"Miss Marple" aus Haidhausen

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Die Schauspielerin Joan Hickson als Miss Marple

München - Fast im Alleingang hat Rentnerin Sophia H. (84), die "Miss Marple" aus Haidhausen, einem Betrüger-Trio das Handwerk gelegt - und der Polizei auf dem Tablett präsentiert.

Am Mittwoch klingelt es an der Tür der Rentnerin. Ein Mann steht davor, er hat ein Packerl in der Hand, angeblich für einen Nachbarn. „Er fragte, ob ich einen Zettel habe. Er wollte eine Nachricht schreiben“, erzählt Sophia H. Sie bittet den Mann in die Küche, gibt ihm ein Glas mit Wasser.

Plötzlich sieht die Münchnerin einen Schatten im Flur. „Hallo, wer ist da?“ Ein Mann tritt aus dem Dunkeln. Er behauptet, er müsste ein Paket bei der Post auslösen, dafür bräuchte er ein paar tausend Euro. „Er wollte, dass ich ihm diese leihe. Er behauptete, in dem Paket wären 650 000 Euro. Und ich würde eine Belohnung kriegen.“

Jetzt ist Sophia H. im Bild. „Das sind Ganoven“, denkt sie. Die Rentnerin willigt ein, den Männern 3000 Euro zu geben. „Aber nur zum Schein.“ Sie lässt sich von den Betrügern zu ihrer Commerzbank am Max-Weber-Platz fahren. Dort offenbart sie sich den Mitarbeitern, die sofort eine Polizeistreife alarmieren.

Ausgestattet mit einem Kuvert steigt Sophia H. in ein Taxi, fährt zurück. Eine Polizistin in zivil schleicht sich mit in ihre Wohnung – dann klingelt es schon. Es ist ein Bote (21), der das Geld holen will. Er wird festgenommen. Der junge Mann kommt gleich nach Stadelheim, er sollte sowieso am nächsten Tag eine einjährige Gefängnisstrafe absitzen.

Die anderen Männer (23 und 43) werden in der Nähe festgenommen. Sie sind polizeibekannt. Sophia H. hat die Aufregung gut überstanden. Ihr Rat an ihre Altersgenossen: „Man darf keine Angst vor solchen Leuten haben!“

jam.

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