Er wohnte sechs Jahre bei Gisela P. (72)

Sie gab ihm ein Heim: Obdachloser wollte Seniorin töten

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Seniorin Gisela P. (72) ließ Dieter R. (53, o.) kostenlos bei sich leben.

München - Gisela P. gab dem Obdachlosen Dieter R. ein zu Hause, ließ ihn bei sich wohnen. Doch der mutierte zu einem gewalttätigen Zeitgenossen. Jetzt stand er vor Gericht.

Was hat diese Frau nur für ein großes Herz! Als Gisela P. (72) den Obdachlosen Dieter R. (53) beim Arzt sah, konnte sie nicht anders – und nahm ihn bei sich auf. „Er hatte ein erbärmliches Leben“, sagt sie. „Ich hatte Mitleid und wollte helfen.“

Deshalb gab die Seniorin ihm ein Zimmer in ihrer Wohnung am Harthof. „In der Dientzenhoferstraße habe ich mein ganzes Leben verbracht. In meiner Kindheit waren wir hier sogar zu sechs.“ Tür an Tür lebte sie seit 2009 dann mit Dieter R. Sechs Jahre lang, ohne dass er je einen Cent zahlen musste. Diese Barmherzigkeit hat Gisela R. aber beinahe mit dem Leben bezahlt!

Tatort Dientzenhoferstraße.

Denn Dieter R. wurde Alkoholiker und gewalttätig. Bei einem schweren Sturz brach er sich 2014 den Schädel. „Als er aus der Klinik zurückkam, erkannte ich ihm kaum wieder. Aus einem braven Mann wurde ein aggressiver Rüpel“, sagt die Seniorin. „Er packte mich am Arm und drohte mir. Einmal hat er versucht, mich umzubringen: Er wollte mich aus dem Fenster im ersten Stock stoßen – das hätte ich nicht überlebt. Ich hatte große Angst, dass ich sterben muss, und ging ihm aus dem Weg.“

Trotzdem zeigte Gisela P. ihren Mitbewohner nicht sofort an. „Ich hatte trotz allem Mitleid mit ihm“, sagt sie. „Er hatte eben Probleme. Ich versuchte, tolerant zu bleiben.“ Erst als Dieter R. sie wieder beschimpft und auch Nachbarn den Vorfall mitbekommen, rückt die Polizei an und nimmt R. fest.

Weil er Gisela P. als „Hure“ bezeichnet haben soll, kam es am Donnerstag zum Prozess am Amtsgericht. Dort überlegte die Seniorin sogar, ihren Strafantrag zurückzuziehen – um Dieter R. zu helfen, damit er nicht verurteilt wird. „In diesem Fall könnten Ihnen die Gerichtskosten auferlegt werden“, erklärte Richter Thomas Müller. Da geriet selbst die Nächstenliebe von Gisela P. an ihre Grenzen.

Sie sagte als Zeugin gegen Dieter R. aus. „Ich war entsetzt und traurig über sein Verhalten“, erinnert sie sich. „Bei mir wohnen kann er leider nicht mehr.“ Vor Gericht hatte Dieter R. Glück: Er erhielt drei Monate auf Bewährung. Und demnächst einen Platz in einem Männerwohnheim.

Andreas Thieme

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