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Mogelpackung Pauschaltarif

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Zahlreiche Flatrate-Nutzer fühlen sich getäuscht.
Zahlreiche Flatrate-Nutzer fühlen sich getäuscht. © Westermann

München - Doppel-Flat, Super-Flat, Internet-Flat, Deutschland-Flat – sie kämpfen um jeden Kunden, die Anbieter von Internetanschlüssen und Telefonverträgen – und werben mit günstigen Sorglos-Tarifen: Telefonieren und Surfen, so viel man will.

Rund um die Uhr. Denkste! Die tz berichtete von Ela (33), die ihren Auslands-Pauschaltarif strapaziert haben soll. Ihr Provider Arcor forderte sie auf, ihre Telefonate „erheblich zu reduzieren.“

Nach dem Bericht meldeten sich viele Leser. Auch sie haben Briefe von ihren Anbietern bekommen. Den Flatrate-Kunden wird nahegelegt, weniger zu telefonieren – oder sich gleich einen neuen Provider zu suchen. Beispiel Helmut Schaffler (47) aus Neuching. Er hat bei Tele2 („Warum mehr bezahlen?“) einen Maxx-Tarif für 16,95 Euro gebucht. „Weil meine Kinder viel telefonieren. Ich wollte die Kosten begrenzen.“

Jetzt schreibt der Anbieter: „Die Tarifoption steht ausschließlich der üblichen Nutzung für Privatkunden zur Verfügung. Diesen Nutzungsumfang haben Sie überschritten.“ Dann droht Tele2: „Wir machen Sie darauf aufmerksam, dass wir ihre Tarifoption bei einer wiederholten nicht vertragsgemäßen Nutzung ohne weitere Mahnung sperren werden.“

Was Tele2, Arcor & Co unter „üblicher Nutzung“ verstehen, bleibt ihr Geheimnis. In den meisten Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zu einer Flatrate-Option ist nur von einer „verkehrs- und marktüblichen Nutzung“ die Rede.

Bei der Verbraucherzentrale Bayern beschweren sich inzwischen immer mehr Flatratenutzer über ihre Anbieter. Rechtsexperte Markus Saller: „So lange im Kleingedruckten keine Einschränkung steht, kann der Kunde telefonieren oder surfen, bis der Arzt kommt.“

Wenn eine Abmahnung kommt, sollten zuerst die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Vertrages gelesen werden, rät Verbraucherschützer Saller. „Steht dort nichts von einer zeitlichen Beschränkung, bewegen sich die Provider rechtlich auf dünnem Eis.“

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ist schon einen Schritt weiter. Sie hat Sammel-Klage gegen Arcor wegen der Abmahnungen erhoben. Die Telefonfirma sieht sich im Recht, weil in den AGB’s nur die private Nutzung erlaubt sei. Ab wann Arcor glaubt, ein Kunde würde seine Flatrate für gewerbliche Gespräche nutzen, sagt Sprecher Paul Gerlach nicht: „Es gibt Durchschnittswerte.“

Auch Tele2 spricht nur von Durchschnittswerten. Der Anbieter aus Neubrandenburg verrät nicht, ab wieviel Stunden er davon ausgeht, ein Kunde würde seinen Pauschaltarif gewerblich nutzen. Tele2-Kunde Helmut Schaffler kann damit nichts anfangen. „Die Flatrate ist eine Mogelpackung. Ich fühle mich getäuscht.“

Quelle: tz

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