Ein Münchner (69) fährt zur Oldtimer-Bulldog-WM

Mit dem 20-PS-Traktor auf den Großglockner

+
Florian Häusler (69) auf seinem Traktor: Damit fährt er zur WM auf den Großglockner – „a Mords-Halligalli!“

Damit sein Traktor anspringt, muss ihn Florian Häusler (69) 20 Minuten lang mit einer Glühlampe vorwärmen und ihn dann von Hand anwerfen.

Sein 58 Jahre alter Lanz hat 20 PS und keine Hydraulik; auf dem Acker würde er schlapp machen. Am Samstag aber soll er auf 2400 Meter Höhe tuckern. Und der erste Münchner Sieger bei der Oldtimer-Traktor-WM am Großglockner werden!

Schon zum siebten Mal findet die Spaß-Fahrt auf den höchsten Berg Österreichs statt, Häusler ist zum dritten Mal dabei. Heute Abend lässt der seinen bayerisch-blauen Bulldog am Fuße des Berges von seinen knapp 650 Konkurrenten aus 15 Nationen bewundern: Er hat zwei Bänke mit neun Sitzplätze hinten drauf! „Das sind alte Autositze – die habe ich bis Montagabend noch in meiner Garage dranmontiert.“

Diesmal sollen alle mitfahren, die das zeitaufwändige und teure Hobby (momentan ist der Traktor ist um die 27 000 Euro wert) des selbstständigen Handwerkers so verständnisvoll hinnehmen: seine Lebensgefährtin, Sohn und Schwiegertochter und die drei Enkel. Dass der Lanz damit um einiges schwerer ist als die vergangenen Jahre, macht nichts: Es gewinnt nämlich nicht der schnellste Bulldog, sondern der, der am nächsten an der Durchschnittszeit aller Teilnehmer über die 20-Kilometer-Strecke ist. „Das wäre sonst unfair, weil einige, ganz alte Traktoren sehr langsam sind“, erklärt der veranstaltende Touismusverband. In Häuslers Worten: „Des is koa Ernst, des is a Mords-Halligalli!“

Auf der gesperrten Großglocknerstraße schinden sich die Oldtimer gestaffelt die Serpentinen hinauf – bis die Auspuffe glühen und der ein oder andere Traktor Feuer speit. Es darf überholt und sogar teilweise dreispurig gefahren werden. Häusler: „Da ist dann auch mal Zeit für einen Plausch zwischen den Fahrern.“ Häuslers ganze Familie wird dick eingepackt, denn am Ziel, dem Gasthaus Fuschertörl auf 2400 Meter, sind Schnee und Eis nicht weit entfernt. „Das wichtigste ist, dass alle heil ankommen.“

Dass bislang immer Ösis gewonnen haben, obwohl der Sieg mehr oder weniger per Zufall entschieden wird, wurmt den Englschalkinger schon ein wenig. Letztes Jahr wurde er 112., weil er ein bisserl zu langsam war. „Aber heuer werde ich mir die Gegner in meiner Gruppe genau ansehen, um ihre Geschwindigkeit einschätzen zu können. Wenn ich ein österreichisches Nummernschild sehe, hänge ich mich einfach dran. Und kurz vor dem Ziel ziehe ich ab – ich versuch’s zumindest.“

Nina Bautz

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Anwohner von heftiger Explosion geweckt: Druckwelle fegt durch Gartenhaus - hoher Schaden
Anwohner von heftiger Explosion geweckt: Druckwelle fegt durch Gartenhaus - hoher Schaden
Männer gehen aufeinander los - als Polizei eingreift, wird es auch für die Beamten gefährlich
Männer gehen aufeinander los - als Polizei eingreift, wird es auch für die Beamten gefährlich
Überraschende Wendung beim Millionen-Raub am Promenadeplatz in München
Überraschende Wendung beim Millionen-Raub am Promenadeplatz in München

Kommentare