Überstürzter Entschluss?

Posse um Kindergarten in der Borstei - Eltern verstehen die Welt nicht mehr

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Werden im Regen stehen gelassen: Weder Eltern noch Kinder wollen den Kindergarten in der Borstei so leicht aufgeben.

Der Kindergarten in der Borstei soll ausgelagert werden. Der Grund: Brandschutz. Das Problem ist jedoch seit Jahren bekannt. Der überstürzte Entschluss stößt daher auf Unverständnis.

München - Susanne Schröder und ihre Kollegen vom Elternbeirat verstehen die Welt nicht mehr. Vor rund einer Woche wurde ihnen eröffnet, dass der Kindergarten in der Borstei bereits zum 1. September ausgelagert werden soll. Die 42 Kinder sollen dann im Kindergarten an der Dieselstraße nahe dem Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) untergebracht werden.

Der Grund für das drohende Aus ist der Brandschutz. Auch wenn das Problem bereits länger bekannt ist, ist es nun auf einmal akut. Es gebe keinen Fluchtweg aus den Räumen, der den Vorschriften des Brandschutzes genügt, heißt es von Seiten des Referats für Bildung und Sport.

Der Kindergarten in der Borstei besteht aus drei Gruppenräumen, die sich in alten Wohnungen an der Löfftzstraße, Pickelstraße und Franz-Marc-Straße befinden. Der einzige Fluchtweg aus diesen Räumen führt durch die – hölzernen – Treppenhäuser der alten Gebäude. Das sei laut Branddirektion nicht sicher, so ein Sprecher des Referats weiter.

Der fehlende zweite Rettungsweg könnte durch Außentreppen an den drei Häusern geschaffen werden. Diese Lösung hat jedoch der Denkmalschutz abgelehnt. Auf Nachfrage unserer Zeitung konnte das Landesamt für Denkmalschutz zu diesem Fall keine genauen Angaben machen. Man versuche jedoch eigentlich immer, nötige Fluchtwege möglich zu machen, hieß es.

Kindergarten existiert seit 80 Jahren - nun soll alles vorbei sein?

„Der Kindergarten in der Borstei existiert seit fast 80 Jahren – und nun soll er auf einmal schließen?,“ sagt Elternbeiratsvorsitzende Susanne Schröder. „Ich denke, dass da noch nicht alle Varianten durchdacht und geklärt sind.“ Der Kindergarten in der Dieselstraße ist für sie und die anderen Eltern keine Lösung. Die meisten von ihnen wohnen südlich der Borstei. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln würde hier das Bringen und Abholen aufgrund fehlender Direktverbindung rund eineinhalb Stunden pro Tag in Anspruch nehmen. Aber es geht um mehr als um zusätzliche Fahrtzeit. „Der Kindergarten in der Borstei ist ein Wohlfühlort, sowohl für Eltern als auch für die Kinder“, sagt Vater Zekai Uzumel.

Mit ihrem Anliegen haben sich die Eltern auch an den Bezirksausschuss (BA) Moosach gewandt. In dem Gremium stießen sie auf offene Ohren. Die CSU-Fraktion hatte im Vorfeld einen Eilantrag zum Erhalt des Kindergartens eingereicht. Für den Personalreferenten und stellvertretenden BA-Vorsitzenden Alexander Dietrich (CSU) hat das Ganze auch eine persönliche Note. Er ist selbst in der Borstei aufgewachsen. „Die Probleme des Brandschutzes sind seit Längerem bekannt“, sagt Dietrich. „Aber es muss nach ernsthaften Alternativen gesucht werden.“ Der Kindergarten an der Dieselstraße sei dies nicht, so der BA-Vize. „Wir müssen und wollen als BA politisch hinter den Eltern stehen.“ Der Antrag der CSU wurde einstimmig beschlossen. „Denkmalschutz ist wichtig, noch wichtiger ist der Brandschutz und am wichtigsten sind unsere Kinder“, so Dietrich.

Lisa-Marie Birnbeck

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