuschauer die Ränge, genervt von der benachbarten Party. Zöbeley, der seit 1998 im Theatron Klassik auf die Bühne bringt: „Es ist geradezu grotesk: In unserem Programm geht es um die Begegnung verschiedener Welten, die nur über gegenseitiges Verstehen funktioniert.“

Lärm-Streit im Olympiapark eskaliert: „Veranstalter müssen sich absprechen“

Verständnis fehlt seines Erachtens aber nicht nur bei den Veranstaltern jener Party, die nach Buh-Rufen der Theatron-Besucher ihre Mucke sogar noch lauter drehten. Sondern vor allem bei der Olympiapark GmbH, die als Eigentümer des Geländes derlei Konflikte durch die Platzierung solcher Locations vorprogrammiere. „Dass diese Beachbar so unmittelbar neben der Bühne liegt, ist doch schon im Ansatz falsch – so etwas verträgt sich einfach nicht mit einem Musikfest.“ Zöbeleys Ansicht nach gehe es der Olympiapark GmbH allein um den Kommerz. 

Streit um Lärm eskaliert in München - Olympiapark-Sprecher reagiert

Dort wehrt man sich: „Die Verantwortung liegt nicht bei uns. Die Veranstalter müssen sich absprechen“, sagt Olympiapark-Sprecher Tobias Kohler. „Sollte das nicht klappen, bieten wir uns gern als Mediatoren an. Abgesehen davon unterstützen wir das Musikfestival im Theatron mit erheblichen finanziellen Mitteln.“

Antonio Seidemann, einer der Theatron-Organisatoren, sagt, bisher habe man sich da immer irgendwie mit dem Bar-Nachbarn arrangieren können. „Die sind eigentlich in Ordnung, aber das Grundkonzept ist einfach schwierig“, gibt er Zöbeley Recht. Von der Feier habe man erst kurz vorher zufällig erfahren. Die Beachbar-Betreiber waren bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.

OB Reiter ist bis Ende August in Urlaub. Danach wolle man mit der Olympiapark GmbH nach befriedigenden Lösungen suchen, heißt es aus seinem Kulturreferat. Zöbeley wäre gern 2020 wieder mit einem Konzert im Theatron dabei. Seine Angst ist aber: „Dass man diese zauberhaften Klassikabende abschafft und die Spaßgesellschaft siegt.“ 

Katrin Basaran

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