Geschäftsführerin verspricht Abhilfe

Von barrierefrei keine Spur: Olympiapark als Hindernisparcours

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Mehr Kraftakt als Ausflug: Rollstuhlfahrer Michael Dörrich und seine Begleiterin Nina Schneider (oben) haben den Olympiapark auf Barrierefreiheit getestet und viele Mängel festgestellt.

Kopfsteinpflaster, Bordsteine, weite Wege: Für Rollstuhlfahrer gestaltet sich ein Konzertbesuch im Olympiastadion oder ein Spaziergang durch den Olympiapark nicht gerade als entspannter Ausflug. Geschäftsführerin Marion Schöne verspricht Besserung.

Mit ihrem ganzen Körper stemmt sich Nina Schneider gegen den Rollstuhl, während sie ihn vorsichtig nach hinten kippt. Schweißperlen rinnen ihr über die Stirn. Michael Dörrich hilft mit den Händen mit, so gut es geht. Es erfordert viel Kraft, Dörrich auf die Rampe neben der Treppe zu hieven, die den Parkplatz mit dem Weg zum Olympiastadion verbindet.

Dabei passt es am Block 9 der sogenannten Parkharfe, wo sich ein Teil der Behindertenparkplätze des Olympiaparks befindet, eigentlich so weit, sagt Dörrich. Der Behindertenbeauftragte des Bezirksausschusses Milbertshofen – Am Hart (BA 11) ist selbst querschnittsgelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen. Mithilfe seiner Assistentin kann er die Rampe bewältigen. Nur der Bordstein könnte etwas niedriger sein und ein Handlauf an der Rampe würde helfen.

Den Parkautomaten an der Parkharfe umgibt ein Bordstein.

An anderen Stellen ist der Olympiapark sehr viel weniger behindertengerecht gestaltet. Das gibt Geschäftsführerin Marion Schöne offen zu: „Es ist nicht optimal, das ist völlig klar.“ Aber man wolle auf gar keinen Fall jemanden ausschließen. „Wir nehmen uns der Sache an“, verspricht sie.

Störende Kleinigkeiten

Oft sind das Kleinigkeiten, die Gehenden ohne Weiteres nicht auffallen würden. Der Parkautomat am Eingang der Parkharfe ist rundum von einem hohen Bordstein umgeben, aus Sicht eines Rollstuhlfahrers steht er regelrecht auf einem Sockel. Für Dörrich unerreichbar, der darauf angewiesen ist, dass ihm ein Parkwächter die Schranke auch ohne entwertetes Ticket öffnet. Man müsse stets im Kopf haben: „Aufzüge und Rampen sind die Beine eines Rollifahrers“, sagt Dörrichs Assistentin Nina Schneider.

Am Südende des Parkplatzes, am Block 1, befinden sich zwanzig weitere ausgewiesene Behindertenparkplätze. Von dort ist der Weg zum „Kleinen Marathontor“ wesentlich kürzer, wo Rollstuhlfahrer über eine Rampe ins Olympiastadion gelangen. Allerdings sind die Parkplätze mit Kopfsteinen gepflastert – kein optimaler Untergrund zum Ein- und Aussteigen für Rollstuhlfahrer. „Jede kleine Bodenwelle stellt ein Hindernis dar“, sagt Schneider.

Der Sonderparkplatz ist kopfsteingepflastert. 

„Das war uns so nicht bewusst“, sagt Schöne. Sie würde gerne die Parkplätze mit einem besseren Bodenbelag versehen, aber: „Vorher müssen wir uns noch mal mit dem Denkmalschutz absprechen.“ Häufig lassen sich bauliche Maßnahmen nicht umsetzen, weil sie das historische Gesamtbild des Olympiaparks von 1972 zerstören würden. Damals, als der Park erbaut wurde, haben die Architekten die Barrierefreiheit nur bedingt mitgedacht. Heute ergibt sich daraus eine „verzwickte Situation“ mit vielen Interessenskonflikten, wie Schöne sie nennt.

„Es ist schade“, sagt Dörrich, „denn vieles könnte man ohne viel Aufwand verbessern.“ Zum Beispiel gebe es am Stadion einige Parkplätze direkt vor dem Eingang für Schwerbehinderte. Doch die Plätze seien für die Produktion bei Veranstaltungen vorgesehen. Man könne zwar mit den Veranstaltern im Einzelfall klären, ob Besucher mit Behindertenausweis dort vorfahren dürften – aber da habe man „eher schlechte Karten“, glaubt die Olympiapark-Chefin. Bis 2019 solle im Stadion eine Rampe fertiggestellt werden. Die sei zwar für die paralympischen Athleten des Stützpunkts vorgesehen, aber die Besucher mit Behinderung könnten sie ebenfalls nutzen.

Parkplatz-Frust

Auch am Parkdeck beim Olympiaturm ist die Situation für Rollstuhlfahrer verbesserungsbedürftig. Die Markierung der ausgewiesenen und kostenfreien Behindertenparkplätze vor der Schranke ist verblasst. Ständig gebe es hier Falschparker, ärgert sich Dörrich, und niemand kümmere sich darum, dass sie abgeschleppt werden. „Lieber zahle ich Geld für den Parkplatz und weiß, dass die Plätze frei sind.“ Schöne sagt, das Problem am Parkdeck sei sicherlich lösbar.

Schwimmen fällt aus

Komplett ausgeschlossen sind Gehbehinderte derzeit von der Olympia-Schwimmhalle – und das wird wohl noch eine Weile so bleiben. Denn während die Halle umgebaut wird, führt nur eine Treppe hinunter zu den Schwimmbecken. Sobald die Sanierung abgeschlossen ist, kommen wieder Behindertenparkplätze unmittelbar vor die Schwimmhalle. „Wir hoffen, dass sie 2019 fertig ist“, sagt Schöne, „es könnte aber auch 2020 werden.“

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Das größte Problem sind die weiten Wege zwischen Behindertenparkplatz und Ziel, die nicht mit dem Blick eines Rollstuhlfahrers gestaltet wurden. Nicht selten wird ein Spaziergang zum Abenteuer. Nina Schneider schiebt Dörrich vom Theatron am Ufer des Sees aus in Richtung Olympiastadion. Die beiden kämpfen, doch am Hügel zum Stadion verzweifeln sie fast. „Das ist unmöglich hier mit dem Kopfsteinpflaster und der Steigung“, sagt die Assistentin. „Wie soll er das alleine schaffen?“ Das wäre schlicht unmöglich. Zusätzlich erschweren Kabel, die für eine Open-Air-Veranstaltungen quer über den Wegen liegen, das Vorankommen.

Olympiapark-Chefin Marion Schöne (re.) verspricht Abhilfe.

Man könnte, schlägt Dörrich vor, am Wegesrand einen Streifen asphaltieren und ein Geländer anbringen. Das würde die Sache für Rollstuhlfahrer einfacher machen. Allerdings müsste ein solcher Eingriff in den Olympiapark ebenfalls mit dem Denkmalschutz abgesprochen werden, gibt Schöne zu bedenken.

Runder Tisch geplant

Die Olympiapark-Chefin plant einen runden Tisch zum „Gesamtkonzept Barrierefreiheit“. Da sei es sehr gut, einige konkrete Punkte zu haben, mit denen die Verantwortlichen arbeiten können.

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