Nach Missbrauch: Schule kämpft gegen Vergangenheit

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In dieser Schwabinger Schule lehrte der Angeklagte

München - Gerd P., Lehrer an der Waldorfschule in Schwabing, soll zwei Kinder in seinen Haus bei Landsberg begrapscht haben . Ab Montag steht P. vor dem Landgericht Augsburg. Tatvorwurf: sexueller Missbrauch von Kindern in zwei Fällen.

Die Schule steht seit dem Bekanntwerden der Vorwürfe im Juli 2013 unter Schock. Wie geht man in der Leopoldstraße mit dieser dunklen Vergangenheit um? Antwort: Hilfe suchen und Experten hinzuziehen.

„Wir haben ein Krisenteam gebildet, an alle Eltern einen Informationsbrief versendet und angefangen, ein Netzwerk von externen Beratern und Institutionen aufzubauen“, sagt Lehrerin Gisela Meining-Schopf. Die Schule schrieb auch ehemalige Mitschüler an und richtete eine Hotline ein. Das passierte innerhalb der ersten zehn Tage – da war Gerd P. noch auf freiem Fuß, und viele Eltern in Sorge.

Die betroffene Klasse wird später speziell betreut: Eine Fachkraft des Kinderschutzbundes München spricht mehrfach getrennt mit den Buben und Mädchen, eine Lehrerin wird als Vertrauensperson ausgerufen. Den Unterricht von P. übernimmt eine neu eingestellte, erfahrene Waldorf-Lehrerin. Und: Die Klasse wird halbiert, damit jedes Kind verstärkt Aufmerksamkeit erhält.

Es gibt spezielle Elternabende, den Kontakt mit einer Beratungsstelle. Auch die Lehrer sprechen mit Psychologen und bilden sich fort, rekonstruieren den Missbrauch. Ergebnis: Es herrschte ein „gemeinschaftlich blindes Vertrauen in die Schule“. Und: Schon früher gab es gegen den Beschuldigten zwei Hinweise. Er stritt die Fälle ab und kam durch, „weil man sie aufgrund seines Ansehens für unwahrscheinlich hielt“, so Meining-Schopf.

P. hatte den Ruf eines sensiblen und engagierten Pädagogen. Private Treffen mit Schülern waren für ihn nicht ungewöhnlich. Ab Montag befasst sich das Gericht damit.

Andreas Thieme

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