„Wodans Erben“

Angst im Flüchtlingsheim: Rechtsextreme marschieren vor Unterkunft auf

+
Bedrohlich marschierten die Anhänger von Wodans Erben auf das Gelände der Flüchtlingsunterkunft.

Anhänger der rechtsextremistischen Gruppierung „Wodans Erben“ sind in eine staatliche Flüchtlingsunterkunft in Moosach marschiert. Der Staatsschutz ermittelt wegen Hausfriedensbruchs. 

München - Die Provokation der Rechtsextremisten, die in einem Video auf Youtube zu sehen ist, datiert auf den 9. Februar. Eine Gruppe von etwa 15 Menschen versammelt sich am Hauptbahnhof – dann steigen die bedrohlichen Gestalten in einen Bus, marschieren wenig später provozierend über das Grundstück einer Flüchtlingsunterkunft in Moosach. Ein Mann geht eine Treppe hinauf, posiert, ein anderer öffnet die Tür. Unterlegt ist dieses Video mit martialischer Musik – dem „Imperialen Marsch“, der im Film ertönt wenn Star-Wars-Bösewicht Darth Vader auftritt.

München/Moosach: Sorge um die Sicherheit der Bewohner

Der Aufmarsch der Rechtsextremen war jetzt Thema im Bezirksausschuss (BA). Die Gruppe habe die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft an der Franz-Mader-Straße in Angst und Schrecken versetzt, sagen die Stadtteilpolitiker. Der BA fordert Konsequenzen. Die Beauftragte gegen Rechtsextremismus, Hannelore Schrimpf (SPD), will wissen, ob man besser für die Sicherheit der Bewohner und Mitarbeiter von Gemeinschaftsunterkünften sorgen kann, die von der Regierung von Oberbayern geführt werden. „Es sieht auf dem Video so aus, als ob sich die Gruppe frei auf dem Gelände bewegen konnte“, sagt sie. Besonders beunruhigend sei die Situation an den Wochenenden. Da sei anscheinend nicht einmal ein Mitarbeiter da: „Für die Bewohner, die kaum Deutsch sprechen, ist es schwierig, in solchen Fällen die Polizei zu rufen – ihnen fehlen einfach die Worte.“

Lesen Sie auch: BKA: Angriffe auf Flüchtlingsheime werden seltener - Gewalt bleibt

Regierung von Oberbayern stellte Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs

Die Regierung von Oberbayern stellte in diesem Fall Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs. Die Bewohner in den Unterkünften würden nun verstärkt sensibilisiert, zukünftig in solchen Fällen sofort die Polizei zu verständigen, so Verena Gros, Sprecherin der Regierung von Oberbayern. Nach ihrer Auskunft ist jetzt nachts ein Sicherheitsdienst im Einsatz. Zudem sei man mit der Polizei im Gespräch. Marcus Buschmüller von der Fachinformationsstelle für Rechtsextremismus beurteilt es positiv, dass etwas passiert. Ob die Maßnahmen ausreichen, bezweifelt er aber: „Der Spaziergang fand am Samstagnachmittag statt. Gegebenenfalls wäre es besser, fachlich ausgebildetes Personal vor Ort zu haben, dass im Ernstfall weiß, was zu tun ist.“ 

München/Moosach: Rechtsextremistische Gruppierungen treffen sich immer öfter

Sorge bereitet Buschmüller auch die „krude Mischung“ aus NPD-Anhängern, Wodans Erben aus Nürnberg und anderen rechtsextremistisch Gesinnten, die die Münchner Wodansjünger bei ihren in immer kürzeren Abständen stattfindenden Aktionen unterstützen. Dass die Zahl der Anhänger dabei überschaubar ist, ist für Buschmüller längst kein Grund zur Entwarnung: „Jeder Einzelne kann Schlimmes anrichten, wenn eine Situation eskaliert.“ Erst am vorvergangenen Samstag sei die Gruppe wieder in Bogenhausen unterwegs gewesen und habe sich dort an der Odinstatue zum Selfie getroffen. „Sie waren nicht gerade begeistert, entdeckt zu werden“, so Buschmüller. Bei der darauffolgenden Trambahnfahrt habe die Polizei die Gruppe schließlich kontrolliert. Eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz läuft.

Die Männer und Frauen, die auf dem Video zu sehen sind, tragen zum Teil Jacken, auf denen „Wodans Erben“ steht, zudem ist ein Helm mit gekreuzten Äxten zu sehen. Das Logo erinnert an die früher aktive rechtsextremistische Bürgerwehr „Soldiers of Odin“. Mitte des vergangenen Jahres verschwand die Gruppierung zunächst und tauchte kurze Zeit später als „Wodans Erben“ wieder auf.

Auch interessant: Christchurch: Mutiger Held zertrümmerte Autoscheibe des Attentäters - und stoppte so den Amoklauf

Eine schreckliche Entdeckung mussten Eltern einer 16-Jährigen in München machen: Ihre Tochter nahm ein Bad und wollte währenddessen ihr Handy aufladen. Doch das Bad nahm ein tragisches Ende.

Bei einem weiteren Fall von offenem Rechtsextremismus zeigte ein Trucker auf offener Straße seine braune Gesinnung. Er hatte seinen Lkw gut sichtbar mit Reichskriegsflagge und „Adolf H.“-Schild dekoriert.

Nicole Zobel/Stefanie Wegele

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Unglaublich: Münchner (14) läuft versehentlich ganzen Marathon: „Als ich merkte, dass ich falsch bin ...“
Unglaublich: Münchner (14) läuft versehentlich ganzen Marathon: „Als ich merkte, dass ich falsch bin ...“
Frau nach Spaziergang verschwunden - Polizei startet Zeugenaufruf
Frau nach Spaziergang verschwunden - Polizei startet Zeugenaufruf
Junge Frauen lassen sich nachts heimlich bei Kaufland einsperren - und filmen sich
Junge Frauen lassen sich nachts heimlich bei Kaufland einsperren - und filmen sich
Spur des Schreckens: Jugendliche ziehen nachts durch Stadt und legen Brände - Feuerwehr verhindert Schlimmeres
Spur des Schreckens: Jugendliche ziehen nachts durch Stadt und legen Brände - Feuerwehr verhindert Schlimmeres

Kommentare