Causa Kreidl: Staatsanwaltschaft will Anklage erheben

Causa Kreidl: Staatsanwaltschaft will Anklage erheben

Mehr als 60 Missbrauchsfälle

Er machte Kindern das Turnen zur Hölle

+
Er versteckte sein Gesicht vor den Kameras: Der Angeklagte Felix S. gestern im Gerichtssaal.

München - Der Prozess wird seit Mittwoch einem 29-jährigen Turntrainer gemacht, der in München drei Buben missbraucht haben soll. Um die Opfer zu schützen, wird hinter verschlossenen Türen verhandelt.

Hinter verschlossenen Türen hat gestern der Prozess gegen einen Turntrainer und Erzieher begonnen, der vier Kinder sexuell missbraucht haben soll. Zum Schutz der Opfer wurde die Öffentlichkeit am ersten Verhandlungstag die meiste Zeit über ausgeschlossen. Der 29-jährige Angeklagte hat die Vorwürfe nach Angaben eines Prozessbeteiligten weitgehend gestanden.

Wie berichtet hat die Staatsanwaltschaft den 29-jährigen Felix S. unter anderem wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Vergewaltigung angeklagt. Insgesamt geht es um mehr als 60 einzelne Übergriffe. Die Ermittler waren Felix S. Anfang dieses Jahres auf die Spur gekommen, nachdem sich ein heute jugendliches Opfer seinen Eltern anvertraut hatte.

Die Taten liegen zum Teil mehr als sieben Jahre zurück. Im Sommer 2005 soll Felix S. begonnen haben, einen damals achtjährigen Buben zu missbrauchen, der bei ihm im Münchner Westen Turnstunden nahm. Mindestens 17 Mal soll sich der Mann an dem Kind vergangen haben – in seiner eigenen Wohnung, im Bett des Opfers, im Geräteraum der Turnhalle und in der Umkleidekabine eines Freibades. Er habe das Kind zu Küssen, Berührungen und Oralverkehr gezwungen, heißt es in der Anklage. Zudem habe er ihm seine Liebe gestanden und es ermahnt, niemandem davon zu erzählen. Als Gegenleistung bekam das Opfer Geschenke.

Bei den Ermittlungen stieß die Polizei auf zwei weitere Turnschüler, die ähnliche Vorwürfe erheben. Die beiden Buben waren zu Beginn des Missbrauchs im Jahr 2011 sieben und neun Jahre alt. In mindestens einem Fall soll Felix S. den Kopf eines Kindes gewaltsam festgehalten haben, als der Bub versuchte, dem Oralverkehr zu entgehen. Tatorte waren erneut die Turnhalle, die Wohnungen des Angeklagten und der Opfer sowie die Umkleidekabine im Olympiabad.

Der eigentliche Beruf des Angeklagten ist Erzieher – und auch bei dieser Arbeit soll er übergriffig geworden sein. Zwischen September 2011 und Anfang dieses Jahres hat er laut Anklage ein Kindergartenkind missbraucht. Der 2007 geborene Bub wurde demnach auf der Toilette des Kindergartens belästigt. Felix S. soll ihm dorthin gefolgt sein, ihn im Intimbereich betrachtet und berührt haben.

Zum gestrigen Prozessauftakt hat Felix S. zu den Vorwürfen Stellung bezogen. Das Gericht hatte jedoch zuvor beschlossen, dass Zuschauer und Presse zum Schutz der Opfer nicht zuhören durften. So will die Kammer verhindern, dass die minderjährigen Opfer durch Nennung von Namen, beteiligten Organisationen und genauen Tatorten identifizierbar werden. Es war lediglich zu vernehmen, dass sich der Angeklagte in den wesentlichen Punkten geständig zeigte. Der Prozess wird am 4. Dezember fortgesetzt.

Ann-Kathrin Gerke

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn: Verkehrslage auf der S7 normalisiert sich
S-Bahn: Verkehrslage auf der S7 normalisiert sich
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Heizkraftwerk Nord sorgt für Zoff im Rathaus
Heizkraftwerk Nord sorgt für Zoff im Rathaus
Münchner kassiert Knöllchen, während er Erste Hilfe leistet
Münchner kassiert Knöllchen, während er Erste Hilfe leistet

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion