45 Jahre danach

Olympia-Attentat: Israels Präsident und Steinmeier weihen Denkmal ein

Am Mittwoch wurde ein Denkmal für die Opfer des Olympia-Attentats 1972 in München eingeweiht.
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Am Mittwoch wurde ein Denkmal für die Opfer des Olympia-Attentats 1972 in München eingeweiht.
Israels Präsident Reuven Rivlin.
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Israels Präsident Reuven Rivlin.
Israels Präsident Reuven Rivlin mit Frank-Walter Steinmeier bei der Einweihung des Denkmals.
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Israels Präsident Reuven Rivlin mit Frank-Walter Steinmeier bei der Einweihung des Denkmals.
Denkmal für die Opfer vom Olympia-Attentat
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IOC Präsident Thomas Bach hält Ilana Romano, Witwe des ermordeten Gewichthebers Josef Romano (l), und Anke Spitzer, Witwe des ermordeten Fechtmeisters André Spitzer, in den Armen.
Porträts der Opfer sind in dem Denkmal zu sehen.
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Porträts der Opfer sind an dem Denkmal zu sehen.
Der Erinnerungsort an das Attentat von 1972.
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Der Erinnerungsort an das Attentat von 1972.
Am Mittwoch wurde ein Denkmal für die Opfer des Olympia-Attentats 1972 in München eingeweiht.
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Am Mittwoch wurde ein Denkmal für die Opfer des Olympia-Attentats 1972 in München eingeweiht.
Am Mittwoch wurde ein Denkmal für die Opfer des Olympia-Attentats 1972 in München eingeweiht.
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Am Mittwoch wurde ein Denkmal für die Opfer des Olympia-Attentats 1972 in München eingeweiht.

Es war eine der schwärzesten Stunden der Geschichte Münchens und der Olympischen Spiele: Das Attentat von 1972, als elf Sportler, ein Polizist und fünf Terroristen ums Leben kamen. Nun wurde der Opfer mit einem Denkmal gedacht.

München - 45 Jahre nach dem Münchner Olympia-Attentat von 1972 ist am Mittwoch ein Erinnerungsort für die elf getöteten israelischen Sportler und einen getöteten bayerischen Polizisten eröffnet worden. "Einschnitt" heißt der Gedenkort im Münchner Olympiapark - ein Name, der auch die weitreichenden Folgen dieses von palästinensischen Terroristen begangenen Anschlags umreißt.

Die Olympischen Spiele 1972 in München sollten nach dem Versprechen der Gastgeber heitere Spiele werden und das Verhältnis Deutschlands zur Welt 27 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs weiter normalisieren. Doch nach dem 5. September wurden die bis dahin heiteren Spiele zu einem Albtraum, an dem das Versagen der Polizei einen großen Anteil hatte.

Von einem "erschütternden Dokument deutscher Unfähigkeit" sprach Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) in den Tagen nach dem Attentat von München. Es hatte Warnungen vor einem Anschlag gegeben, diese waren aber nicht ernst genommen worden, das Sicherheitskonzept entsprechend ungeeignet.

Am frühen Morgen des 5. Septembers 1972 kletterten acht Kommandomitglieder der palästinensischen Gruppierung "Schwarzer September" über den Zaun ins Olympischen Dorf. In kurzer Zeit brachte die Gruppe elf israelische Sportler in ihre Gewalt, zwei töteten sie zu Beginn der Geiselnahme. Sie verlangten, 234 in Israel inhaftierte Palästinenser sowie die deutschen RAF-Terroristen Andreas Baader und Ulrike Meinhof freizulassen. Die Forderung wurde von Israel zurückgewiesen.

Ein vermummter arabischer Terrorist auf dem Balkon des israelischen Mannschaftsquartiers im Olympischen Dorf.

Nach einer stundenlangen Belagerung ließen sich die Terroristen am Abend des 5. Septembers mit den Geiseln in Hubschraubern zum Flughafen Fürstenfeldbruck fliegen. Eigentlich sollten sie dort in einer zum Schein für sie zum Ausfliegen bereit gestellten Boeing überwältigt werden.

Doch als die Palästinenser die Maschine betraten, war sie leer. Die ursprünglich in die Maschine geschickten Polizisten hatten kurzfristig den Einsatz abgebrochen, die Terroristen erkannten, dass ihnen eine Falle gestellt wurde. Scharfschützen sollten daraufhin die Terroristen ausschalten. Doch es waren nur fünf Scharfschützen postiert worden, obwohl es acht Geiselnehmer gab.

Als wenige Minuten nach 22.30 Uhr der Befehl "Feuer frei" erging, war dies das Todesurteil für die Geiseln: Zwar starben im Verlauf des folgenden stundenlangen Feuergefechts fünf Terroristen, doch die Ermordung aller neun israelischen Sportler durch das Terrorkommando konnte die Polizei nicht verhindern. Auch ein deutscher Polizist wurde bei dem Einsatz getötet.

Von den deutschen Sicherheitsbehörden wurde kein Verantwortlicher für das Fiasko zur Rechenschaft gezogen. Als Konsequenz wurde aber unmittelbar darauf die Eliteeinheit GSG 9 geschaffen.

Die überlebenden drei Terroristen wurden nicht einmal zwei Monate nach dem Anschlag durch eine Flugzeugentführung einer Lufthansa-Maschine nach Zagreb aus deutscher Haft freigepresst. Bis heute hält sich der Verdacht, die deutsche Seite könnte schon im Vorfeld von der geplanten Entführung des Flugzeugs gewusst haben - denn nur Stunden danach waren die Attentäter frei.

Israel reagierte auf die nicht mit der israelischen Regierung abgesprochene Freilassung mit Racheakten: Zwei der drei Attentäter von München wurden vom Geheimdienst Mossad getötet, dazu mindestens zwölf weitere angeblich an der Planung beteiligte Palästinenser. Der Nahost-Konflikt erreichte eine neue Eskalationsstufe.

Damit gelten die Olympischen Spiele von München auch als die Spiele, bei denen das Sportereignis den Charakter als unbeschwerte Spiele der Jugend verlor. Nach nur einem Tag Unterbrechung gingen die sportlichen Wettkämpfe weiter. Der damalige Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Avery Brundage, sprach einen Satz, der heute als der bekannteste und zugleich umstrittenste der Sportgeschichte gilt: "The games must go on."

Ankie Spitzer, Witwe des ermordeten israelischen Fechttrainers Andre Spitzer, steht in dem verwüsteten Raum, in dem die Terroristen israelische Sportler festhielten.

afp

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