Millionär schenkt Münchner Kindln eine Zukunft

+
Aylin (14) bekommt Geigenunterricht, rechts Roland Berger

München - Die eigenen Talente optimal nutzen – Roland Berger hat vorgelebt, wie man das schafft. Jetzt schenkt er Münchner Kindln mit seiner Stiftung eine Zukunft.

Schon im Studium baute er eine Wäscherei mit 15 Mitarbeitern auf, sein Kaufmannsdiplom nahm er als Jahrgangsbester in Empfang. Heute gilt der 74-Jährige als Ikone des Wirtschaftswunders, der eine Unternehmens­beratung von Weltruf gegründet hat. Aber mit seinem vielleicht wichtigsten Job hat Berger erst begonnen: Er fördert Schüler, die sonst keine Chance hätten, ihre Stärken zu entfalten. Von seiner Stiftung (Kapital: 50 Millionen Euro) profitieren nun auch 50 Münchner Kindl.

„Unserer Gesellschaft gehen noch immer viel zu viele Talente verloren“, sagt Berger der tz. „Dass die soziale Herkunft maßgeblich über den Bildungserfolg eines jungen Menschen entscheidet, ist inakzeptabel.“ Hier springt die Roland Berger Stiftung in die Bresche: Sie vergibt Stipendien mit dem Ziel, Schüler bis zum Abi oder sogar ins Studium hinein zu begleiten. „Jeder Stipendiat bekommt einen individuellen Förderplan, der ihn in zehn Lernbereichen unterstützt“, erklärt Stiftungsvorstand Regina Pötke. „Besonders wichtig ist uns die persönliche Betreuung durch ehrenamtliche Mentoren. Das sind Erwachsene zwischen 25 und 80 Jahren, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.“

„Auch in München wächst der Bedarf an solchen Angeboten“, weiß Pötke. Deshalb hat die Stiftung ein Sonderprogramm gestartet. Noch bis 22. Dezember können sich begabte Münchner Kindl um ein Stipendium bewerben – wie das genau geht, erfahren Schüler oder ihre Lehrer unter www.rolandbergerstiftung.org.

Severin (14) ist bereits dabei. Er hat mit 80 Schülern das Musical Der Zauberer von Oss einstudiert: „Wir sind im Gärtnerplatz-Theater aufgetreten, hatten sogar ein Gastspiel in Berlin. Das war cool.“

Die gleichaltrige Aylin träumt von einer tollen beruflichen Zukunft. „Ich will Moderatorin werden.“ Bei einem Seminar lernte sie, wie man sich gut präsentiert, im Workshop beim BR bekam sie Tipps von den Profis. Mit Severin und weiteren Stipendiaten erarbeitete sich Aylin ihre erste eigene Radiosendung. „Alle Eltern waren sehr stolz“, berichtet Stiftungsvorstand Pötke. Das können sie auch sein. Denn sie haben ihren Kindern etwas viel Wertvolleres mitgegeben als Geld: Charakter und Talent.

Andreas Beez

Die familiären Hintergründe

Für ­jeden Schüler gibt die Roland-Berger-Stiftung pro Jahr 14 000 Euro aus. Die Statistik zeigt, dass die geförderten Kinder und Jugendlichen aus unterschiedlichsten Familienverhältnissen stammen:

Herkunft: 56 Prozent der Kinder sind Inländer, 44 Prozent haben einen Migrationshintergrund.

Geschlecht: 54 Prozent der 400 Stipendiaten sind Mädchen.

Bildung: 25 Prozent besuchen die Grundschule, vier Prozent gehen auf eine Hauptschule, zehn Prozent auf eine Gesamtschule, zehn Prozent auf eine Mittel-, Regel- oder Realschule, ein Prozent sind Berufsoberschüler, 50 Prozent Gymnasiasten.

Familie: 63 Prozent sind Kinder von Alleinerziehenden, 28 Prozent leben bei ihren Eltern, vier Prozent bei den Großeltern. fünf Prozent wachsen in staatlichen Pflegeeinrichtungen auf.

Beruf der Eltern: 65 Prozent haben sich arbeitslos gemeldet, 31 Prozent sind Arbeiter oder Angestellte ohne einen Hochschulabschluss, vier Prozent Akademiker.

auch interessant

Meistgelesen

Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Zuhälter-Schorsch: Muss er jetzt für immer hinter Gitter?
Zuhälter-Schorsch: Muss er jetzt für immer hinter Gitter?
So soll der Express zum Flughafen doch vor 2037 gelingen
So soll der Express zum Flughafen doch vor 2037 gelingen

Kommentare