Modepapst Glööckler: "Ich will andere glööcklich machen"

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Harald Glööckler.

München - Normal ist anders, das ist jedem klar, der dem Modedesigner Harald Glööckler begegnet. Das aufwendige Styling, der viele Schmuck – der Mann liebt alles, was nach Glamour und Luxus aussieht.

 Kein Wunder, wenn man bedenkt, wie er aufwuchs: als schwuler Junge in einem kleinen Dorf namens Zaisersweiher, mit einem gewalttätigen Vater, der die Mutter so die Treppe hinunterstürzte, dass sie daran starb. Jetzt hat Glööckler eine Biografie veröffentlicht und ist dabei, mit seiner Modemarke Pompöös die USA via Teleshopping zu erobern – und sich seinen größten Wunsch zu erfüllen: Frauen glücklich zu machen.

Was war der erste Luxus­artikel, den Sie hatten?

Harald Glööckler (45): Eine kleine barocke Silberdose mit Engeln darauf. Die hatte ich von meiner Großmutter, und sie erinnert mich immer daran, was man früher für schöne Sachen gemacht hat. Diese Dose hat ein Eigenleben, manchmal verschwindet sie magisch und taucht dann mal hier auf und dann wieder da ...

Sie sagen, Sie machen ­Luxus für die Massen. Wie funktioniert das?

Glööckler: Ich mache keine billige Mode, sondern Mode, die man sich leisten kann. Ein Freund von mir, ein englischer Lord, sagt immer: „Wir sind nicht reich genug, um billige Dinge zu kaufen.“ Bei mir gibt es zum Beispiel eine Webpelzjacke für 99 Euro. Aber die kann man in 24 Monatsraten abbezahlen.

Sie machen vor allem auch Mode für fülligere Frauen ...

Glööckler: Ich habe noch nie gefunden, dass Mode in Größe 34 besser aussieht als in 48. Und die ganzen Sexbombs wie Mae West, Gina Lollobrigida oder Marilyn Monroe – das waren alle keine 34er. In Bayern gibt es dafür ein besonders schönes Wort: drall. Drall, das klingt charmant und sexy, nicht fett.

Wen sprechen Sie mit Ihrer Mode besonders an?

Glööckler: Kennen Sie Die Nanny? Diese Fernsehserie mit Nanny Fine, ihrer Mutter und ihrer Großmutter? Das sind meine Kunden, aber vor allem die Mutter. Das sind Frauen um die 50, die noch mal Gas geben wollen. Als Kinder wollten sie Prinzessinen sein, und jetzt, wo ihre eigenen Kinder aus dem Haus sind, denken sie sich: Jetzt geht’s los, jetzt bin ich auch noch mal dran. Die wollen glamourös sein und sich durch die Mode wieder sexy fühlen. Deshalb verkaufe ich auch eigentlich keine Kleider: Ich verkaufe Gefühle.

Ihr Leben war von klein auf von starken Frauen geprägt ...

Glööckler: Stimmt: die Pfarrersfrau, die Freundin meiner Mutter, meine Tante ... Die waren alle sehr souverän und selbstsicher, was viel mehr ist als emanzipiert. Und ohne laut zu sein, hatten sie eine unglaubliche Macht: So wie ­Madame Pompadour, die Mätresse am französischen Hof. Die hat da auch die Geschäfte geführt.

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Sie glauben an Schutzengel. Wann haben die Ihnen geholfen?

Glööckler: Es gab da eine Situation im Zug. Das ist über zehn Jahre her, und es passierte auf der Fahrt zwischen Düsseldorf und Köln. Ich sitze also ganz kuschelig in meinem Sitz, und auf einmal bekomme ich so ein Gefühl. Ich habe mich dann mit drei Koffern durch den ganzen Zug auf einen anderen Platz geschleppt, als ein Lastwagen von einer Brücke auf den Zug fiel. Da hin, wo ich vorher noch gesessen hatte. Da habe ich blutüberströmte Menschen mit abgerissenen Ohren und Schlimmerem gesehen. Ich bin dann eine Böschung hochgekrabbelt und per Anhalter zum nächsten Bahnhof gefahren.

Stehen Sie in Kontakt mit Ihren Schutzengeln?

Glööckler: Ja, erst neulich haben wir diskutiert. Ich will 100 Jahre alt werden, aber sie sagen immer, ich kriege nur 95.

Warum 100?

Glööckler: Mit 100 hat man so viel erlebt und so viel Erfahrung, da kann man dann auch mal etwas sagen, was man vorher nicht durfte. Das wird interessant, ich bin ja jetzt schon sehr geradeheraus.

Sie schreiben, dass sie schon mehrmals wiedergeboren wurden. Wenn Sie es sich aussuchen könnten: Wer wären Sie gerne in Ihrem nächsten Leben?

Glööckler: Der Papst! Ich bin ja ein gläubiger Mensch, zwar nicht katholisch, aber das wäre ich ja dann. Diese ganzen Zeremonien wären voll mein Ding, die Riesenbibliothek, die Kunstschätze, die schönen Kleider ... Und natürlich ist der Papst eine Person, die vielen Menschen Halt gibt und Mut macht.

Wo holen Sie sich die Inspiration für Ihre Entwürfe?

Glööckler: Ich finde an allem etwas Schönes. Ob das eine Villa ist, Schmuck, ein Lächeln oder schöne Schuhe – das merke ich mir, das ist wie ein großes Shopping. Und außerdem kannte ich nie so etwas wie Neid, das hat mir viele Türen geöffnet. Irgendwann hatte ich dann alles, was ich wollte, und dann wollte ich es an andere weitergeben.

Trotzdem: Gibt es noch etwas, das fehlt?

Glööckler: Meine Seele wollte immer einen Hund, darüber haben Herr Schroth (Glööcklers Lebensgefährte und Manager, Anmerkung der Red.) und ich 20 Jahre diskutiert. Seine Familie hatte zu Hause keine Tiere, und er ist einmal von einem Hund gebissen worden. Als ich dann ankam mit dem kleinen Scheißer, einem Papillon, die man früher in der spanischen Königsfamilie hatte, ist er total ausgeflippt. Es war schlimmer, als ich dachte. Aber dann ist Billy King auf ihn zugerannt und hat ihn geküsst, seitdem sind sie Kumpel. Und wissen Sie was? Eine Wahrsagerin hat mir erzählt, dass der Kosmos mir ein Tier schickt. Der Hund ist mir geschickt worden, vielleicht von meiner Mutter. Er ist ein Engel.

Gab es nicht zwischen Ihnen und Herrn Schroth den Deal, dass Sie heiraten, wenn Sie einen Hund haben?

Glööckler: Ich habe immer gesagt: Solange kein Hund da ist, wird nicht geheiratet. Aber ich habe ja über 20 Jahre auf einen Hund gewartet. Wenn man einander vertraut, muss man nicht heiraten. Aber wenn, würden wir das ganz klein und heimlich machen.

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Sitzen Sie auch manchmal in Jogginghose vor dem Fernseher?

Glööckler: Ich sitze nackt vor dem Fernseher. Aber ich habe tatsächlich eine Jogginghose, eine sehr schöne. Dazu trage ich dann Schuhe oder eine Jacke mit Strass.

Sie leben in Berlin, waren aber schon immer von Bayern fasziniert. Warum?

Glööckler: Man sieht das schon, wenn man einfliegt: Alles ist so ordentlich und gepflegt, das ist so ein bisschen Bilderbuch und heile Welt. Die bemalten Häuser, die opulenten Geranien vor den Fenstern ...

Würden Sie hier gerne mal wohnen?

Glööckler: Nun ja, der Herr Schroth hat schon so Anwandlungen gezeigt. Wir hätten gerne einen Bauernhof, also eher ein Gutshaus oder Schloss, ein bisschen Personal bräuchten wir auch, und dann alles was dazugehört: Pferde, Hühner und Kühe.

 

Ann-Catherin Karg

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