48-Jähriger vor Gericht

Spähte er die Nachbarin mit Hightech-Kamera aus?

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Andre L. (48) auf der Anklagebank des Amtsgerichts.

München - Ein 48-Jähriger hat seine Nachbarin offenbar mit einer hochauflösenden Infrarot-Kamera ausgespäht. Vor Gericht weist der Angeklagte die Spanner-Vorwürfe zurück. Doch der Richter glaubt ihm nicht.

Wenn ihm das TV-Programm zu langweilig wurde, schaltete Andre L. (48) laut Staatsanwaltschaft einfach um – ins Schlazimmer einer Nachbarin! Von seinem Balkon in der Ricarda-Huch-Straße soll der Projektmanager eine hochauflösende Infrarot-Kamera mit Telezoom auf eine gegenüberliegende Wohnung gerichtet haben. Wegen "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen" muss er sich nun vor dem Amtsgericht verantworten.

Objektiv war auf die Schlafcouch der Nachbarin gerichtet

Ein rotes Licht, das aus einer Lücke in der Balkonbrüstung aufleuchtete, hatte die junge Frau stutzig gemacht. Das Gerät reagierte offenbar auf Bewegungen. Beim genauen Hinsehen wurde ihr klar: Hier war eine Kamara auf ihre Wohnung gerichtet! Sie alarmierte die Polizei.

Bei der Durchsuchung am 24. Juni 2013 fiel den Beamten die auf einem Stuhl montierte Hightech-Kamera auf, die mit dem Fernseher von Andre L. verbunden war. Das Objektiv war auf die Schlafcouch der Nachbarin gerichtet. Per Fernbedienung konnte der Elektrotechniker jedes Detail heranzoomen. Da die Kamera auf winzige Temperaturunterschiede reagiert, liefert sie trotz Vorhangs noch klare Bilder. Zog sich die Frau aus, erschien ihr Körper sofort heller auf dem Bildschirm!

Angeklagter weist Spanner-Vorwurf von sich - Richter glaubt ihm nicht

Der Angeklagte weist jeden Spanner-Vorwurf von sich: „Ich habe die Kamera im Januar 2013 installiert, um Einbrüche über die Balkone zu verhindern. Sie dient der Abschreckung.“ Klingt erst mal plausibel, aber Richter Andreas Schätzl fragt nach: „Warum war die Kamera direkt auf die Schlafcouch der Nachbarin justiert?“ Der Angeklagte: „Ich habe versehentlich den Stuhl bewegt.“ Auf die Frage, warum die Kamera mit seinem Fernseher verbunden war, sagt er: „Um sie zu justieren.“ Nur wie schreckt man Einbrecher ab, wenn man die Kamera versteckt? Das Handtuch habe als Wetterschutz gedient, so der Angeklagte.

Schätzl: „Ich kann diese Version nur schwer glauben.“ Der Prozess wird am 23. April mit der Betroffenen als Zeugin fortgesetzt.

E. Unfried

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