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Millionendieb Sven Kittelmann steht ab heute vor Gericht

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Der Millionendieb Sven Kittelmann steht ab heute vor Gericht.
Der Millionendieb Sven Kittelmann steht ab heute vor Gericht. © dpa

München - Ein Jahr, drei Monate und zwei Tage dauerte seine irre Flucht um die halbe Welt.

Vor vier Monaten, an einem Mittwoch im April, klickten die Handschellen: Der Millionendieb Sven Kittelmann (33) ging Zivilfahndern ins Netz. Heute beginnt vor dem Landgericht München II der Prozess gegen den Geldtransportfahrer, der sich laut Anklage mit 4,2 Millionen Euro aus dem Staub gemacht hatte. Wegen Diebstahls in besonders schwerem Fall drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft – Kittelmann hatte bei der Tat seine Dienstpistole dabei. Der Fall Kittelmann im Überblick:

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Die Tat: Am Samstag, den 20. Januar 2007, sind Sven Kittelmann und sein Kollege Udo O. auf dem Weg nach München zu ihrem Arbeitgeber, der Sicherheitsfirma G4S. Sie wollen die Tageseinnahmen mehrerer Großmärkte abliefern. Gegen 19 Uhr steuert Kittelmann den blauen Geldtransporter auf einen stillgelegten Parkplatz an der A 8 bei Sulzemoos (Kreis Dachau). Er leiht sich das Handy seines Beifahrers und überredet O., auszusteigen. Dann braust Kittelmann davon – mit mehr als vier Millionen Euro Beute. O. verständigt 15 Minuten später von einem Bauernhof aus die Polizei. Um 19.40 Uhr findet eine Streife den Transporter mit Kittelmanns Dienstwaffe im Handschuhfach.

Die Beute: Anfangs ist von 3,6 Millionen Euro die Rede, während der Ermittlungen stellt sich heraus, dass knapp 4,2 Millionen Euro im Transporter waren. Vor lauter Hektik vergisst Kittelmann bei der Flucht sogar 100 000 Euro. Bei seiner Festnahme hat der Thüringer 20 000 Euro dabei. Das restliche Geld soll bei einer in München lebenden Georgierin sein. Polizei und Staatsanwaltschaft konnten aber keine Frau ermitteln, auf die die Beschreibung passt.

Die Flucht: Bei einer Kiesgrube nahe der A 8 (Anschlussstelle Dachau/Fürstenfeldbruck) hat Kittelmann seinen Fluchtwagen postiert, einen silbernen Ford Focus Kombi. Er lädt die Beute um und fährt nach Marseille. Dort geht er am 22. Januar an Bord der Tassili II, einer Fähre nach Algerien. Weil der Thüringer aber kein Visum hat, schicken ihn die Zöllner mit dem gleichen Schiff weiter, nächstes Ziel: Alicante (Spanien). Kittelmann schlägt sich nach Madrid durch und fliegt in die Dominikanische Republik. Nach drei Wochen Karibik kehrt er nach Spanien zurück. Dann lässt er sich in Tschechien nieder.

Die Fahndung: 1200 Hinweise gehen bei den Ermittlern ein, eine heiße Spur ist nicht dabei. Auch die Fahndung über die ZDF-Sendung Aktenzeichen XY…ungelöst bringt keinen Durchbruch, die Belohnung steigt von anfangs 5000 auf 75 000 Euro. Ende April findet die Polizei in Marseille das Fluchtauto. Wegen einer Damenstrumpfhose im Handschuhfach nehmen die Ermittler zeitweise an, dass es eine Komplizin gibt. Kittelmann sagt, dass er darin Geld verstauen wollte.

Die Festnahme: Am 23. April wird Kittelmann von Zivilfahndern in einem Interregio-Zug zwischen Nürnberg und Zwickau bei Pegnitz verhaftet. Die Polizisten verlangen routinemäßig seinen Ausweis, Kittelmann zeigt ihn ohne zu zögern. Die Fahnder schauen in den Fahndungscomputer – der Mann mit dem roten Pullover und den langen braunen Haaren ist der gesuchte Millionendieb. Wegen eines Bandscheibenvorfalls war er schon zum zweiten Mal bei einem Arzt in Karlsruhe und wollte wieder zurück nach Tschechien.

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Der Angeklagte: Sven Kittelmann kommt aus Neuhaus am Rennsteig (Thüringen). Er war als Geldbote eineinhalb Jahre in München und zuvor in der G4S-Filiale im thüringischen Sonneberg beschäftigt. Kollegen beschreiben ihn als „Einzelgänger“ und „graue Maus“. Unter der Woche lebte er im Ledigenheim an der Bergmannstraße (Westend). Und an den Wochenenden pendelte der Junggeselle und gelernte Maurer zu seinen Eltern nach Thüringen.

fla.

Quelle: tz

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