Studentenwerk will einziehen

Olympiadorf bangt um Physio-Praxis

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Hoffen, dass das Studentenwerk nachgibt: PhysiOlympia-Chef Sebastian Gieger (Mitte, blaues Hemd) und seine Patienten, die nun Unterschriften sammeln.

9000 Patienten bangen um ihren Physiotherapeuten: Die Praxis „PhysiOlympia“ muss raus aus dem Olympiadorf – und das schon bald.

München - Das Studentenwerk hat der Praxis den Mietvertrag nicht verlängert und will dort selber mit Büros einziehen. Damit wollen sich die Patienten aber nicht zufriedengeben: Sie haben eine Unterschriftenaktion gestartet.

Die 400 Quadratmeter große Physiotherapie-Praxis ist die einzige in der näheren Umgebung. Nun braucht aber der Vermieter selbst die Räumlichkeiten: das Studentenwerk. Viele der 3200 Haushalte im Olympiadorf sind schockiert. Denn im Olympiadorf gibt es viele Bewohner im Alter zwischen 65 und 80 Jahren – ein Alter, in dem Physiotherapie Teil des eigenen Lebens geworden ist.

Seit 1985 hat die Praxis einen festen Platz im Olympischen Dorf. „Wenn wir nicht mehr hier sind, haben unsere Patienten keine anderen Möglichkeiten in der Nähe“, sagt Sebastian Gieger, Inhaber von PhysiOlympia. Und auch für die Praxis selbst gebe es keine Alternative. Eine Physiotherapie-Praxis könne nicht so einfach irgendwo einziehen. Dazu brauche es einen Nutzungsänderungs-Antrag, der mindestens sechs Monate Bearbeitungszeit in Anspruch nehme, so Gieger.

Die Einwohner-Interessen-Gemeinschaft (EIG) des Olympischen Dorfes protestiert: „Wir verstehen das überhaupt nicht“, sagt Vorsitzender Wolfgang Hülle. „Das Studentenwerk braucht eine Bürofläche für 640 Mitarbeiter – in die Praxis passen maximal 80. Muss das sein?“. Das Studentenwerk sagte auf Anfrage unserer Zeitung: „Wir brauchen die Räume für die zentrale Verwaltung unserer Wohnanlagen.“

„Das Studentenwerk wird öffentlich finanziert“, entgegnet Gieger. „Dann muss es auch das öffentliche Interesse im Fokus behalten“. Der Meinung ist auch der Verein Dorfsenioren Olympiadorf. „Lasst uns doch bitte unsere örtlichen Möglichkeiten“, sagt die Vorsitzende Uta Strey. „Viele Alte und Behinderte müssten sonst in einen anderen Stadtteil kommen – aber wie?“ 800 Anwohner haben mittlerweile unterschrieben. Sogar Landtagsabgeordnete Mechthilde Wittmann (CSU) setzt sich für PhysiOlympia und seine Patienten ein. Wolfgang Hülles letzter Hoffnungsschimmer: „Das Studentenwerk ist Teil des Olympiadorfes und es gehört einfach zu uns. Es sollte unsere Sorgen teilen.“ PhysiOlympia-Chef Sebastian Gieger betont, die Unterschriftenaktion sei nicht von ihm initiiert worden. „Unser Mietvertrag läuft nunmal bis zum Jahresende aus. Wir hätten uns trotzdem sehr gewünscht, länger bleiben zu dürfen.“ Der Ball liegt nun beim Studentenwerk. 

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Kathrin Braun

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