Zwangsumzug von 180 Menschen

Boardinghaus: Bewohner können wohl bald umziehen

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Das Haus Am Neubruch sorgt für Ärger.

Innerhalb weniger Stunden mussten am Gründonnerstag 180 Menschen das Boardinghaus Am Neubruch verlassen. Nach einer Ortsbegehung  heißt es, die Zustände in dem Haus sollen schlimm gewesen sein. Von Bettwanzen und Kakerlaken ist die Rede.  

München - Auch der Stadtrat befasst sich nun mit dem Schicksal der 180 Menschen,

die am Gründonnerstag blitzartig das Haus Am Neubruch räumen mussten.

Seither leben sie in der Bayernkaserne in einem Gebäude, das eigentlich für den Kälteschutz – also das städtische akute Hilfsprogramm für Wohnungslose – vorgesehen war.

CSU-Stadtrat Marian Offman hat sich am Mittwoch ein Bild von der Lage gemacht und mit einigen Bewohnern geredet. Die Bedingungen in der Bayernkaserne empfänden viele wegen der Mehrbettzimmer als schwierig, sagt er. Doch die gute Nachricht: Voraussichtlich können sie bereits nächste Woche in ein anderes Haus auf dem Gelände umziehen, das gerade bezugsfertig gemacht wird und Ein- bis Zweibettzimmer vorhält. Man arbeite mit Hochdruck an einer Lösung für die Menschen, heißt es aus dem Sozialreferat.

Die Zustände in dem Boardinghaus waren verheerend

Offman ist schockiert von dem, was ihm Bewohner aus dem geräumten Haus in Moosach erzählt haben. „Häufig hat die Heizung nicht funktioniert, es gab Bettwanzen und Kakerlaken sowie Löcher in den Fenstern“, berichtet der Stadtrat. Viele seien wütend, dass die Stadt diese Missstände nicht abgestellt habe. Das Sozialreferat verweist darauf, dass dies Sache des Betreibers – der 2-Rent Group – gewesen wäre, der ja ein entsprechendes Bettplatzentgelt gezahlt bekam. Vorgeworfen wird der Stadt auch, sie habe keine Sozialarbeiter vor Ort gehabt. Das Sozialreferat wiederum sagt, der Betreiber habe den Sozialarbeitern keine Räume zur Verfügung gestellt. Darum seien die Menschen aufs Amt geladen worden.

Probleme mit Anbieter sollen geklärt werden

Offman beobachtet fasziniert, wie sich die vielfach vom Leben geschlagenen Menschen nun organisieren. Er hat eine Anfrage ans Sozialreferat gestellt, unter anderem um zu erfahren, welche Probleme es mit der 2-Rent Group gab und wie die Verwaltung weiter vorgehen wird. Die Grünen-Fraktion will unter anderem wissen, ob die überstürzte Räumung der einzige mögliche Ausweg war und ob unter den Bewohnern auch Minderjährige sind. Und die Fraktion aus FDP, HUT und Piraten fragt, wieviel die Stadt dem Vermieter zahlte und ob sie sich mit Zahlungen im Verzug befand.

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