645 Millionen Passagiere! Bus & Bahn am Anschlag

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Sicher, dieses Bild zeigt ein Extrembeispiel. Aber: Auch ohne Großereignisse wie Fußballspiele ist das Gedränge in der U-Bahn oft groß.

München - Zurück bleiben, bitte“, heißt es vor der Abfahrt der U-Bahn. Doch wenn das so weitergeht, wird das bald das Motto des gesamten Nahverkehrs in der Stadt des Wachstums: Bleiben Sie weg, wir sind voll!

Genau 645 222 123 Passagiere verbuchte der Münchner Verkehrsverbund MVV im vergangenen Jahr. So viele Menschen stiegen noch nie in S-Bahn, U-Bahn, Bus und Tram und Tram – Rekord zum 40. Jubiläum! Von den 645 Millionen Fahrten entfielen allein 522 Millionen auf die Münchner Verkehrsgesellschaft MVG, die in der Stadt U-Bahn, Bus und Tram anbietet. Das sind noch einmal zehn Millionen mehr Passagiere als im Vorjahr! MVG-Chef Herbert König stöhnt: „Wir werden quasi vom eigenen Erfolg überrollt.“ Am stärksten war der Anstieg bei der U-Bahn, aber das konnte sich eigentlich jeder Münchner denken, der in der Früh im Zentrum unterirdisch fährt. Gerade dort sei der Andrang am stärksten gewachsen, meldet die MVG: „In einigen Abschnitten wurde und wird die Leistungsgrenze teilweise bereits erreicht.“ Jüngst verteilte der MVG-Boss gar Rosen, um sich für Verspätungen infolge des Serienschadens zu entschuldigen (tz berichtete).

Alkohol-Party in der S-Bahn - Bilder der Protestaktion

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Nur Pech? Die Verstopfung sei schon auch selbst verschuldet, kritisiert die Aktion Münchner Fahrgäste. Denn obwohl die Zahl der Passagiere um zwei Prozent steigt, soll das Angebot nur um 1,7 Prozent wachsen.

Auch die CSU ärgert sich. Rosen verteilen sei zwar nett, aber wenig effizient. Der MVG-Chef soll lieber den Ausbau von U4/5 nach Pasing und Englschalking vorantreiben. Dringend entlastet werden müsste auch die ständig überfüllte Nord-Süd-Strecke von U3/6.

Schneller könne es auch auf bestehenden Strecken zugehen, sagt CSU-Stadtrat Georg Kronawitter, wenn die Fahrgäste schneller ein- und aussteigen. Dafür bräuchte es aber ein Leitsystem für die Passagiere. „Wir fertigen die Züge noch wie vor 40 Jahren ab“, sagt Kronawitter. Dabei gäbe es längst Lichterketten für den Bahnsteigboden, die anzeigen, wo sich beim nächsten Zug die Türen befinden. Dann können sich die Passagiere schon anstellen.

Mehr Bilder von der S-Bahn-Party

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Die MVG verweist dagegen auf die Premiere des dichteren Taktes: Bislang kommt die U-Bahn höchstens alle zweieinhalb Minuten, den Zwei-Minuten-Takt soll es ab 2014 geben – aber nur entweder auf U2 oder U6 im Zentrum. Dazu fahre seit Dezember die Verstärkerlinie U7.

Auch SPD-Fraktionschef Alexander Reissl sieht Handlungsbedarf und hatte mit Rot-Grün selbst eine neue Linie ins Gespräch gebracht – die U9 von Implerstraße über Theresienwiese, Hauptbahnhof direkt zur Münchner Freiheit. MVG und Stadt treffe daran die geringste Schuld. Grundsätzlich hänge der Ausbau an der Finanzierung vor allem des Bundes. Doch dessen Töpfe sind leer. Die zweite Stammstrecke lässt grüßen.

David Costanzo

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