Millencolin in der Muffathalle: Die Konzert-Kritik

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Millencolin (Archivfoto) spielten am Montag in der Muffathalle

München - Schade eigentlich. Millencolin spielten in der Muffathalle noch einmal alle Songs ihres wahrscheinlich besten Albums "Pennybridge Pioneers". Warum das Konzert trotzdem nicht zündete:

So also muss es sich anfühlen, wenn man seinen Hund erschießt. Wenn man wie im Western seine doppelläufige Schrotflinte lädt und zur harrenden Familie sagt: "Der alte Rusty und ich haben noch was zu erledigen". Wenn man ein Kapitel abschließt, das einem viel bedeutet hat. Und eigentlich immer noch bedeutet. So wie Millencolin.

Die schwedischen Skatepunker spielten am Montag in der Münchner Muffathalle, und es war ein trauriger Abschied. Die Band spielte alle Songs ihres legendören Albums "Pennybridge Pioneers", aber irgendwie hatte das Konzert die Anmutung von Punk für Stuerfachangestellte. Es hätte keiner dumm geschaut, wenn Phillipp Rösler mit einem Tote-Hosen T-Shirt aufgetaucht wäre.

Die Posen der Band affektiert, die Sprüche freundlich. Es wurde gepogt. Becher flogen, aber...

War das die Musik, die einem eingeredet hat, man würde rebellieren? Millencolins "Life on a Plate", Rage Against The Machine und NOFX hatten Generationen über die Pubertät gebracht. Und während Rage Against The Machine den Anstand hatten, in der Versenkung zu verschwinden, blieben NOFX NOFX. Immer noch verströmen sie neben Bierausdünstungen den Hauch von "F**k off". Irgendwie sind ihre Konzerte gefährlich, wild, betrunken und man kann danach seine Schuhe wegwerfen. Millencolin sind nichts dergleichen. Sie sind solide, nett und Bausparer - zumindest wirken sie so. Sie sind wie der Skatepionier Rodney Mullen: Hochgradig talentiert, begnadet, gezähmt. Aber eigentlich will man auf einem Konzert noch einmal 16 sein und wild.

Das Bittere war an diesem Abend, dass einem Millencolin aufgezeigt haben, genau das nicht mehr zu sein. Komm Rusty.

mamü

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