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Historische Fotos: So sah der Ring früher aus

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1970 führte der Mittlere Ring an der Brudermühlstraße über eine Hochbrücke aus Stahlbeton

München - Es sind gerade mal 28 Kilometer von den insgesamt 2300 im gesamten Münchner Straßennetz. Doch ohne sie würde der Verkehr längst kollabieren. Sie ist die wichtigste Straße der Stadt, die Bundesstraße 2R, besser bekannt als Mittlerer Ring.

Der Mittlere Ring ist ein Münchner Dauerthema, und für die, die täglich dort im Stau stehen, auch ein Dauerärgernis. Manche loben ihn in den Himmel, andere verteufeln ihn, die Wahrheit liegt mittendrin. Wie es sich gehört für einen Mittleren Ring. Wie man über den Ring fährt, wissen die meisten – aber wie lebt es sich eigentlich dort? Wer sind die Menschen, die hier wohnen und arbeiten, was denken sie über den Ring? Und was verbirgt sich hinter den Mauern, an denen man täglich vorbeifährt?

Der Münchner Autor Florian Kinast und die Fotografin Judith Häusler machten sich auf eine Reise entlang des Rings. Sie besuchten riesige Konzerne und winzige Familienbetriebe, hohe Türme und kleine Häuschen. Sie schauten in Kirchen und Polizeiinspektionen vorbei, sprachen mit Künstlern und Lebenskünstlern und gingen zu Anwohnern, die den Ring in seiner Entstehung miterlebt haben, weil sie teilweise schon seit fast 70 Jahren hier leben. Als vor der Tür noch Schafe weideten.

Historische Fotos: So sah der Mittlere Ring früher aus

Historische Fotos: So sah der Mittlere Ring früher aus

Lesen Sie die große tz-Serie und sehen Sie den Ring an manchen Stellen, wie Sie ihn noch nie gesehen haben. Zur Einstimmung geben wir Ihnen heute einen Überblick über Geschichte und Entwicklung. Und ab Dienstag folgt der Ring in acht Akten!

Der ewig Unvollendete – seit über 100 Jahren

Es musste ein Unterfranke sein, der die erste Idee dazu hatte. Jakob Heilmann, Bauunternehmer aus Aschaffenburg, der ab 1860 in München lebte. Er wollte 1895 einen Schienenring rund um München legen, mit Pferdebahn und Trambahn. Daraus wurde nichts. 1927 entwarf die Stadt dann den „Generallinienbauplan Großmünchen“. Ein Straßenring zur Entlastung der Innenstadt, der erst nicht realisiert wurde – aber der bereits fast identisch war mit dem Verlauf des späteren Mittleren Rings.

Irre Vision: Autobahn zum Haus der Kunst

Nach dem Krieg ging es weiter mit Architekt und Stadtbaurat Karl Meitinger. Auch er dachte an eine großzügige Umfahrung der Innenstadt, aber er dachte auch an einen 70 Meter breiten Altstadtring und eine vierspurige Durchfahrtsstraße über den Marienplatz. Es war die Zeit des Aufbruchs, das Wirtschaftswunder kam, die Autoindustrie boomte. Die Stadt der Zukunft sollte eine Autostadt werden, darum gab es später in den 50er- und 60er-Jahren für München auch noch die aberwitzigsten Pläne. Den Ausbau der Lindauer Autobahn bis zum Sendlinger Tor, der Nürnberger bis zum Haus der Kunst. Sechs Autobahnringe um die Stadt, eine 24 Kilometer lange Stadtautobahn auf Stelzen quer über die Dächer Münchens, eine sechsspurige Schnellstraße am westlichen Isarufer, so wie der Roosevelt-Drive am New Yorker East River. Aus heutiger Sicht bizarr beängstigende Hirngespinste, deren Umsetzung München auf Lebenszeit verschandelt hätte.

Zum Glück kam es anders, hielt die Stadt vielmehr an der Vision eines Mittleren Rings fest. Ein Flickwerk, dessen Bau sich 20 Jahre hinzog, angefangen mit dem Wiederaufbau der zerbombten Brudermühlbrücke 1952 und der Richard-Strauß-Straße im Osten ein Jahr später. In den 50er-Jahren folgten der Ausbau etwa von Heckenstallerstraße, Tegernseer Landstraße, Garmischer Straße. Die 167 Meter lange Leuchtenberg-Unterführung unter der Bahnlinie kam 1958, in den 60er-Jahren folgten Innsbrucker Ring samt Tunnel, Isarring, Schenkendorfstraße, Petuelring, Candidbrücke, Candidtunnel. Zwischen 1969 und 1972 verbreiterte man die Donnersbergerbrücke von 24,5 auf 47 Meter, heute mit einem Aufkommen von 150 000 Fahrzeugen die verkehrsreichste innerstädtische Brücke Europas.

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Der Ring – er wurde immer unterirdischer

Das letzte Teilstück des Rings wurde am 17. September 1971 freigegeben: der Abschnitt im Nordwesten, von der Landshuter Allee zum Olympiapark. Der Ring war geschlossen. Aber noch lange nicht fertig. Denn dann wurde weitergebuddelt. Unterirdisch. Es kamen die Tunnels. Landshuter Allee (Eröffnung 1979; Länge 360 Meter), Trappentreu (1984; 550 Meter), danach der Brudermühltunnel (1988; 780 Meter), bis zu dessen Fertigstellung der Verkehr über eine Hochbrücke lief, direkt an den Fenstern der Anwohner im zweiten Stock vorbei. Im Bürger­entscheid 1996 stimmten die Münchner für drei weitere Tunnel. Der 1473 Meter lange Petueltunnel wurde 2002 eröffnet, 2009 folgte der Richard-Strauß-Tunnel (1500 Meter), 2015 soll dann der Tunnel im Südwesten rund um den Luise-Kiesselbach-Platz eröffnen.

Ein Tunnel für die Tegernseer Landstraße?

Über weitere Tunnel wird schon seit Jahren gestritten, an der Tegernseer Landstraße oder eine Erweiterung an der Landshuter Allee, dazu kommt die Diskussion um die Untertunnelung des Isarrings, um den Englischen Garten wieder zu vereinen. Sie werden weiter streiten, über diese mit den Jahren zusammengestückelte Ringstraße, die in ihrer Erscheinung so uneinheitlich ist, eingeengt durch Wohngebiete führt wie in Giesing und sich anderswo wieder als Stadtautobahn breitmacht wie etwa am Olympiapark. Bunt, vielfältig, unterschiedlich, spannend – so wie auch die Menschen, die hier leben und arbeiten und über die Sie ab morgen lesen werden.

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