Bei Netto in Milbertshofen

Teure „Abzocke“: Abschleppfrust auf Supermarkt-Parkplatz

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Auf den gepflasterten Flächen (rechts) dürfen Kunden parken, daneben (links) wird abgeschleppt – Gert Ruske ärgert das.

Wer beim Netto-Supermarkt in Milbertshofen parken will, muss aufpassen: Wer nicht auf den gepflasterten Flächen steht, wird rigoros abgeschleppt. Kunde Gert Ruske wurde abgeschleppt und spricht von „Abzocke“.

Wie so oft fährt Rentner Gert Ruske (70) an einem Morgen im November auf den Hof hinter dem Netto-Supermarkt an der Milbertshofener Straße (Milbertshofen). Kurz stellt er seinen Wagen ab, um seine Frau an der Kasse abzuholen und ihr den schweren Limokasten abzunehmen. Als Ruske wenige Minuten später zum Parkplatz zurückkehrt, hängt sein Auto am Haken – fertig, um abgeschleppt zu werden.

Alles diskutieren hilft nichts – der Rentner muss 297,50 Euro zahlen, damit die Männer vom Abschleppdienst sein Auto wieder auf dem Boden absetzen. Knapp 300 Euro – das ist ein Großteil dessen, was der 70-jährige Münchner im Monat zum Leben hat. Ruske ist auch Tage später noch fassungslos. „Das ist reine Abzocke“, sagt er. „Dort steht nirgends etwas von einem Halteverbot, die Abschlepp-Haie lauern den Kunden regelrecht auf.“

Ruske hat recht – an den zwei betreffenden Parkplätzen selbst ist kein Hinweis angebracht. Allerdings weist ein kleines Schild an der Einfahrt des Supermarktes darauf hin, dass es sich um ein Privatgrundstück handelt. Dort heißt es: „Fahrzeuge außerhalb gekennzeichneter Flächen werden kostenpflichtig abgeschleppt.“ Mit den gekennzeichneten Flächen sind ausschließlich die gepflasterten Stellflächen gemeint. Nur dort dürfen Netto-Kunden parken. Doch wer liest sich schon ein solches Infoschild durch, wenn er auf einen Supermarkt-Parkplatz fährt?, gibt Gert Ruske zu bedenken. Man müsste schon aus dem Auto steigen, die Lesebrille rauskramen und die Einfahrt blockieren.

Ein unscheinbares Schild an der Einfahrt zum Parkplatz weist darauf hin, dass es teuer werden kann.

Die verantwortliche Abschlepp-Firma „Parkräume KG“ ist in München berüchtigt. Die Masche: Die Firma bietet Grundstückseigentümern an, ihre Parkplätze gratis von Falschparkern freizuhalten. Das Geld holt sie sich dann von den Haltern der abgeschleppten Autos. Geschäftsführer Joachim G. stand bereits wegen Erpressungsvorwürfen vor Gericht – weil er auch andernorts rigoros abkassierte. Allein: Die Richter sprachen ihn noch jedes Mal frei. Stolz wirbt er damit auf seiner Homepage.

Auf Gert Ruskes Fall angesprochen, heißt es aus der Rechtsabteilung von Parkräume KG: „Das Grundstück an der Milbertshofener Straße 9-11 ist ein Privatgrundstück und eindeutig gekennzeichnet. An der Einfahrt weist eine große und unmissverständliche Beschilderung darauf hin.“ Die knapp 300 Euro Abschleppkosten seinen „ortsüblich und marktgerecht“.

Gert Ruske wird sich wohl nur schwer wehren können gegen die Parkräume KG. Er kann gegen die überhöhten Forderungen nur vorgehen, wenn er vor Gericht zieht. Seinem Ärger hat er in einen Brief an die Supermarktleitung Luft gemacht. Denn: „Die Abzocke wird von Netto geduldet“, schimpft der Rentner.

Filialleiterin Mirvete Shehu sieht das ein wenig anders: „Es wurden schon einige Kunden abgeschleppt“, gibt sie freimütig zu. Aber: Es handele sich halt nicht um ein Grundstück der Supermarktkette, sondern eben um Privatbesitz. Dort könne man nicht einfach ein Schild aufstellen.

Lesen Sie hier von ähnlichen Fällen an denen das Unternehmen „Parkräujme KG“ beteiligt war: 

Münchnerin schockiert: Auto abgeschleppt - samt Hund

Abschlepp-Abzocke bei McDonald’s: Erst Geld, dann Auto

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Milbertshofen – mein Viertel“.

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