Kinseher-Nachfolger

Mit 33 ist Maxi Schafroth der jüngste Derblecker - Das plant der Neue am Nockherberg

Schauspieler Maxi Schafroth (33) ist der Neue am Nockherberg und liest den Politikern am 12. März die Leviten.
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Schauspieler Maxi Schafroth (33) ist der Neue am Nockherberg und liest den Politikern am 12. März die Leviten.

Maxi Schafroth folgt Luise Kinseher am Nockherberg nach. Mit 33 ist er der jüngste Leviten-Leser der Politiker in der Geschichte des jährlichen Starkbieranstichs.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich Maxi Schafroth (33) stetig nach oben gespielt – bis zum vorläufigen Höhepunkt als Starkbierredner auf dem Nockherberg. Sein erstes Derblecken ist am 12. März: Zeit für ein Treffen mit dem Kabarettisten und Schauspieler. Der Allgäuer verbreitet pausenlos „gute Schwingungen“ – ohne Absicht, das ist seine Natur. Er scheint ziemlich unbeeindruckt davon, was ihm am 12. März bei seinem Debüt auf dem Nockherberg bevorsteht

Nockherberg-Angebot verpasste ihm einen gewaltigen Adrenalinschub

Das Angebot kam aus dem Nichts“, erzählt Schafroth. „Der Adrenalinstoß nach diesem Anruf hat eine Woche angehalten. Ich habe aber sofort zugesagt und keine Sekunde überlegt. Ich dachte halt: coole Aufgabe.“ Nervosität sei nicht so seins. „Ich habe schon vor Versicherungsangestellten gespielt, Fachbereich Hagelschäden, ich bin da gestählt“, lacht er. „Ich bin neugierig, wie das ist, wenn die Angesprochenen alle dasitzen. Alleine diese Blicke zu studieren, das ist Grund genug, das zu machen. Ich bin gespannt.“ Der hippelige Schnellsprecher wirkt auf den ersten Blick vielleicht nicht so, aber er ist reflektiert und nachdenklich. Und so geht der gelernte Bankkaufmann eben auch die Herausforderung Nockherberg an: abgeklärt.

Abwatschen gibt’s nicht

Lernbereit müsse man sein, formuliert’s der Allgäuer. „Wie reagiert der Saal? Wie sind die Energien verteilt? Das sind Erfahrungen, die dann in den Schreibprozess für das nächste Mal einfließen.“ Einfach Namen aufzählen und etwas möglichst Gemeines raushauen, das will er auf keinen Fall. „Die Analyse des Menschen und seines Verhaltens – wo ist er angreifbar, wo hat er Angst, wo grenzt er sich ab – das finde ich spannend.“ Reine Politik-Häme will er nicht machen. „Man braucht erst mal ein Grundvertrauen der Menschen, und das funktioniert nicht, wenn man von der Kanzel aus Watschn verteilt. Es kann natürlich kein Dialog sein, weil ich rede und die zuhören. Aber man muss im Austausch bleiben, und das kritisiere ich an der Entwicklung in der politischen Diskussion: Alle verschließen sich. Ich bin kein Freund von Extremen und glaube an die Vernunft. Ich werde bestimmt nicht derjenige sein, der weiter spaltet. Man kann trotzdem die Dinge klar benennen.“ 

Maxi Schafroth: So wuchs der Allgäuer auf

Diese Einstellung hat er in seiner Kindheit im 70-Seelen-Dorf Stephansried im Allgäu mitbekommen. Eine geordnete Welt. „Da kommt der Landrat im Janker mit dem Mercedes daher, und alle stehen Spalier, die Oma macht ganz große Augen. Und dann hab’ ich mit dem Isolierband den Auspuff zugeklebt und Ärger gekriegt.“ Er war natürlich ein Sonderling in dieser Voralpenidylle, aber immer unterstützt vom Elternhaus. „Meine Eltern waren in ihrem Denken sehr frei. Ich glaube, es täte der Welt heute sehr gut, die ideologische Verspannung ein bisschen abzubauen“, sagt der 33-Jährige. Als Schafroth trotz sicherem Job in einer Bank mit einer Laufbahn auf der Bühne liebäugelt, löst das im Umfeld Getuschel aus – die Eltern hingegen finden es gut. „Wenn es mit der Bühne nicht geklappt hätte, wäre ich halt zur Bank zurück. Man geht nicht gleich zugrunde und muss auch ein bisschen Vertrauen in sich haben.“ 

Starkbieranstich auf dem Nockherberg - damals noch mit Luise Kinseher, die von 2011 bis 2018 in die Rolle der Bavaria schlüpfte.

Eine kurvenreiche Karriere: Nach der Bank ist er als Musiker über Bühnen getingelt, dann hat er Drehbuchschreiben studiert und in den USA vertieft. Dann wurde er Schauspieler und Moderator – und ist nun auch noch Bayerns oberster Derblecker. Der Mann ist noch nicht am Ende seines Weges angekommen – egal, wie der Nockherberg laufen wird. Oder wie es Schafroth sagt: „Wenn man einen großen Trichter hat, bleibt mehr hängen. Man muss offen bleiben für alles.

Zoran Gojic

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