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Millionen-Erbe in München: Was passiert, wenn die Familie plötzlich leer ausgeht - „Steuervorteil, wenn...“

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Von: Andreas Thieme

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Illustration Weihnachtsgeld
Beim Erbe geht es oft um viel Geld - in München teilweise Millionen. © Jens Kalaene/dpa

Den Nachlass kriegt der Ehepartner oder die Kinder – so regeln die meisten Menschen ihr Testament. Doch nicht immer ist es gewünscht, dass die eigene Familie erbt. Wer sich dafür entscheidet, muss einige Regeln beachten, denn das Erbrecht ist kompliziert. Fachanwalt Prof. Wolfgang Böh gibt wichtige Tipps.

München - In immer mehr Situationen geht es bei Erbfällen darum, dass Vermögen an Personen vererbt wird, die keine Familienmitglieder sind. Einerseits sterben viele Menschen ohne Angehörige, andererseits besteht in Familien Streit und Erblasser möchten vermeiden, dass das Erbe an die Familie geht. „In beiden Konstellationen sind Punkte zu beachten, damit das Erbe konfliktfrei abgewickelt werden kann“, sagt Fachanwalt Prof. Dr. Wolfgang Böh. Er gibt wichtige Tipps zum Erbe.

▶ Tipp 1: Da Erben außerhalb der Familie häufig keinen Einblick in den Nachlass haben, ist es sinnvoll, einen Rechtsanwalt als Testamentsvollstrecker im Testament einzusetzen, damit dieser den Erbfall abwickelt und streitvermeidend tätig wird.

▶ Tipp 2: Erben außerhalb der Familie haben einen geringen Steuerfreibetrag. Steuerfrei sind lediglich 20 000 Euro. Ein Steuervorteil lässt sich erzielen, wenn an mehrere Personen vererbt wird. Möchte man das Erbe an den Nachbarn geben, weil dieser sich zeitlebens um einen kümmert, dann könnten an den Nachbarn, seine Frau und seine Kinder je 20 000Euro steuerfrei vererbt werden.

München: Wenn Freunde statt die Familie erben sollen - Rechtsanwalt gibt praktische Tipps

▶ Tipp 3: In jedem Fall ist ein anwaltlich beratenes Testament sinnvoll, kombiniert mit einer Beratung zur Vorsorgevollmacht. Ebenfalls in diesen Vorsorgekontext gehört die Prüfung, ob die außenstehenden Erbanwärter sich etwa zu lebzeitigen Gegenleistungen bzw. Vorleistungen verpflichten, insbesondere zur Pflege des Erblassers.

▶ Tipp 4: Zu beachten ist, wenn noch nahe Angehörige existieren, dass diesen möglicherweise ein Pflichtteilsanspruch zusteht. Dieser beträgt quotal 50 Prozent des gesetzlichen Erbrechts. Gerade bei der Vererbung an Außenstehende kann dieser Pflichtteilsanspruch erheblich sein. Dieser Anspruch kann im Einzelfall dadurch geschmälert werden, dass lebzeitig bereits an die Erbanwärter verschenkt wird.

▶ Tipp 5: Selbst wenn eine intakte Familie besteht, sollte das Thema mit in der Erbfolgeplanung beachtet werden, da es leider geschehen kann, dass die nahen Familienangehörigen vorversterben. Im Testament sollten deshalb insbesondere Regelungen zur Ersatzerbfolge nicht unterschätzt werden, die regeln, wer als Erbe eintritt, soweit der eigentliche Erbe vor dem Erbfall wegfällt. Abgemildert gelten diese Fragestellungen auch, wenn in einer nicht ehelichen Lebensgemeinschaft vererbt werden soll. Diese beinhaltet dieselben steuerlichen Nachteile und die Notwendigkeit, ein Testament aktiv zu gestalten.

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