Große Pläne fürs Einkaufszentrum

OEZ stockt gewaltig auf - Anwohner sind skeptisch

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Auf den gelb markierten Flächen entstehen Wohnhäuser. Die rot skizzierten Baukörper sollen lediglich einen Eindruck davon vermitteln.

Das Gelände des Olympiaeinkaufszentrums (OEZ) soll für Wohnungsbau geöffnet werden. Auf den Parkplätzen könnten bis zu sechsstöckige Bauten mit rund 700 Wohneinheiten entstehen. Auch das OEZ selbst soll aufgemöbelt werden. 

München - Die ECE GmbH & Co. KG (ECE), die als Teileigner auch die Hausverwaltung des OEZ stellt, ist bemüht, den Ball noch flach zu halten. Aber dass es Pläne gibt, räumt die ECE unumwunden ein. „Sieht man sich mal das Gelände des OEZ von oben an, erkennt man, von wie viel Platz- und Gebäudeverschwendung wir hier sprechen“, sagt Center-Manager Christoph von Oelhafen. „Wir brauchen in München einfach dringend mehr Wohnraum.“ Als das Olympiaeinkaufszentrum und die dazugehörigen Wohnanlagen Anfang der 1970er-Jahre gebaut wurden, war ein Großteil des Areals reine Brachfläche. Heute kämpft die Stadt um jeden Quadratmeter. Das Planungsreferat der Stadt geht von einem Zuwachs der Einwohnerzahl auf mehr als 1,85 Millionen Münchner bis 2030 aus.

Da die Pläne für das OEZ-Gelände erst am Anfang stehen, rechnet von Oelhafen großzügig mit „bis zu vier Jahren“, bis die Neu- und Umbaumaßnahmen auf der Nordseite (siehe Grafik) überhaupt beginnen könnten: „Wir sind noch in der Konzeptphase und haben gerade erst erste Gespräche mit der Stadt geführt“, sagt der Center-Manager. Geplant sind zwei Dinge. Erstens sollen neue Wohnblöcke entstehen mit vier bis sechs Etagen und zweistöckigen Tiefgaragen, zweitens soll das OEZ selbst saniert werden.

Alpenblick soll erhalten bleiben

Bei den Wohnungen gilt es, die Gespräche mit der Eigentümergemeinschaft zu einem positiven Ende zu bringen. Die Entwicklungsflächen müssten nämlich aus der Gemeinschaft herausgelöst, die Teilungserklärung also geändert werden. Zu diesem Zweck wurde den Miteigentümern ein Angebotspaket geschnürt, das einen finanziellen Ausgleich sichern soll. Zudem soll der Alpenblick für die bestehenden Wohnblöcke erhalten bleiben – was bei einer Bebauung mit mehr als vier Stockwerken schwierig werden könnte, wie aus unserer Zeitung vorliegenden Skizzen hervorgeht.

Mit der Sanierung und dem Umbau des Olympiaeinkaufszentrums will man deutlich früher loslegen, idealerweise ab Ende des Jahres. Rund 30 Millionen Euro sollen nach Informationen unserer Zeitung investiert werden. „Wir möchten das OEZ aufhübschen und modernisieren“, sagt von Oelhafen. Die Einkaufsstraße soll verschönert, die Technik auf den neuesten Stand gebracht werden.

Besorgt: Anwohner Christian Daumer ist skeptisch. Der Besitzer einer Eigentumswohnung sammelt Unterschriften gegen das Projekt.

Christian Daumer ist Besitzer einer Eigentumswohnung in der Alten Pressestadt gegenüber der Nordseite des OEZ. Er steht den Plänen der ECE sehr skeptisch gegenüber. Als Sprecher einer Initiative für die Erhaltung des bisherigen Bebauungsplanes setzt er sich für „eine durchdachte Lösung“ ein. „Die meisten Bewohner in der Umgebung sind nicht mal gegen neue Wohnungen“, sagt Daumer. „Viele befürchten aber, dass durch die Nachverdichtung der Verkehr und der Lärm noch weiter zunehmen und die Menschen keine freien Grünflächen mehr zur Erholung finden.“

Rund 160 Bäume müssten dem Neubau allein auf der nördlichen Seite des OEZ weichen, die vier- bis sechsstöckigen Neubauten würden, befürchtet Daumer, zu einer nicht mehr umkehrbaren Verschattung der umliegenden Gebäude führen und dem Kerngebiet Alte Pressestadt den Charme nehmen: „Die Alte Pressestadt war immer als für alle offener und grüner Bereich angelegt“, erklärt Daumer, der über Umwege vom Vorhaben der ECE erfuhr. „Bisher konnten wir Pläne, unsere Grundstücke einzuzäunen, immer mehrheitlich verhindern.“

Was passiert, wenn hunderte neue Wohnungen auf der gegenüberliegenden Seite entstehen und die dort wohnenden Menschen auf die parkähnlichen Anlagen der Pressestadt ausweichen, mag Daumer sich gar nicht ausmalen: „Aus den Plänen geht nicht hervor, ob es Kinderspielplätze und Erholungsflächen für die Bewohner der neuen Türme geben wird.“

Initiative will Ghettoisierung des OEZ-Viertels verhindern

Daumer, der beim Münchner Verkehrsverbund arbeitet, ist zudem besorgt über den Zustand der umliegenden Straßen und Unterführungen: „Es gibt etliche neuralgische Punkte bei der Verkehrsinfrastruktur im Viertel, nicht nur die heute schon fehlenden Parkplätze und zugeparkten Feuerwehr- und Rettungswege.“ Des Weiteren möchte die Initiative für den Erhalt des Bebauungsplans eine Ghettoisierung des OEZ-Viertels verhindern.

Mehr als 500 Unterschriften haben Daumer und seine Mitstreiter bisher für ihr Anliegen gesammelt. Und auch bei der Bürgerversammlung in Moosach wurde ein Antrag auf Erhalt des Bebauungsplanes mehrheitlich angenommen. Ein einfacher Durchmarsch für die ECE-Pläne scheint es also nicht zu werden.

Lesen Sie auch: Hauptbahnhof soll futuristischen Turm bekommen, doch es gibt Widerstand: Das sind die Gründe

Nicole Zobel

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