Monatzeder über Unfall: "Es war sehr ernst"

München - Nach seinem schweren Unfall beim Tauchurlaub ist Bürgermeister Hep Monatzeder seit einer Woche wieder im Amt. Mit dem Münchner Merkur spricht er das erste Mal über das Unglück und wie es mit seiner OB-Kandidatur weiter geht.

Herr Monatzeder, wie geht’s Ihnen jetzt?

Es wird von Tag zu Tag besser – Gott sei Dank. Allerdings geht mir der Prozess zu langsam. Ich fände es besser, wenn die Genesung schneller verliefe.

Welche Verletzungen hatten Sie?

Ich hatte acht Rippen gebrochen, einen doppelten Schlüsselbeinbruch und ein gebrochenes Schulterblatt. Und ein Problem an der Lunge gab es auch: Eine Rippe hatte sich hineingebohrt.

Wie ernst war die Situation für Sie?

Ich kann nur sagen: Sehr ernst.

Können Sie sich noch an den Unfall erinnern?

Ja, natürlich. Ich war bei vollem Bewusstsein, von Anfang bis Ende. Ich hatte mir das Moped gemietet, um abends nicht im Hotel essen zu müssen. Ich war relativ langsam mit meinem Moped die Straße entlang gefahren. Da kamen mir zwei junge Kerle entgegen, die von der Fahrbahn abkamen. Als sie wieder zurückwollten, hat sich das Rad bei ihnen aufgestellt. Dann ist das Moped quasi in Kreiselform auf mich zugekommen und hat mich runtergesäbelt von der Straße.

Wie wurden Sie im Krankenhaus auf den Philippinen behandelt?

Sagen wir so: Es war ein Pflichtprogramm, aber keine Kür. Ich war zehn Tage im Krankenhaus in Cebu, bin fünfeinhalb Stunden operiert worden. Ich hatte mir da schwere Keime eingehandelt. Die waren auch der Grund, warum ich in München noch viermal hintereinander operiert werden musste. Und dann war auch noch eine Korrekturoperation nötig. Die war aber erst möglich, als die Entzündung abgeklungen war.

Wie konnten Sie den langen Rückflug von den Philippinen bewältigen?

Meine Versicherung hatte mir einen deutschen Arzt geschickt. Der war notwendig, sonst hätte mich die Fluggesellschaft nicht mitfliegen lassen. Der Arzt musste die Problematik mit der Lunge im Auge behalten. Ich hatte da ja so ein Schläuchlein drin.

Und dann sind Sie als Aufsichtsratschef auch selbst einmal in den Genuss des städtischen Klinikums gekommen . . .

Genau. Ich bin hoch zufrieden, weil wir in Harlaching einen der besten Orthopäden haben.

Wie sieht Ihre weitere Behandlung aus?

Die Metallteile sind mittlerweile wieder alle aus meinem Körper entfernt. Ich nehme aber weiter Antibiotika und mache Krankengymnastik. Und ich muss ein bisschen vorsichtig sein, dass mir niemand gegen die linke Schulter rennt. Ansonsten bin ich wieder recht beweglich.

Sie hatten in einem Brief an die Partei kritisiert, dass Sie den Rückhalt vermisst hätten. Warum?

Ich habe da wohl etwas überreagiert. Ich war in meinem Krankenbett, hatte permanent Schmerzen und hatte dann Sachen in der Zeitung gelesen, die mich geärgert haben. So ist das passiert.

Unverständnis herrschte jedoch – gerade auch bei den Medien – darüber, dass Sie zunächst so wenig Informationen von Ihrem Unfall preisgegeben haben.

Ich habe immer versucht, mein Privatleben und meine Arbeit als Bürgermeister zu trennen. Das ist bisher stets akzeptiert worden. Deswegen habe ich angenommen, dass in der ersten Information alles ausreichend erläutert war. Das hat aber wohl nicht gereicht.

Wir wussten zuerst ja nicht einmal, wo Sie im Urlaub waren . . .

Zunächst war ich auf meine Gesundheit konzentriert. Deshalb stand für mich nach der Erstinformation ein weiterer Erklärungsbedarf nicht an erster Stelle. Getroffen haben mich dann aber die Spekulationen, die angestellt wurden.

Nach Ihrem Unfall wird es aus Zeitgründen im Juli nur noch zwei statt drei Oberbürgermeister-Foren bei den Grünen geben.

Ja. Es ist schade, dass wir so spät dran sind. Und ich bedaure es, dass ich das Ganze noch einmal verzögert habe.

Hatten Sie überlegt, die Bewerbung um die OB-Kandidatur am Ende gar sein zu lassen?

Nein, zu keinem Zeitpunkt. Ich habe meine politischen Ziele und fühle mich stark genug für das Amt des Münchner Oberbürgermeisters.

Interview: Matthias Kristlbauer

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