Erschreckende Prognose

Mittlerer Ring: Die Staufallen der Zukunft

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München - Stau auf dem Mittleren Ring wird bald zum Dauerzustand. Das hat eine neue Prognose des Planungsreferats ergeben. An manchen Stellen wird dann nicht einmal mehr Tempo 30 möglich sein.

Bremsen, stoppen, Stau: So geht es jetzt schon vielen Münchnern im Berufsverkehr auf dem Mittleren Ring – bald wird das zum Dauerzustand! Eine neue Prognose des Planungsreferats zeigt, wo genau die Staustellen der Zukunft liegen: Für den Tunnel am Luise-Kiesselbach-Platz gibt es schon Auto-Alarm – obwohl der erst im nächsten Jahr eröffnet wird! Und im Rathaus wachsen Zweifel, ob weitere Milliarden-Röhren wirklich helfen …

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Mehr Einwohner, Jobs, Pendler – mehr Autos: Der Chef-Verkehrsplaner im Planungsreferat, Horst Mentz, hat die Blechlawine für das Jahr 2025 pro Fahrtrichtung in Stundenkilometer umgerechnet. Fazit: Weil der Verkehr um bis zu 40 Prozent zunimmt, wird an vielen Stellen über den ganzen Tag verteilt nicht einmal mehr Tempo 30 möglich sein (rote Linien)! Und an noch mehr Abschnitten drohen höchstens 40 Stundenkilometer tagtäglich (gelbe Linien). Der Verkehrsinfarkt dehnt sich aus – von der Rushhour heutzutage auch in die Stunden, in denen man bislang noch in die Nähe der erlaubten 60 Stundenkilometer kommt.

"Tunnels verursachen Verkehrsprobleme"

Am meisten steigt der Verkehr im künftigen Tunnel im Südwesten: Die Verkehrsplaner erwarten statt der heute 105.000 bald 145.000 Fahrzeuge! Zumal der Südwest-Tunnel erst recht als Ersatz für den Autobahn-Südring angesehen werden dürfte, den der Freistaat wohl nie bauen wird. In der Röhre fließt der Verkehr, aber davor und danach steht er. Beispiel Richard-Strauss-Tunnel: Dort gibt’s 45 Prozent mehr Autos – und am Isarring stauen sie sich kilometerlang zurück!

Was also bringen die drei geforderten Röhren? „Tunnels lösen keine Verkehrsprobleme, sie verursachen sie“, sagte die grüne OB-Kandidatin Sabine Nallinger in der Stadtratssitzung vor Weihnachten. Ein Tunnel an der Landshuter Allee würde die Stadt pro Durchfahrt 58 Cent kosten – jahrzehntelang. Anstelle der drei Röhren könnten für eine Milliarde Euro auch 100 Kilometer Trambahn gebaut werden – bislang gibt es nur 78 Kilometer. CSU-Fraktionschef Josef Schmid will alle drei Röhren möglichst bald bauen. Die SPD fordert ein Gesamtkonzept für den Mittleren Ring mit einer Tunnel-Rangfolge nach ihrer Wichtigkeit, über die erst nach der Wahl im März entschieden wird.

David Costanzo

Das ergibt die Prognose

Am heftigsten trifft es die Pendler an Donnersbergerbrücke und Trappentreutunnel: Dort erwarten die Experten statt der heute 151.000 bald 166.000 Autos am Tag – so viele wie nur an dichtesten Autobahnen. Dabei ist der Abschnitt heute schon wegen der Verflechtungen etwa mit Landsberger- und Arnulfstraße völlig überlastet. Künftig drohen Rückstaus in den neuen Tunnel am Luise-Kiesselbach-Platz! Das liegt auch an der Einfädelung der Lindauer Autobahn A96, die künftig 110.000 statt der heute 98.000 Autos nutzen. An der Tegernseer Landstraße mit bald 135.000 Fahrzeugen gilt ebenfalls die Abzweigung am McGraw-Graben als Problem. Etwas weiter am Innsbrucker Ring zwischen A8 und A94 geht’s am langsamsten voran: Grund sind hier die vielen Kreuzungen, an denen die künftig bis zu 101.000 Autos immer wieder warten müssen. Im Norden werden die Auffahrt der A9 und die Abzweigung zur Landshuter Allee noch größere Staufallen. Die Stadt will nun detailliert für jede einzelne Spur prüfen, wie die Autos auch ohne Tunnels besser fließen – etwa an Abbiegespuren und Ampeln.

So teuer wären die Ring-Tunnels

Drei Tunnels für die Zukunft und eine Staufalle, die der Stadtrat längst hätte entschärfen können. Aber das Thema wurde in den Januar vertagt (tz berichtete): Für den Isarring liegen beim Baureferat fertige Pläne für eine breite Einfädelungsspur der Ifflandstraße in der Schublade. Anders als die SPD wollen CSU, Grüne und FDP lieber eine Schmalspur-Variante prüfen. Sie fürchten, dass die Festlegung auf eine breite Spur den Tunnel verhindern könnte. Weil die Verkehrsprobleme gelöst sein könnten, würde sich der Freistaat die Zuschüsse sparen. Die lägen laut Stadt aber ohnehin nur bei höchstens sechs von bis zu 150 Millionen Euro.

Die beiden anderen geforderten Röhren kosten noch viel mehr – schützen aber auch Tausende Nachbarn. An der Landshuter Allee wäre für 537 Millionen Euro ein Tunnel zu haben, durch den mehr als 150.000 Autos am Tag fahren würden.In der Tegernseer Landstraße verschlänge eine neue Röhre 560 Millionen Euro, eine Verlängerung des Candidtunnels würde mit 350 Millionen Euro zu Buche schlagen.

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