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Drama um Münchner Musiker: Er stürzte beim Wandern - „Es sieht leider nicht gut aus“

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Von: Michael Hellstern

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Die drei lustigen Moosacher
Die drei lustigen Moosacher: (v.l.)     Rudolf „Waggi“ Schneider, Hans Döring, Georg Niedermeier    © Marcus Schlaf

Er war fit, er war fröhlich, doch dann passierte ihm ein schlimmer Unfall. Rudolf „Waggi“ Schneider stürzte. Bekannt wurde der Volksmusiker als lustiger Moosacher.

München - Freude und Spaß verbreiten: Jahrzehntelang war das der Dreh- und Angelpunkt im Leben von Rudolf „Waggi“ Schneider (87). Jetzt aber machen sich seine Familie und seine Freunde große Sorgen um das letzte lebende Mitglied des Münchner Volkssänger-Trios „Die 3 lustigen Moosacher“ (Ja, mir san mitm Radl da). Schneider liegt seit Montag im Koma.

Beim Wandern am Walchensee hatte er einen Herzstillstand erlitten. Dabei stürzte er schwer und brach sich dabei das Genick. Mit einem Hubschrauber wurde Schneider ins Krankenhaus nach Rosenheim gebracht, dort kämpfen die Ärzte um sein Leben. „Es sieht leider nicht gut aus“, sagt seine Frau Margot (82). „Er musste ins künstliche Koma versetzt werden. Dabei sind wir zuvor bei wunderschönem Wetter am Walchensee gewandert. Wir waren fast schon wieder am Auto, als es passiert ist. Es war einfach furchtbar.“

Münchner Musiker liegt im Sterben - Waggi Schneider machte immer noch viel Sport

Waggi Schneider sei als ehemaliger Sportler eigentlich kerngesund gewesen. 1952 hatte er in elf verschiedenen Disziplinen der Leichtathletik die Jahresbestenliste erreicht, war sogar Teil einer Olympiaauswahl. Mit über 50 Jahren legte er noch Sportabzeichen ab. Bis ins hohe Alter blieb er dem Sport treu: 2015 hatte er einen Deutschlandrekord im Staffellauf bei den Über-80-Jährigen geknackt. Regelmäßig traf er ehemalige Leichtathletik-Gefährten zum Bergwandern.

„Das ist eine schreckliche Geschichte“, sagt sein Sohn Rudi (54), der den Vater jeden Tag im Krankenhaus besucht. „Es ging ihm in den letzten Jahren sehr gut.“ Lediglich einige altersbedingte Beschwerden hätten dem Vater zugesetzt - wie eine falsch diagnostizierte Borreliose-Erkrankung oder sein künstliches Knie.

Rudolf „Waggi“ Schneider
Stürzte bei einem Wanderausflug: der letzte lustige Moosacher Rudolf „Waggi“ Schneider. © Marcus Schlaf

Der Wanderunfall ist jedoch nicht der einzige Schicksalsschlag im Leben Waggi Schneiders. 1968 wurde seine erste Ehefrau von einem Nachbarn brutal erstochen. Der Angriff galt eigentlich dem damals zweijährigen Sohn Rudi. Das Motiv: Neid auf Waggis erfolgreiche Musikkarriere! Die Mutter stellte sich dem Angreifer entgegen und bezahlte das mit ihrem Leben. „Wenn man dann wieder auf der Bühne stehen und lustig sein muss, das ist unfassbar hart“, sagte Waggi Schneider rückblickend 2014 in einem Interview.

Münchner Kultband: Im Oktober 1999 tritt die Gruppe das letzte Mal auf

Das Showbusiness lässt ihn aber nicht los: Kurze Zeit nach dem Drama tritt er wieder auf. Und die Stammtisch-Platten, auf denen die Truppe Witze im Dialekt vorträgt, verkaufen sich wie die warmen Semmeln. Mit Waggi Schneider als Bassist, Hans Döring am Akkordeon und Georg Niedermeier an der Gitarre feiern die „3 lustigen Moosacher“ jahrzehntelang Erfolge. Sie zählen zu den erfolgreichsten Künstlern in ihrem Genre. Der einzige waschechte Moosacher ist dabei Waggi Schneider, denn Döring stammt von der Schwanthalerhöhe und Niedermeier aus Schwabing. Die drei Freunde werden zu Stars der volkstümlichen Musik*, teilweise haben sie über 250 Auftritte pro Jahr. Größen wie Karl Dall, Heino und Maria Hellwig teilen mit ihnen die Bühne. Die Musiker verkaufen über fünf Millionen Schallplatten. Trotz des Erfolgs bleibt das Trio seinen Wurzeln treu und spielt regelmäßig an Orten wie dem „Alten Wirt“ in Moosach. Schneider selbst sieht sich vor allem als Unterhaltungsmusiker.

1990 bewerben sich die Moosacher beim Grand Prix der Volksmusik und landen mit Engerl samma olle auf Platz elf des deutschen Vorentscheids. Konzerte gibt es auch in den kommenden Jahren, das letzte im Oktober 1999. Als Döring 2000 einem Schlaganfall erliegt, ist die gemeinsame Karriere der lustigen Moosacher offiziell vorbei. 2004 stirbt auch Georg Niedermeier - Waggi Schneider ist das letzte lebende Mitglied des Volkssänger-Trios.

Der Musik bleibt er treu, nur spielt er in den folgenden Jahren für sich und seine Familie - daheim in Gröbenzell im Kreis Bruck, wo er mittlerweile wohnt. Besondere Freude bereitet es ihm, Stücke aus dem Radio spontan auf der Bassgeige zu begleiten. Nicht nur Lieder der lustigen Moosacher, sondern auch alles andere, was ihm gefällt.

München: Große Erfolge der „3 lustigen Moosacher“ - Auftritte auch in Kanada und USA

Die „3 lustigen Moosacher“ feiern 1971 mit Ja, mir san mitm Radl da ihren bekanntesten Hit. Aber auch die Brotzeit-Polka („Mach ma Brotzeit, Brotzeit is die schönste Zeit“) und Alte, schau mi net so deppert an sind noch heute Dauerbrenner in Bierzelten und auf -Faschingsfeiern. Hans „Hansi“ Döring (1931-2000) und Georg „Schorschi“ Niedermeier (1929-2004) hatten die Gruppe 1952 mit Rudolf „Waggi“ Schneider gegründet. 1960 kam die erste Schallplatte heraus, mehr als 100 LPs und Singles folgen. Die Gruppe tritt im Fernsehen mit Größen wie Peter Alexander und Peter -Frankenfeld auf. Selbst international sorgen die Bayern für Aufsehen: Sie touren bis in die USA und nach Kanada. Insgesamt 47 Jahre lang standen sie gemeinsame auf der Bühne.

Vor wenigen Monaten ist ein bekannter Musiker der Band Pur im Alter von 57 gestorben*. Er spielte als Schlagzeuger für viele der ganz großen Stars. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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