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Mister Kuschel rockt die Hütte

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Mit Charme und Leidenschaft: James Blunt.
Mit Charme und Leidenschaft: James Blunt. © dpa

Er ist der Robbie Williams von nebenan. Der Otto-Normal-Superstar, ohne Drogen und Dämonen. James Blunt begeisterte beim Konzert in der ausverkauften Olympiahalle mit allem, was auch Robbie einst berühmt machte.

Feuerzeug-Handybeleuchtungs-Schmachtfetzen für die Seele, bester britischer Pop für den Spaß, Hits im Zehnerpack. Und was seinen Songs gegenüber dem Williams-Frühwerk an absoluter Brillanz fehlt, und ihm selbst an ultimativen Showman-Qualitäten, macht der 34-Jährige mit Charme, Leidenschaft und einem riesengroßen Herz locker wett.

Natürlich ist Blunt für seine Kuschel-Kost berühmt, und die zelebriert er ausführlich. Die Stimmung „High“, die Frauen „Beautiful“ – da sagt keiner „Goodbye My Lover“. Geschätzte 87 Prozent Pärchen-Anteil im Publikum schwelgen im Glück, die halbe Halle singt mit, James Blunt als unwiderstehlicher Schmus Operator. Bisweilen übertreibt es der Engländer gar, nach einem traurigen Lied wird’s mit dem Kosovo-Song „No Bravery“ gleich noch ein bisserl trauriger – aber bevor Depressionen aufkommen und die Stimme gar zu klagend wird, kratzt er schlau immer wieder die Kurve.

Denn: Bluntie kann auch anders. Der Spagat zwischen kuschelndem und dezent kreischendem Publikum gelingt ihm prächtig. Mittelflottes wie „Wisemen“ und Uptempo-Nummern wie „1973“ passen perfekt – musikalisch, und auch zu seinem lässig-sympathischen Auftreten mit adidas-Retro-Shirt und Zauselfrisur. Vor den Zugaben improvisiert sich die ansonsten eher zurückhaltende Band durch ein mitreißend-souliges „So Long, Jimmy“. Und zum Finale steht Mr Kuschel auf seinem Klavier und rockt die Hütte. Let me entertain you? Aber gern!

Quelle: tz

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