Bürger fordern U-Bahn-Tangente

Neue U-Bahn- oder Tram-Verbindung für den Münchner Norden?

U-Bahn gegen Tram: Die MVG plant im Münchner Norden mit beiden Verkehrsmitteln, die U 26 könnte aber erst am Sankt Nimmerleinstag kommen. Das will eine Bürgerinitiative verhindern – sie will, dass die Stadt nur auf die U-Bahn setzt.

Die Bevölkerung im Norden der Stadt wächst rasant, die Verkehrsplanung aber tritt auf der Stelle. Der Meinung ist eine Bürgerinitiative – sie fordert vehement den Bau der U26 zwischen den Stationen Am Hart und Kieferngarten. MVG, SPD und Grüne glauben aber, dass eine Tram im Norden reicht.

München - Neben der Wohnungsnot sind verstopfte Straßen und mangelnde Kapazitäten beim Öffentlichen Nahverkehr das Hauptproblem in München. Die Alternativen sind klar: Der Bau von U-Bahnen ist effektiv, dauert aber. Bei der Tram geht es schneller, Busverbindungen sind noch zügiger zu realisieren. Konflikte in der Politik und mit den Bürgern sind da unausweichlich. In Milbertshofen/Am Hart kündigt sich Ärger an. Fünf Siedlervereinigungen, die 1300 Unterschriften gesammelt haben, halten die geplanten Straßenbahn-Verbindungen für „absolut ungeeignet, um das künftige Verkehrsaufkommen im Münchner Norden bewältigen zu können“. Unterstützung erfahren die Siedler von den Bezirksausschüssen Milbertshofen-Am Hart und Schwabing-Freimann.

Der Stadtrat hatte vor gut zwei Jahren beschlossen, die Planungen zur Tram 24 vom U-Bahnhof Kieferngarten zum U-Bahnhof Am Hart voranzutreiben. Gleichzeitig soll die Tram 23 von der bisherigen Endstation Parkstadt Schwabing bis zum Kieferngarten verlängert werden. Ungeachtet dessen will die Stadt auch das Projekt U 26 weiterverfolgen – in Zusammenhang mit der neuen, zentralen Entlastungsstrecke U 9 von der Implerstraße über den Hauptbahnhof zur Münchner Freiheit.

Die Station Am Hart. Fährt hier irgendwann die U26?

Der Norden braucht eine bessere Anbindung

Klar ist: Aufgrund des neuen Wohngebiets Bayernkaserne, der Expansion von BMW am Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) oder auch zur besseren Anbindung des Euro-Industrieparks bedarf es neuer Verbindungsstränge. Die Tram ist nach Meinung der Siedlervereinigung Am Hart aber der falsche Weg. Deren Vorsitzender Stephan Kubala sagt: „Das Chaos ist vorprogrammiert.“ Statt einer Tram 24 solle zunächst eine Buslinie die U-Bahnstationen Kieferngarten und Am Hart verbinden – und dann möglichst bald die U26. Der Bezirksausschuss Milbertshofen-Am Hart unterstützt die Forderung der fünf Siedlervereinigungen. „Wenn unsere Beschlüsse schon keinen Einfluss auf den Stadtrat haben“, sagt Thomas Schwed (CSU), Sprecher des Unterausschusses für Verkehr, „vielleicht haben es ja die der Bürger.“

SPD und Grüne: „Brauchen die Tram unbedingt“

Bei der Stadtrats-CSU könnte der Protest auf offene Ohren stoßen. Der verkehrspolitische Sprecher Richard Quaas erklärt: „Ich teile die Ansicht, dass man auf die Tram verzichten könnte – sollte das Projekt U26 zügig realisiert werden.“ Die Trasse wäre eine „ausgesprochen zukunftsträchtige und nützliche Verbindung“, sagt Quaas – auch unter dem Aspekt, dass es dann einen direkten Ast vom Hauptbahnhof zur Allianz Arena geben würde. SPD und Grüne sehen das anders: „Wir brauchen die Tram unbedingt“, beteuern Heide Rieke (SPD) und Paul Bickelbacher (Grüne). Allein schon wegen des neuen Wohngebiets in der Bayernkaserne sei eine zügige Erschließung notwendig. „Die U-Bahn in einem adäquaten Zeitraum zu planen, ist utopisch“, sagt Rieke. Dies könne parallel weiterbetrieben werden, wobei die planungspolitische Sprecherin der SPD ebenso wie Bickelbacher darauf verweist, dass die Wirtschaftlichkeitsprognose für die U26 schlecht sei. Siedler-Chef Kubala bezeichnet diese vom Planungsreferat angefertigte Studie indes als „dubios“.

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MVG: Tram passt besser als U-Bahn

Für MVG-Sprecher Matthias Korte steht unterdessen fest: „Zur Anbindung der neuen Quartiere ist die Tram das passende Verkehrsmittel. Sie weist anders als bisher die U26 einen positiven Nutzen-Kosten-Faktor auf.“ Korte verweist darauf, dass die U-Bahn maximal zwei Zwischenbahnhöfe hätte, die Tram aber etwa acht Haltestellen. Die Kritik der Siedler, eine Tram lasse die Heidemannstraße zur Staufalle werden, kann die MVG nicht nachvollziehen: „Die Planung wird so erstellt, dass die Leistungsfähigkeit für alle Verkehrsteilnehmer, auch für den Autoverkehr, gewährleistet ist“, versichert Korte. Im Übrigen würde auch ein Bus nicht ohne separate Fahrspuren auskommen, wenn er attraktiv sein soll, betont der MVG-Sprecher.

Neuer Bus zum Euro-Industriepark

Ab September 2017 gibt es Korte zufolge eine neue Buslinie von der U2 (vermutlich ab Bahnhof Frankfurter Ring) durch den Euro-Industriepark zum Kieferngarten. Dies sei aber keine „Zwischenlösung für die Tram“, sondern diene der Erschließung des Euro-Industrieparks, der bisher von keiner Linie bedient wird. Geplant ist ein 20-Minuten-Takt. Bei der Tram 23/24 ist das Ziel der MVG, spätestens in einem Jahr die Variantenauswahl abgeschlossen zu haben. Erst dann könnten Angaben zu Kosten und Realisierungszeitpunkt gemacht werden.

KLaus Vick und Caspar von Au

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