Festival-Flair fast wie früher

Sommer-Tollwood trotz Corona in München: Ein Rundgang und Stimmungsbild

Das Sommer-Tollwood in der Corona-Pandemie - ein Rundgang.
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Das Sommer-Tollwood in der Corona-Pandemie - ein Rundgang.

Am Olympiapark findet wieder das Tollwood statt. Wegen Corona ist das Festival zwar kleiner als sonst – aber viele freuen sich über ein Stück Normalität. Ein Stimmungsbild.

München - Festplatten, Laptops, Bildschirme, Staubsauger, eine Waschmaschine: Am Eingang erwartet die Tollwood-Besucher in München* erst einmal eine Unmenge an Elektrogeräten. Der „Wertgigant“ – ein riesiger Elektroschrott-Roboter des Objektkünstlers HA Schult – begrüßt die Gäste, während sie auf ihren Corona-Test warten oder beim Einlass anstehen. Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Kunst und Kultur – der Charakter des Tollwoods bleibt, auch wenn es dieses Jahr corona-bedingt etwas anders ist als in den Jahren zuvor.

Tollwood-Festival trotz Corona in München: Ein Stimmungsbild

Beim Schlendern über das Gelände am Olympiapark* gilt Maskenpflicht, die Zahl der Besucher ist beschränkt und das Festival ist viel kleiner als üblich. „Die Stände sind auf ein Drittel reduziert“, sagt Sprecherin Christiane Stenzel. Auch die großen Musik-Events sind nicht möglich, ein paar kleinere Konzerte im Freien finden aber statt.

+++ Lesen Sie auch, was unser Kolumnist Flaucherfranzl vom Sommer-Tollwood hält - nämlich nichts.* +++

Trotzdem: „Das Tollwood ist ein Stückchen Normalität“, findet Besucher Michael Bäuerle (48), während sein dreijähriger Sohn Carl ein großes buntes Bild entdeckt, dessen Einzelteile sich drehen lassen. „Er hat viel Spaß hier“, sagt Bäuerle. Der Bub ist schon auf Figuren geklettert und hat den Barfußpfad getestet.

Sommer-Tollwood in München: Ein Rundgang mit Maske

Die Stimmung ist locker, aufwendig verkleidete Stelzenläufer tanzen über das Gelände, und es duftet nach Gerichten aus aller Welt. Verena Kriegl gönnt sich ein ungarisches Lángos. „Es ist sehr entspannt und ruhig hier“, sagt die 36-Jährige. „Das finde ich sehr angenehm.“ Zelte gibt es heuer nicht, dafür Biergärten und andere Sitzgelegenheiten im Freien. „Dieses Jahr ist es entzerrter“, findet auch Beatrice Sorg (28), die mit ihrer Freundin Lisa Reichensberger (25) über das Tollwood schlendert. „Es ist schön, dass mal wieder was los ist“, findet diese. Die Münchnerinnen wohnen beide in der Nähe – da bietet sich ein Besuch natürlich an.

Hoch in den Lüften tanzen sie über das Gelände: Aufwändig verkleidete Stelzenläufer und weitere Performance-Künstler sind auf dem Tollwood unterwegs. Auch kleinere Konzerte finden statt, große Events aber nicht

Tamara Bosanac dagegen ist extra aus Kroatien angereist. Seit sechs Jahren verkauft die 28-Jährige an einem Stand Crêpes. Die ersten Jahre ihrer Kindheit hat sie in München verbracht – jetzt freut sie sich, für einige Zeit wieder zurück zu sein. „Hier trifft man immer viele Leute“, erzählt sie. „Zum Glück war die Reise nach Deutschland kein Problem.“

Internationales Flair gehört zum Tollwood dazu. Im bunten Stand von Jose Pajares Alva ertönt leise Musik. Mit seiner Flöte stimmt er eine Melodie der Indio-Kultur an. Der 60-Jährige stammt ursprünglich aus Peru und verkauft schon seit über 20 Jahren auf dem Tollwood Kunstwerke, Traumfänger, Instrumente, Schmuck und viele weitere Produkte aus seiner Heimat. Normalerweise ist er auf mehreren Märkten unterwegs, während der Pandemie hat er einen Online-Shop eingerichtet. „Ich freue mich auch für meine Lieferanten in Südamerika, dass es wieder besser geht“, sagt er. Viele seiner Waren werden von Familien in Handarbeit hergestellt. „Sie haben auch sehr gelitten“, berichtet er. Die gute Laune hat er trotzdem nicht verloren. Er zeigt eine Rassel, die aus einer getrockneten Frucht hergestellt wurde und mit einem Muster verziert ist. „Die Symbole bedeuten Harmonie und Fröhlichkeit“, sagt er. „Ich will hier Freude bringen und freue mich über alle Gespräche.“ Und dazu sei dieses Jahr sogar mehr Gelegenheit, wenn weniger Besucher auf dem Tollwood sind.

Für den Einlass

ist ein negativer Corona-Test Pflicht. Es gibt eine Teststation vor Ort, dort kann es aber zu Wartezeiten kommen. Wer nachweisen kann, dass er vollständig geimpft oder genesen ist, ist von der Testpflicht ausgenommen. Die Kontaktdaten werden erfasst. Wichtig: Die Besucherzahlen sind beschränkt. Auf www.tollwood.de zeigt eine Ampel an, wie viel gerade los ist.

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