Achtköpfige Bande vor Gericht

Millionen-Betrug mit MVV-Tickets

+
Zwei der acht Angeklagten: Es mussten Tische und Stühle in den kleinen Gerichtssaal gestellt werden, sonst hätte der Platz nicht gereicht

München - Eine achtköpfige Bande von Ticketfälschern hat den Münchner Verkehrsverbund (MVV) um mindestens eine Million Euro geprellt. Die tz erklärt, wie ihre dreiste Masche funktionierte.

Wahrscheinlich beträgt der Schaden sogar über drei Millionen! Am Mittwoch standen die Fälscher vor Gericht. Die tz erklärt, wie ihre dreiste Masche funktionierte.

Die Ganoven-Bande: Sechs Türken und zwei aus dem Kosovo stammende Busfahrer fassten Ende 2010 den Plan, jetzt gestanden sie alles – um mit einer geringeren Strafe davonzukommen.

Die Arbeitsteilung: Die Busfahrer Hyzri U. (42) und Uke S. (47), die bei privaten Busunternehmen für den MVV tätig waren, stahlen die Rollen mit dem Fahrkartenpapier, mit denen üblicherweise die Automaten bestückt werden. Für diese Diebstähle, die lange nicht auffielen, erhielten die Fahrer 100 Euro pro Rolle.

Anfertigung & Verkauf: Hasan B. (48) und Aslan C. (45) erstellten die falschen IsarCard-Monatsmarken seit Anfang 2011 mit Hilfe eines Scanners, Computers und Thermodruckers. Diese Tickets, so die Anklage, „vertrieben sie an nicht widerleglich bösgläubige Dritte“. Auf Nicht-Juristen-Deutsch: Die Abnehmer wussten also, dass sie zum günstigen Preis Fälschungen erwarben. Dabei waren Gazi D. (46), Ugur B. (45), Isa E. (33) und Muekremin S. (47) behilflich.

Der Zugriff: Ende Juni 2011 schlug die Bundespolizei nach umfangreichen Ermittlungen zu. 27 Wohnungen und Geschäftsräume wurden durchsucht, dabei konnten die Beamten die gesamte Fälschungsapparatur sowie gefälschte Isar-Cards für Juli im Wert von 33 000 Euro sicherstellen. Es zeichnete sich ein gigantischer Schaden für den MVV ab.

Der Schaden: Den Ermittlungen zufolge brachten die Täter allein im Juni 2011 mindestens 7800 Monatsmarken in Verkehr – mit einem rechnerischen Schaden von 500 760 Euro. Der vermutete Schaden seit Januar 2011 beläuft sich vermutlich auf über drei Millionen. Die Anklage geht zu Gunsten der Angeklagten von rund einer Million aus.

Der Prozess: Das Urteil wird voraussichtlich am Donnerstag verkündet. Wie zu hören war, müssen die beiden Haupttäter Aslan C. und Hasan B. mit rund dreieinhalb Jahren Knast rechnen. Alle anderen Angeklagten kommen voraussichtlich mit Bewährungsstrafen für ihren miesen Betrug davon.

Den Kunden droht Strafe

Wer MVV-Tickets zu einem „besonders günstigen Preis“ angeboten bekommt, muss davon ausgehen, dass diese gefälscht sind! Beate Brennauer vom MVV gibt den dringenden Rat: „Die Fahrkarten immer nur bei den offiziellen Verkaufsstellen oder aus dem Automaten kaufen. Keine Tickets kaufen, die auf der Straße angeboten werden!“

Was passiert wenn man bei einer Kontrolle mit einer gefälschten Karte erwischt wird? Brennauer: „Es werden die Personalien aufgenommen, das erhöhte Beförderungsentgelt verlangt und das Ticket eingezogen. Bei einer Fälschung wird Strafantrag gestellt!“

Eberhard Unfried

auch interessant

Meistgelesen

Mann steht auf A9 und wird von Kleintransporter getötet
Mann steht auf A9 und wird von Kleintransporter getötet
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Zuhälter-Schorsch: Muss er jetzt für immer hinter Gitter?
Zuhälter-Schorsch: Muss er jetzt für immer hinter Gitter?

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion