Millionen-Prachtdach für Gärtnerplatz-Theater

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So soll das Kuppeldach des künftigen Probesaals aussehen. Die Fassade des Neubaus links wird geändert. Statt einer durchgehenden glänzenden Wand ist nun eine Lochfassade geplant

München - Das 1865 erbaute Staatstheater am Gärtnerplatz steht vor der größten Umbaumaßnahme seiner Geschichte: Es soll für über 70 Millionen Euro ­saniert werden.

Fachfirmen wechseln die veraltete Technik aus und bauen im Innenhof einen Proberaum für das Ensemble der Bühne. Dessen Dach wird in Form einer architektonisch aufwändigen ­Kuppel errichtet, die Aufsehen erregen könnte. Doch der Blick auf das Pracht-Dach im Innenhof bleibt ein exklusives Vergnügen: Vor allem die Bewohner einer neuen Luxus-Wohnanlage an der Reichenbachstraße werden diese Aussicht genießen können.

Verschachtelte Gänge, mangelnder Brandschutz, ineffiziente Lüftungstechnik, veraltete Installationen und Sanitäreinrichtungen – die Mängelliste des im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigten und danach wieder aufgebauten Staatstheaters ist lang – und das, obwohl es in den letzten 50 Jahren immer wieder verändert wurde. Wichtigstes Ziel ist jetzt der Einbau einer Probebühne. Derzeit muss das Ensemble in einem gemieteten Saal in der Harthauserstraße in Harlaching proben. Für den Umbau wird das grüne Haus an der Klenzestraße 35 abgerissen, auch die Bauten im Innenhof kommen weg und werden durch den Neubau ersetzt. Am Hauptgebäude sollen einige zugemauerte Fenster geöffnet werden, um sich wieder dem Originalzustand aus dem Jahre 1864 anzunähern.

Auf dem neuen Probesaal im Innenhof ist ein aufwändiges Kuppeldach geplant, das sich wie eine Muschel-Skulptur aus Glasflächen und Metallpaneelen aufbaut. Ein spektakulärer Entwurf, den allerdings nur die Nachbarschaft des Theaters zu Gesicht bekommen wird. Auch ansonsten macht man sich große Mühe, um den Nachbarn den Anblick zu verschönern: „Der im Bestand für die Nachbarn unbefriedigende Zustand des Innenhofes wurde im Zuge der Planung dahingehend überarbeitet, dass die gestaffelte Dachlandschaft im Hof zur Klenzestr. 37 in regelmäßig ausgebildeten Stufen etagenweise zurückspringt“, heißt es in der Projektbeschreibung. Auch der Innenhof zur Reichenbachstraße 18 soll „eine qualitative Aufwertung“ erfahren. Die Dachflächen sollen begrünt werden. Das stelle „nicht nur optisch eine Angleichung an die jüngsten Ergänzungsbauten im Innenbereich der Blockbebauung dar“, heißt es.

Hauptnutznießer dieser Neugestaltung werden tatsächlich die Bewohner der 2009 eröffneten Town Residence am Gärtnerplatztheater im benachbarten Innenhof an der Reichenbachstraße sein. Dort hat man künftig von den Dachterrassen der bis zu 215 Quadratmeter großen Penthouse-Wohnungen einen Panoramablick auf das neue Kuppeldach. Andere Steuerzahler, also wir alle, schauen in die Röhre – sehen werden wir das Schmuckstück nicht.

Der vom Landtag genehmigte 70 Millionen Euro teure Theater-Umbau war umstritten. So schimpfte etwa der oberfränkische CSU-Abgeordnete Alexander König über „Schicki-Micki-Pläne“. Matthias Hüttenhofer, Geschäftsführender Direktor des Theaters, erklärt das „Aufhübschen“ des Innenhofes so: „Es sollte halt etwas gleichschauen.“ Die oberste Baubehörde im Innenministerium verweist darauf, dass die Form des Proberaumdaches „akustische Hintergründe“ habe. Am Dienstag wird sich die Stadtgestaltungskommission nochmals mit der Gestaltung des Innenhofes befassen.

Johannes Welte

Die Münchner Au: Ein Dorf mitten in der Stadt!

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