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Historische Fotos: So sah der Ring früher aus

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1970 führte der Mittlere Ring an der Brudermühlstraße über eine Hochbrücke aus Stahlbeton

München - Es sind gerade mal 28 Kilometer von den insgesamt 2300 im gesamten Münchner Straßennetz. Doch ohne sie würde der Verkehr längst kollabieren. Sie ist die wichtigste Straße der Stadt, die Bundesstraße 2R, besser bekannt als Mittlerer Ring.

Der Mittlere Ring ist ein Münchner Dauerthema, und für die, die täglich dort im Stau stehen, auch ein Dauerärgernis. Manche loben ihn in den Himmel, andere verteufeln ihn, die Wahrheit liegt mittendrin. Wie es sich gehört für einen Mittleren Ring. Wie man über den Ring fährt, wissen die meisten – aber wie lebt es sich eigentlich dort? Wer sind die Menschen, die hier wohnen und arbeiten, was denken sie über den Ring? Und was verbirgt sich hinter den Mauern, an denen man täglich vorbeifährt?

Der Münchner Autor Florian Kinast und die Fotografin Judith Häusler machten sich auf eine Reise entlang des Rings. Sie besuchten riesige Konzerne und winzige Familienbetriebe, hohe Türme und kleine Häuschen. Sie schauten in Kirchen und Polizeiinspektionen vorbei, sprachen mit Künstlern und Lebenskünstlern und gingen zu Anwohnern, die den Ring in seiner Entstehung miterlebt haben, weil sie teilweise schon seit fast 70 Jahren hier leben. Als vor der Tür noch Schafe weideten.

Historische Fotos: So sah der Mittlere Ring früher aus

Jede Menge Schotter! Der Bau des Candidtunnels 1969. Heute rollen hier 145 000 Autos am Tag © Heinz Gebhardt
1970 führte der Mittlere Ring an der Brudermühlstraße über eine Hochbrücke aus Stahlbeton © Heinz Gebhardt
A Ruah is! Lärmgeplagte Anwohner an der Brudermühlstraße vor dem Tunnelbau © Heinz Gebhardt
Große Baustelle im Süden an der Brudermühlstraße. 1988 wurde hier der 780 Meter lange Tunnel eröffnet © Heinz Gebhardt

Lesen Sie die große tz-Serie und sehen Sie den Ring an manchen Stellen, wie Sie ihn noch nie gesehen haben. Zur Einstimmung geben wir Ihnen heute einen Überblick über Geschichte und Entwicklung. Und ab Dienstag folgt der Ring in acht Akten!

Der ewig Unvollendete – seit über 100 Jahren

Es musste ein Unterfranke sein, der die erste Idee dazu hatte. Jakob Heilmann, Bauunternehmer aus Aschaffenburg, der ab 1860 in München lebte. Er wollte 1895 einen Schienenring rund um München legen, mit Pferdebahn und Trambahn. Daraus wurde nichts. 1927 entwarf die Stadt dann den „Generallinienbauplan Großmünchen“. Ein Straßenring zur Entlastung der Innenstadt, der erst nicht realisiert wurde – aber der bereits fast identisch war mit dem Verlauf des späteren Mittleren Rings.

Irre Vision: Autobahn zum Haus der Kunst

Nach dem Krieg ging es weiter mit Architekt und Stadtbaurat Karl Meitinger. Auch er dachte an eine großzügige Umfahrung der Innenstadt, aber er dachte auch an einen 70 Meter breiten Altstadtring und eine vierspurige Durchfahrtsstraße über den Marienplatz. Es war die Zeit des Aufbruchs, das Wirtschaftswunder kam, die Autoindustrie boomte. Die Stadt der Zukunft sollte eine Autostadt werden, darum gab es später in den 50er- und 60er-Jahren für München auch noch die aberwitzigsten Pläne. Den Ausbau der Lindauer Autobahn bis zum Sendlinger Tor, der Nürnberger bis zum Haus der Kunst. Sechs Autobahnringe um die Stadt, eine 24 Kilometer lange Stadtautobahn auf Stelzen quer über die Dächer Münchens, eine sechsspurige Schnellstraße am westlichen Isarufer, so wie der Roosevelt-Drive am New Yorker East River. Aus heutiger Sicht bizarr beängstigende Hirngespinste, deren Umsetzung München auf Lebenszeit verschandelt hätte.

Zum Glück kam es anders, hielt die Stadt vielmehr an der Vision eines Mittleren Rings fest. Ein Flickwerk, dessen Bau sich 20 Jahre hinzog, angefangen mit dem Wiederaufbau der zerbombten Brudermühlbrücke 1952 und der Richard-Strauß-Straße im Osten ein Jahr später. In den 50er-Jahren folgten der Ausbau etwa von Heckenstallerstraße, Tegernseer Landstraße, Garmischer Straße. Die 167 Meter lange Leuchtenberg-Unterführung unter der Bahnlinie kam 1958, in den 60er-Jahren folgten Innsbrucker Ring samt Tunnel, Isarring, Schenkendorfstraße, Petuelring, Candidbrücke, Candidtunnel. Zwischen 1969 und 1972 verbreiterte man die Donnersbergerbrücke von 24,5 auf 47 Meter, heute mit einem Aufkommen von 150 000 Fahrzeugen die verkehrsreichste innerstädtische Brücke Europas.

Warum sind unsere Mülleimer genoppt? 38 kuriose München-Fakten

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1. Alle Entfernungs-Angaben zu München auf Bayerns Autobahnen beziehen sich auf die Mariensäule. © dpa
2. Wenn man das gesamte Straßennetz der Stadt per Taxi durchqueren würde, dann müsste man etwa 3460 Euro löhnen. © dpa
3. In München gibt es 10 962 Künstler, in der Kulturwirtschaft sind 40 140 beschäftigt. © dpa
4. Rund 40 000 Tauben bevölkern München. © d pa
5. Durch Falschparker nimmt die Stadt im Jahr zirka 10,5 Millionen Euro ein. © dpa
6. Seit Thomas Seehaus (Symbolfoto) ist München Millionenstadt: Er kam am 15. September 1958 zur Welt. Eltern: Hubert (Kaminkehrermeister) und Brigitte aus Pasing. © dpa
7. Die Dienstumkleide-Kabinen der Polizeiinspektion 22 am Prinzregentenplatz befinden sich im ehemaligen Schlafzimmer Adolf Hitlers. © Kurzendörfer
8. In den U-Bahnhöfen Odeons- und Goetheplatz laufen seit dem Jahr 2000 ununterbrochen zwölf Klassik-Stücke – in einer 300-Minuten-Schleife. © Kurzendörfer
9. Der FC Bayern hat auf Facebook über sechs Millionen Fans – das sind mehr als die nachfolgenden zehn deutschen Fußballclubs zusammen. © dpa
10. 2011 zogen 112 947 Menschen nach München – Rekord der vergangenen 20 Jahre. © dpa
11. Eines der beiden Uhrenblätter am Isartor (hier das "andere") ist verkehrt herum angebracht. Das ist europaweit einmalig! © Schlaf
12. Die Abfalleimer sind genoppt, damit Wildplakatierer keine Chance haben. © Kurzendörfer
13. Würde man eine Linie zwischen dem Nordturm der Frauenkirche und dem Turm der Heilig-Geist-Kirche verlängern, würde sie genau nach Mekka führen. © dpa
14. Bei uns leben 30 828 Hunde, die täglich sechs Tonnen Hundekot erzeugen. © dpa
15. Eine Wiesnmass hat etwa so viel Alkohol wie acht Schnäpse. © dpa
16. Die Ziegen, die das Leder für neue Lederhosn für die Wiesn liefern, haben in Indien oder Pakistan gegrast. © dpa
17. In Hella­brunn sind 19 183 Tiere. © Tierpark Hellabrunn
18. Der kleinste Friedhof steht in Neuhausen und hat 175 Grabstätten. © Haag
19. Die laufenden Füße und die Augen des Tatort-Vorspanns wurden am Flughafen München-Riem gedreht. © dpa
20. Der Wolfsbrunnen am Kosttor zeigt Rotkäppchen und den Wolf, weil dessen Stifter Adolf Wolf hieß. © Emons Verlag
21. Die Klingel gehört zur Burschenschaft Stauffia (Stollbergstr. 16). © Emons Verlag
22. Das Wiesn-Riesenrad war das erste weltweit mit „Zacken“ – also außen aufgehängten Gondeln. © dpa
23. In den insgesamt 53 Pflegeheimen der Stadt liegt die Männerquote nur bei 21 Prozent. © dpa
24. Das nicht anerkannte, selbsternannte Fürstentum Seborga (Italien, 323 Einwohner) hat ein Konsulat in Bogenhausen. © Symbolfoto: dpa
25. München liegt südlicher als Wien (Foto). © dpa
26. Die erste Aufgabe des ersten namentlich bekannten Henkers Münchens, „Magister Haimpert“: Er hängte seinen Vorgänger (14. Jh.). © dpa
27. Die Frauenkirche war das erste deutsche Fotomotiv. © dpa
28. Die Knetmasse wurde im Jahr 1880 vom Münchner Apotheker Franz Kolb erfunden. © dpa
29. Die US-Hardrockband Mötley Crüe hat extra zwei Umlaute in ihren Namen einbauen lassen, weil Löwenbräu ihr Lieblingsbier ist. © dpa
30. Die Blattschneiderameise (Symbolfoto) Resi ist mit fünf Millimetern Länge das kleinste Tier Hellabrunns. © dpa
31. 248 Einwohner Münchens sind über 100 Jahre alt. © dpa
32. Früher verwendete man in einigen deutschen Gegenden das Wort „münchen“ für kastrieren. © dpa
33. Jeder Baum der Stadt muss eine Grundfläche von 24 qm und eine Mindestbreite von drei Metern zur Verfügung haben. © düa
34. Jimi Hendrix erfand sein Gitarrenschrotte am 9.11.66 in Schwabing ("Big Apple") © dpa
35. Eine über 300 Jahre alte Linde am Westfriedhof ist der älteste Baum der Stadt. © Jantz Sigi
36. Zur Wiesn-Zeit fahren die Rolltreppen schneller. © Schlaf
37. Die Monatsmiete der Tiefgarage im neuen Palais an der Oper kostet so viel wie der Hartz-IV-Monatsregelsatz: 375 Euro. © Schlaf
38. In München gibt es 50 000 leere Grabstätten. © Symbolfoto: Jantz

Der Ring – er wurde immer unterirdischer

Das letzte Teilstück des Rings wurde am 17. September 1971 freigegeben: der Abschnitt im Nordwesten, von der Landshuter Allee zum Olympiapark. Der Ring war geschlossen. Aber noch lange nicht fertig. Denn dann wurde weitergebuddelt. Unterirdisch. Es kamen die Tunnels. Landshuter Allee (Eröffnung 1979; Länge 360 Meter), Trappentreu (1984; 550 Meter), danach der Brudermühltunnel (1988; 780 Meter), bis zu dessen Fertigstellung der Verkehr über eine Hochbrücke lief, direkt an den Fenstern der Anwohner im zweiten Stock vorbei. Im Bürger­entscheid 1996 stimmten die Münchner für drei weitere Tunnel. Der 1473 Meter lange Petueltunnel wurde 2002 eröffnet, 2009 folgte der Richard-Strauß-Tunnel (1500 Meter), 2015 soll dann der Tunnel im Südwesten rund um den Luise-Kiesselbach-Platz eröffnen.

Ein Tunnel für die Tegernseer Landstraße?

Über weitere Tunnel wird schon seit Jahren gestritten, an der Tegernseer Landstraße oder eine Erweiterung an der Landshuter Allee, dazu kommt die Diskussion um die Untertunnelung des Isarrings, um den Englischen Garten wieder zu vereinen. Sie werden weiter streiten, über diese mit den Jahren zusammengestückelte Ringstraße, die in ihrer Erscheinung so uneinheitlich ist, eingeengt durch Wohngebiete führt wie in Giesing und sich anderswo wieder als Stadtautobahn breitmacht wie etwa am Olympiapark. Bunt, vielfältig, unterschiedlich, spannend – so wie auch die Menschen, die hier leben und arbeiten und über die Sie ab morgen lesen werden.

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